Web 2.0: Was Unternehmen vom Jihad lernen können

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Gemäss der weltweiten Befragung von knapp 2’000 Manager durch die Unternehmensberatung McKinsey benutzen Unternehmen mehr Web 2.0 Tools als letztes Jahr. Die Berater halten in ihrem Bericht «Building the Web 2.0 Enterprise» fest, dass der Einsatz von Blogs, Wikis, Podcasts und Social Networking Tools nach einer Versuchsphase und dann richtig eingesetzt zu einem fundamentalen Wandel der Wertschöpfungskette führt. Bei knapp einem fünftel der befragten Unternehmen helfen die neuen technologischen Tools innerhalb und auserhalb der Firewall mit Kunden, Partner und Lieferanten näher zusammen zu wachsen und die Mitarbeiter erfolgreicher zu motivieren. Das Ziel sei es das „Ecosystem“ des Unternehmens zu öffnen und die Stakeholder besser in die Unternehmensprozesse zu integrieren. Weiterlesen

Nicht-Veröffentlichungs-Vereinbarung für Journalisten – ein Widerspruch!?

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Eine heiß geführte Diskussion zu Vertraulichkeitsvereinbarungen, bei angelsächsischen Öffentlichkeitsarbeitern auch Non-Disclosure-Agreement, kurz EnnDiehÄih (NDA), genannt, ist gestern in dieser Agentur entbrannt. Demnach ergibt sich heute folgender Diskussionsstand:

  • Im Zeitalter der globalen Echtzeit-Kommunikation, die nicht nur von Journalisten bestimmt wird, hat ein NDA nur begrenzten Wert. Wenn z.B. ein anonymer russischer Blogger Gerüchte veröffentlicht, ist das NDA gefährdet, da unter NDA stehende Journalisten immer auf diese öffentliche Quelle verweisen können.  Die Quelle selbst lässt sich dabei juristisch nicht verfolgen.
  • Bei dem zunehmenden Konkurrenzdruck zwischen den Medien und zwischen Medien und anderen Quellen wie Blogs oder Foren, besteht die Gefahr, dass das Risiko wegen eines nicht eingehaltenen NDAs verfolgt zu werden, geringer eingeschätzt wird, als der Vorteil durch die frühzeitige Veröffentlichung.
  • Langjährige unabhängige Beobachter von Unternehmen können sich meistens aus offiziellen Unternehmensmitteilungen, Gerüchten und Markteinschätzungen zusammenreimen, welches Thema unter NDA steht. Spekulationen sind nur schwer zu verbieten.
  • Ein NDA greift und lässt sich offenbar juristisch auch durchsetzen.

In  der Praxis stellen sich mir jedoch einige Fragen bzw. sollten vor dem Griff zum NDA einige Fragen geklärt werden:

  • Warum ist das NDA überhaupt notwendig? Journalisten sollten doch eigentlich berichten und nicht nicht-berichten.
  • Muss es ein NDA sein oder reicht eine Sperrfrist bis zum gewünschten Veröffentlichungszeitpunkt? (Auch hier ist zu beachten, dass der Konkurrenzdruck, s.o., möglicherweise dafür sorgt, dass die Sperrfrist nicht eingehalten wird.)
  • Wurde der unter NDA gesetzte Sachverhalt oder das Produkt möglicherweise schon anderen Zielgruppen vorgestellt? Wenn ja, ist zu prüfen, ob dort auch eine strenge Geheimhaltungsvereinbarung angewendet wurde. Häufig passiert es, dass z.B. Vertriebspartner über neue Produkte informiert werden, ohne unter NDA zu stehen. Das NDA für Journalisten wäre damit wirkungslos, wenn sie sich wieder auf eine öffentlich zugängliche Quelle, z.B. ein Partner-Interview stützen können.
  • Sind Journalisten überhaupt die richtige Zielgruppe für das NDA? Wenn sie sowieso nicht veröffentlich sollen, brauchen sie dann die Infos überhaupt?
  • Warum lässt man für manche Aktionen ein NDA unterschreiben (Produktpräsentation vor einer Gruppe) für andere (informelles Hintergrundgespräch mit dem Geschäftsführer) nicht?

Abschließend plädiere ich vor diesem Hintergrund dafür, ein NDA so zurückhaltend wie möglich einzusetzen und die Laufzeit auf so kurz wie unbedingt notwendig zu beschränken. Es mag Situationen geben, wo man für einige Tage Detail-Informationen bis zu einer zentralen, globalen Produktvorstellung zurückhalten will oder einem Journalisten vor Redaktionsschluss Informationen für die nächste Ausgabe mitteilen will. Alles andere ist aber eine Zumutung für Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter, die fürchten müssen, wegen eines „Lecks“ belangt zu werden – und das, obwohl ihr Auftrag eigentlich die Öffentlichkeit und nicht die Nicht-Öffentlichkeit ist.

