Archiv der Kategorie: Mediensachen

Virales Marketing ohne Moralkodex: der Fall Mhoch3

Es war in der Branche kein Geheimnis. Meinungen und Bewertungen im Internet, in Foren oder auf Bewertungsseiten können gekauft werden. Vielen Verbrauchern war dies nicht klar. Ein Fall aus Österreich könnte dies nun ändern, weil er zum ersten Mal deutlich macht, welches Ausmaß und welche Methoden Agenturen anwenden, um die Öffentlichkeit zu täuschen. Mindestens genauso schockierend ist dabei die Selbstherrlichkeit, mit der die betroffene Agentur Mhoch3 ihre Dienste anbietet. Dabei verstößt sich nicht nur gegen den „Europäischen Kodex der Verhaltensgrundsätze in der Öffentlichkeitsarbeit“ (eine Kopie des Code de Lisbonne findet sich auf den vibrio-Seiten), sondern möglicherweise auch gegen das Wettbewerbsrecht.

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Virales Marketing durch bezahlte Claqueure: ein Verstoß gegen den Code de Lisbonne

Dass die irreführenden Kommentare gekaufter Claqueure zutiefst unmoralisch sind und Dienstleister wie Kunden in Misskredit bringen sei nur am Rande erwähnt. Der Fall wird auch dazu führen, dass die Skepsis gegenüber sozialen Medien weiter zunimmt, die schon im Zuge der jüngsten Konflikte in der Ukraine und Syrien stark angestiegen ist.

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Social Media und Hörfunk: „Smart Radio“ und der „Second Screen“ für den Radiohörer

Der Radiomann
Der Autor als Radiomann der ersten Stunde

Unter dem Titel „Smart Radio“ diskutiert die Hörfunkszene seit einigen Jahren ihre Beziehungen zum Thema „Social Media“ auf zahlreichen Kongressen und Online-Foren. Schließlich sind ja Online- und soziale Medien nicht nur eine lebensbedrohende Herausforderung für die Holzpresse, sondern auch für die einst funkelnden funkenden Medien.

Und wie das so ist, so ist diese Debatte natürlich wichtig und richtig, doch purzeln die Begriffe allzu häufig durcheinander und jeder meint etwas völlig anderes, wenn er von der sozialmedialen Zukunft des Hörfunks spricht. Deshalb möchte ich im Folgenden drei verschiedene Herausforderungen nennen, die man auch hübsch getrennt diskutieren sollte:

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Das Ende von Twitter und Youtube als Newsquelle

Generäle sind stets darauf vorbereitet, den letzten Krieg noch einmal auszutragen. Social Media Propagandisten ebenso. Die Jasmin Revolution war 2011 das goldene Zeitalter der Sozialen Medien, ihr basisdemokratischer Ritterschlag. Die Mächtigen der Welt haben das zur Kenntnis genommen und reagiert: Erdogans Krieg gegen Facebook und Twitter ist ein ungelenkes Beispiel, Russlands Maskottchen Zoich ein meisterhaftes. Mit den Krisen in Syrien, Irak, vor allem aber der Ukraine und Gaza erleben wir den uneingeschränkten Propaganda-Krieg auf Twitter, Youtube und Facebook. Die Folge wird sein, dass die Anwender diesen Quellen zunehmend kritisch und zynisch gegenüberstehen. Das ist gut für die Printmedien, TV und Radio, und das Ende der Newsquelle Social Media.

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„2011 Egyptian protests Facebook & jan25 card“ von Essam Sharaf – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

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re:publica 2014 – was vibrio bei der Netzgemeinde gefunden hat

Neuland-Ikone: Sascha Lobo
Neuland-Ikone: Sascha Lobo

Dank David Hasselhoff und Bianca Jagger hat sich die Netzgemeinde zur re:publica mit ihrer Filter Bubble bis in die Tagesschau vorgearbeitet. Zwischen On- und Offlinern tobt in der Zeit danach ein heftiger Kampf: Ist das wichtig? Ist das relevant? Und wenn oder wenn nicht, warum war ausgerechnet vibrio, eine Agentur die auf PR und Social Media Marketing für High-tech und erklärungsbedürftige Produkte spezialisiert ist, auch dieses Jahr wieder mit zwei Kollegen in Berlin vertreten? Das Fazit der Skeptikerin und des Euphorikers fällt einhellig aus: da muss man gewesen sein. Weiterlesen

Gute Nacht, Abendzeitung? Wie es mit der Zeitung weitergehen könnte

In diesen Tagen wird sich das Schicksal einer Institution in der Presselandschaft entscheiden: findet sich ein Investor, so kann die Abendzeitung weitermachen. In irgendeiner Art und Weise. Wenn nicht, dann hatte Verleger Johannes Friedmann Recht: es sei „aussichtslos“, so meldete er sich noch am Tag der Insolvenz in der Süddeutschen. Es gibt gute Gründe für seinen Pessimismus, doch auch Strategien für die Zukunft des Boulevards. Fachmedienhäuser wie der Vogel IT Verlag oder IDG machen es vor.

Guteb Abend, Zeitung,gute Nacht?
Die Zukunft des Boulevard liegt in Wearable Media.

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Dieter Eckbauer ist tot. Ein kleiner Nachruf und ein großer Dank.

Dieter Eckbauer
Dieter Eckbauer, hier zusammen mit Rudy Kulzer (rechts), als Gast der Agentur vibrio auf einer vibLounge.

Eben erfahre ich, dass am vergangenen Wochenende der langjähriger Chefredakteur der Computerwoche Dieter Eckbauer verstorben ist. Einer der wichtigsten Journalisten, die die deutsche IT-Branche je hatte, ist damit für immer von uns gegangen.

Als PR-Chef von Microsoft habe ich mich häufig maßlos über ihn geärgert, als IT-Mann und Freund offener Worte habe ich mich oftmals maßlos mit ihm geärgert. Immer war Dieter Eckbauer ein verlässlicher Streiter für offenen Dialog und klare Worte. Er war nie nachtragend und selten vortragend. Er war immer im Dialog. Er ist Trends ungern gefolgt. Er schrieb noch an seiner Schreibmaschine, als alle Welt schon am PC saß. Und er schrieb an seiner Maschine über PCs, über ihren Fluch öfter, als über ihren Segen. Und deshalb war er immer ein leidenschaftlicher Mahner, einer der uns Einhalt gebot, wenn wir allzu selbstverliebt, technikversessen und optimistisch jedem Trend hinterher liefen. An ihm konnte man sich reiben und so hat er jene, die sich darauf einließen, zum Leuchten gebracht.

Wer von ihm kritisiert wurde, musste sich warm anziehen. Wer von ihm ignoriert wurde, den gab es nicht. Von ihm kritisiert zu werden, war das Ziel vieler.

Dieter Eckbauer prägte über viele Jahre nicht nur den Ruf der Computerwoche als dem führenden Blatt der IT-Branche in Deutschland. Dieter Eckbauer prägte die Branche.

Ein wenig habe ich die Hoffnung, dass er „drüben“ weitermachen wird. Dass er dort – wo immer das sein mag – mit spitzer Feder allen selbstgerechten Engeln ein „B“ vorsetzt. Dass er den Kampf gegen Heerscharen so aufnehmen wird, wie einst seinen Kampf gegen die IBM – nicht weil er die IBM nicht mochte, sondern weil er zeitlebens fand, dass alle Mächtigen ein Korrektiv im Journalismus brauchen. Er hatte recht. Nicht immer, aber öfter, als fast alle anderen.

Mir fällt Hanns-Dieter Hüsch ein, der auf Tucholsky einmal schrieb:

Am Himmel bewegt sich eine Gardine,
die Engel haben Ladenschluss,
da sitzt ein Mann an der Schreibmaschine
und schreibt, weil er schreiben muss.