Ein paar Links dazu zum Schluss noch:

  • Schöne Kommentare auf ein Blogpost von Thomas Knüwer, der an dem Sinn der Sperrfristen zweifelt.
  • Interessanter Aspekt aus der Computerspiele-PR, wo Hersteller offensichtlich versuchen, bestimmte Informationen per NDA von der Berichterstattung auszunehmen. (Mit Strg+“+“ lässt sich übrigens ddie Darstellungsgröße der Schrift beim IE und FF vergrößern.) Dies Beispiel zeigt auch deutlich, dass der allzu umfassende Umgang mit NDAs zu negativer PR führen kann.
  • „Don‘ trust bloggers“ darf nicht das Ergebnis der Diskussion sein, wenn es um die Einbindung von Bloggern in die PR geht. Ausführliche Überlegungen dazu auf Englisch hier.
  • Schönes Beispiel für ein NDA von einem vielen (noch) sympathischen Unternehmen. Google stellt sein NDA, das angeblich alle Besucher unterschreiben müssen, natürlich nicht öffentlich zur Verfügung, deshalb hier eine unautorisierte Version. Es wird sogar spekuliert, dass der Inhalt des NDAs unter NDA steht (das gilt allerdings für Mitarbeiter NDAs):

Google Mitarbeiter werden wahnsinnig, wenn sie ihr Non Disclosure Agreement nochmal durchlesen und realisieren, was sie sagen dürfen, nicht sagen dürfen und nicht sagen dürfen, was sie nicht sagen dürfen. (…)

Mein ideales Social Media Release – ohne Bullet Sh.. im Vorspann!

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Als Journalist oder PR-Texter sollte man gelernt haben, komplexe Sachverhalte auf das Wesentliche reduziert verständlich darzustellen. Weil das zugegebenermaßen manchmal wirklich hohe Kunst ist , hat man jetzt mit dem Social Media Release eine Ausrede, Fakten ohne Zusammenhang in Bullet Points darzustellen. Bullet Sh.. sage ich dazu. Oder traut man vielleicht dem Web Zwonuller nicht zu, zusammenhängende Absätze zu lesen?

Wie sagte Christoph Witte, Herausgeber der Computerwoche, unlängst auf einer Veranstaltung von vibrio: Journalisten seien zwar nicht faul, aber sie haben wenig Zeit. Warum sollen sie dann, statt den bewährten zusammenhängend lesbaren Vorspännen, Englisch: Teasers, für ihre aktuellen Nachrichten, Bullet Points entfernen und wieder lesbare Absätze bauen müssen? Verstehe ich nicht. Meine Ideal-SMR ist mit druckreifem Vorspann OHNE Bullet Sh…äh Points.

Dagegen, dass weitere Fakten NACH dem Vorspann stark gegliedert oder gar mit Bullet Points aufgelistet werden, habe ich aber nichts.

Dank Tipps des Kollegen Broy bezieht sich dieser Beitrag auf die latenten Debatten um das Social Media Release, z.B. hier und ein Beispiel für besonders viel Bullet Sh.. hier. Sorry für die Assoziation mit dem Bullsh.., aber sie passt halt in dem Fall so schön.

Im übrigen ist der angegebene Social Media Newsroom ein gutes Beispiel für die zunehmende Schizophrenie in der PR: will man nun Journalisten etwas mitteilen, das sie anschließend veröffentlichen sollen oder will man dort direkt mit den „Konsumenten und Online-Multiplikatoren“ in Diskussion treten. Für die letzteren Zielgruppen bräuchte man eigentlich keinen Newsroom, da würden die normalen Social Media Angebote wie Blog mit Kommentarfunktione etc. doch schon ausreichen. Oder, spannend umgekehrt gefragt, wofür braucht es dann eigentlich einen Newsroom, social oder nicht, noch?