Der liebe Gott sitzt mit ihm zusammen
und macht ein faltenreiches Gesicht.
Der Mann sagt leise: „Reiss dich zusammen,
komm, wir spielen Mensch ärgere dich nicht.“

 …

Am Himmel bewegt sich eine Gardine,
und über die Milchstrasse läuft eine Maus,
da sitzt ein Mann an der Schreibmaschine,
der sieht wie [Dieter Eckbauer] aus.

Zum Nachruf der Computerwoche.

 

Sotschis Guerilla-Kröte Zoich: Russland: 1 – Social Media: 0

Die Organisatoren der olypischen Winterspiele in Sotschi mögen sich zahlreiche Schnitzer erlaubt haben. In Punkte Social Media und Guerilla Marketing haben sie der Welt gezeigt, wo der Hammer hängt. Ganz unerwartet für einen monolithischen Apparat haben sie die subversive Kraft des Internet für ihre eigenen Zwecke eingesetzt. Alles was sie dazu brauchten war ein kreativer Designer, Willen zum Erfolg und die Bereitschaft, den (unvermeidlichen) Spott an „ihren“ Spielen nicht nur hinzunehmen, sondern zu fördern. Die Geschichte um Zoich, die Hypno-Kröte, liest sich wie ein gestrichenes Kapitel aus „1984“.

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Vom Selfie, Trending Topics und nicht-zwitschernden Twitterati

In den Sozialen Netzwerken hat sich im letzten Jahr einiges geändert: Dinge wie Snapchat, der Kauf von Tumblr durch Yahoo und die wachsende Bedeutung von Vine und WeChat hat die Welt des Social Media Marketing verkompliziert.

13 interessante Social Media Zahlen trug der amerikanische Internet-Marketing-Dienstleister NowSourcing in einer schönen Infografik zusammen. (Übrigens passend zur Agenturdebatte, wie man Kaffee am besten lagert, erstellte NowSourcing eine interaktive Infografik zum Weg des Kaffees in unsere Tassen.)

Die Zahlen bestätigen, was Kollege Pflugbeil schon mindestens zweieinhalb Jahre predigt (länger bin ich noch nicht in der Agentur 😉 ): Twitter ist der Nachrichtendienst schlechthin. Kein Wunder also, dass die Hälfte der weltweit 232 Millionen angemeldeten Twitterati nur passiv mitliest. Im Jahr 2013 war Twitter auch das am schnellsten wachsende soziale Netzwerk. Überraschend, denn auch Google+ ist mit im Schnitt 8 neuen Usern pro Sekunde(!!) nicht zu unterschätzen.

Facebook wird immer beliebter

Wenig überrascht dagegen der tägliche Facebook-Login von immerhin 95 Prozent der Facebook-User. Als „seriöse Nachrichtenquelle“ (Spiegel, 17.01.14) konnte sich Facebook bislang trotzdem nicht etablieren. Allerdings scheint Facebook mit jeder

Änderung des Newsfeeds und jeder neuen Funktion  den Weg dorthin ebnen zu wollen. Zuletzt wurde letzten Donnerstag (16.01.14) von Facebook bekanntgegeben, dass es nun „Trending Topics“ gibt. Ähnlich wie bei Twitter werden Nutzern nun an der rechten Seite ihrer Startseite die wichtigsten Themen des Tages angezeigt. Ob die krampfhafte Umstellung vom rein sozialen Netzwerk hin zu einer ernstzunehmenden Nachrichtenquelle greift, wird sich zeigen.