qualitätsjournalismus braucht qualitätsbonus

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ich sitze gerade im news aktuell media coffee. eine podiumsdiskussion zum thema „im sog des internets. was bleibt übrig von print, tv und radio?“

thomas knüwer vom handelsblatt fordert eine grundlegende veränderung im onlinemarketing. qualitätsjournalismus braucht eigentlich einnahmen aus paid content. wenn das aber nicht geht – und er weiss,dass es nicht gehen wird – müssen qualitativ hervorragende journalistische inhalte besser von onlinewerbung bezahlt werden, als schlechte inhalte. er beklagt das ewige schielen auf clickraten. onlinewerber müssen den wert des users hochwertiger inhalte künftig teuerer bezahlen.
das waere einmal eine spannende diskussion: profitieren klassische medien überproportional von neuen targeting-technologien im online marketing?

digitaler journalismus – neue europäische studie des oriella-netzwerks

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„User-Generated-Content (UGC) scheint bei europäischen Journalisten hoch im Kurs zu stehen: 62 Prozent begrüßen ausdrücklich vom Leser erstellte Inhalte, über 70 Prozent der Medienangebote setzen auf Leserkommentare und immerhin 30 Prozent bieten die Möglichkeit, Bilder hochzuladen.“ das schreibt stephan fink in seinem aktellen beitrag im mediacoffe blog. er stellt dort die ergebnisse einer paneuropäischen umfrage zum thema „digitaler journalismus“ vor.

werden nun alle zeitungen zoomer-medien? ich bin neugierig, welcher ansatz für individualisierte online-zeitungen sich durchsetzen wird. manches an zoomer ist ja wirklich sannend: die mischung aus professionellem inhalt und user-gewichtung etwa. vielleicht ist das wirklich ein praktikabler ausweg aus dem dilemma zwischen profi-journalismus und user generated content (siehe die diesbezüglichen ansichten von tim cole) bei zoomer.de erstellen ja professionelle journalisten die inhalte und die leser gewichten sie, platzieren sie also auf der online-site.

wenn man das ganze dann noch um die individualisierungs-features von dailyme ergänzen könnte, wäre vielleicht wirklich eine neue mediengattung geboren. was meinen sie? wer macht das rennen? zoomer.de oder daily.com?

PR für Blogger

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mein alter kollege, mitarbeiter und freund flo ranner, zugleich blog-anstifter und web 2.0er, hat einige blogger befragt, ob sie an pr-informationen interessiert seien.

die ergebnisse in kürze hier.

die ergebnisse in extremer kürze:

1) 3/4 aller blogger wollen pr-infos zugeschickt bekommen. das hat mich überrascht!

2) 17 prozent wollen auf gar keinen fall.

3) in konsequenz bleibt einem derzeit nichts anderes übrig, als blogger individuell abzufragen, wie man sie standardisiert mit informationen bedienen kann. dabei muss man sich

a) individuell mit den profilen der blogs befassen

b) sodann eine email an den blogger richten und mit ihm ein zu eins klären, was er will

c) einen weg finden, ihm die infos zur verfügung zustellen, an denen er interessiert ist.

grundsätzlich unterscheidet sich diese vorgehensweise nicht von der behandlung von vip-journalisten.

Warum Journalisten (und Verleger) lernen werden, das Web zu mögen. Eine Replik.

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Martin Recke hat in seinem Blog die Journalisten zu schlesischen Webern erklärt und meint den Trend zu erkennen, dass es eines Tages keine Journalisten mehr gibt, weshalb die Journalisten das Web schon heute nicht mögen. Robert Basic schrieb daraufhin seine ellenlange Gedanken in seinem Blog, Tendenz ähnlich.

Ich dagegen glaube, dass wir Journalisten auch weiterhin brauchen, bei den Medien und auch im Internet! Positivistisch gesehen hatte der beschränkte Umfang des redaktionellen Platzes bei den traditionellen Medien den Vorteil, dass die Zahl der veröffentlichten Themen beschränkt werden musste. Idealistisch gesehen brachte das den Vorteil, dass man sich als Leser, Hörer oder Zuschauer nicht mit einer Flut von Themen herumschlagen musste. Kritisch, aber unvermeidbar: Man musste sich  auf die Journalisten verlassen, die den Nachrichtenstrom daraufhin filterten, was wichtig ist – also was ist lediglich als Nachricht mitteilenswert, was bedarf Hintergrundinformationen, was ist so wichtig, dass es der Aufmacher ist usw.

Diese Einordnung und „Reduktion von Komplexität“, wie die Medienwissenschaftler sagen, kann durchaus auch eine Aufgabe für Journalisten im Web darstellen. Hunderte abonnierter Feeds, aber keiner sagt mir, welcher wichtig ist. Feeds, die ich alle selbst abonniert habe, das Überraschende, Spannende bleibt deshalb aus; Interessantes am Rande, das mich vielleicht auch interessieren würde, taucht nicht mehr auf.

Es folgt nun das Problem, dass meiner Ansicht nach viele große Print-Verlage und -Medien damit gescheitert sind, die technologischen Möglichkeiten des Web zu erkennen, geschweige denn zu verstehen. Deshalb probierten sie es einfach damit aus, ihren bisherigen Print-Content mehr oder weniger schön ins Web zu stellen. Davon hatten die zeitunglesenden Webnutzer aber wenig, denn das, was sie im Web lesen konnten, fanden sie auch in der Zeitung wieder.

Insofern wünsche ich mir eigentlich Portale mit unterschiedlichen politischen Ausrichtungen (so wie es bei Zeitungen die Süddeutsche Zeitung, die FAZ und die taz gibt) in denen Journalisten das Web daraufhin durchforsten, was wichtig ist und es entsprechend in lokale, regionale, nationale oder globale Zusammenhänge einordnen. Dabei ist es natürlich wichtig, nicht nur Links oder Feeds anzubieten, denn die manuelle Leistung des Journalismus soll in dem Fall darin liegen, „mir meine Welt zu erklären“ ohne dass ich mühsam eine Originalquelle nach der anderen aufsuchen muss. Zoomer ist das andere extrem, das dies vollautomatisch versucht, wobei ich der automatischen Zusammenstellung von Titelseiten nach Klickraten nichts abgewinnen kann. Der menschliche Faktor ist das, was den Journalismus interessant macht .

Das Schöne in der Webwelt ist aber natürlich, dass die Originalmeldung nur einen Mausklick entfernt ist, und da wundert es mich doch, wie schwer es den Machern der alten Medien fällt, Links zu setzen oder Inhalte einzubetten.

Journalisten mögen das Web!

Das Web ist für sie derzeit häufig leider auf eine schnelle Nachschlage- und Informationsmaschine reduziert. Journalisten haben nur selten die Chance, das Web produktiv für die Contentaufbereitung- und Darstellung zu nutzen, solange die Verleger nicht die Möglichkeit bieten, die neuen Technologien entsprechend einzusetzen. Im Browser Wikipedia aufrufen und über einen RSS-Feed die neuesten Presseinfos abrufen ist aber auf Dauer mit Sicherheit zu wenig – für Verleger und Journalisten.

vibrio/Oracle Studie zur Nutzung von Web 2.0 Tools durch Journalisten [Updates]

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vibrio hat heute Abend die Studie vorgestellt, die im Auftrag von Oracle Deutschland durchgeführt wurde. Die wesentlichen Ergebnisse:

  • Web 2.0 Tools sollten in die reguläre PR-Arbeit integriert werden.
  • Dabei muss der Fokus auf „alten“ Technologien wie Blogs, Wikis und Social Communities liegen.
  • Multimediale Inhalte können traditionelle Inhalte ergänzen, werden aber vorerst nur von wenigen Journalisten genutzt. Der Fokus muss unverändert auf Text und Bild liegen.
  • Begleitende, vertrauensbildende Maßnahmen sind zu definieren (Copyright-Informationen, Verzicht auf Anonymität, Definition von Kommunikationsregeln).
  • Die große Gruppe der Web 2.0-resistenten Journalisten darf nicht vergessen werden. Das Web 2.0 ist derzeit kein Ersatz für klassische PR-Arbeit.
  • Das Web 2.0 als interaktives Kommunikationsinstrument gegenüber Journalisten funktioniert heute nur in kleinen, weitgehend geschlossenen Benutzergruppen. Noch ist der Redaktionsbesuch wichtiger als jedes Blog.

Insgesamt wurden im Mai 2008 1.180 Journalisten aller Medienkategorien (Print, Online, Fernsehen, Hörfunk, Fachpresse) zur Teilnahme eingeladen, von denen 82 alle Fragen beantworteten.

Eine Zusammenfassung der Auswertung ist bei Scribd verfügbar. In Kürze wird die vollständige Analyse auch auf vibrio.eu veröffentlicht.

Update: Wir haben die Präsentation nun auch auf www.issuu.com hinterlegt und probieren, ob sich das besser einbetten lässt. Einfach drauf klicken, dann kann man etwas lesen.

Das Einhorn und das Geheimnis Frey

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Der grösste Schweizer Schokoladehersteller Chocolat Frey ist mehr als Schokolade – das Geheimnis Frey ist in aller Munde. Diese virale Kampagne von Publicis mit Beteiligung von vibrio in Zürich hat es heute auf die Shortlist der Kategorie „Cyber Lion“ in Cannes geschafft. Und dies der Blog, wo alles begann.