Der Instagram Hit – das Selfie

Das Oxford English Dictionary hat „Selfie“ zum Wort des Jahres 2013 gekürt. Anfangs ging man davon aus, dass das so getaufte Selbstportrait auf sozialen Plattformen nur ein vorübergehender Hype ist – ähnlich den Food-Pics. Selfies, die mit einer Kamera auf Armeslänge gehalten oder in einem Spiegel aufgenommen werden, halten sich aber erstaunlich lange. Prominente wie die Kardeshians, Rihanna und Justin Bieber posten sie fast täglich. Gerade von Instagram sind die #Selfies nicht mehr wegzudenken. Mehr als 35 Millionen von ihnen wurden bisher veröffentlicht – ein Ende ist nicht in Sicht. Oder doch? Gewinnt vielleicht doch das „Wir“ #usie ? Oder geht der Trend hin zum  Bewegtbild, der Konkurrenz Vine, die nun schon ein Jahr alt ist? Gerade Markenvideos finden hier schon guten Anklang: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Marken-Vine wie dieses von Opelgesehen wird, ist 4-mal größer als ein normales Markenvideo auf einem anderen Kanal.

Infografik Social Media Statistik 2013
Soziale Medien 2013 in Zahlen

Große Koalition will „amtlichen Presseausweis einführen“ – Überblick über die konkreten Aussagen zur Medienpolitik im Koalitionsvertrag

Die große Koalition – so sie denn von den SPD-Mitgliedern durchgewunken wird – plant auch einige Projekte im Bereich Medienpolitik. Eigentlich gibt es nur fünf konkrete zentrale medienpolitische Aussagen aus dem Koalitionsvertrag:

1. Die Koalition unterstützt eine Initiative der Länder zur Wiedereinführung des „amtlichen Presseausweises“. Damit würde vermutlich die Aufsicht über dieses Instrument von den führenden Berufsverbänden auf staatliche Gremien übergehen. Dabei reichen die Vorgaben für den Presseausweis der Verbände völlig aus. Staatsferne der Medien sieht anders aus!

2. Die Reorganisation des Medienrechts im Hinblick auf die Konvergenz zwischen traditionellen und Online-Medien soll in einer Bund-Länder-Kommission vorbereitet werden. Das ist nicht neu. Medien sind in der deutschen Kleinstaaterei nun einmal Ländersache. Im Zweifel ist das Internet bayerisch.

3. Private und öffentlich-rechtliche Medien „die einen Beitrag im Sinne des Public Value leisten, sollen einen diskriminierungsfreien Zugang  zu Distributionswegen und eine herausgehobene Auffindbarkeit erhalten“. „Eine herausgehobene Auffindbarkeit“ – das klingt gut. Aber was wird derjenige sagen, der heute über die Auffindbarkeit weitgehend bestimmt? Tritt Google der Koalition als vierter Partner bei?

4. Die Deutsche Welle soll weiterentwickelt werden. Das ist zwar auch nur ein allgemeines Commitment, aber immerhin:  Gut So!

5. Der Presse-Grosso soll presserechtlich und gegenüber den Dereglierungsbestrebungen der EU abgesichert werden. Gut so! Warten wir mal auf einen konkreten Gesetzesentwurf.

Der Rest vom Plan sind mehr oder weniger Gemeinplätze: der Kinder- und Jugendschutz in den digitalen Medien soll ausgebaut, Film und Buchhandel sollen gefördert, die Medienvielfalt gesichert werden. Angesichts der Zusammensetzung der Koalition werden aus diesen Gemeinplätzen kaum konkrete Projekte folgen. Auf die fünf Punkte von oben sollten wir achten.

 

Hier waren Social Media Geld wert für ein B2B-Unternehmen

Eine der häufigsten Fragen bei der Planung von Social Media Strategien ist die nach dem Business-Wert. Mit gutem Grund – gerade der B2B-Sektor sieht oft keinen starken Effekt seiner Facebook-, Twitter-, LinkedIn- oder Youtube-Präsenz. Es gibt aber ein konkretes Beispiel für die Auswirkungen, die Social Media haben können – stark, positiv und völlig unvorhersehbar. Es beginnt mit einem Vater- und Sohn-Paar wie aus der Seifenoper und endet damit, dass das dämliche Rumgehoppel des Junior dem Vater mehr Geld einbringt als Jahre harter Arbeit. Ein fast schon unglaubliches Märchen mit einer ganz nachvollziebaren Erklärung.

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