Alle Beiträge von Michael Höppner

Michael Höppner twittert unter www.twitter.com/Michael_Hoppner

Bilder aus einem flexiblen Büro ohne feste Plätze

Auf Wunsch habe ich den sonnigen Morgen genutzt und ein paar Bilder aus unserem neuen Büro in der Edisonstraße geschossen, die einen Blick auf das Arbeiten an flexiblen Plätzen eröffnen sollen:

Frühmorgens: die Parade der Rollcontainer. Für jeden Kollegen einen.
Frühmorgens: die Parade der Rollcontainer. Für jeden Kollegen einen.
Ein (noch) leerer Platz. Netzstecker, Zusatzmonitor und Bürostuhl warten auf ihre Erfüllung. Eigentlich sind die Sessel auch personalisiert, aber irgendwie macht sich keiner die Mühe, den eigenen Sitzplatz zu hüten.
Ein (noch) leerer Platz. Netzstecker, Zusatzmonitor und Bürostuhl warten auf ihre Erfüllung. Eigentlich sind die Sessel auch personalisiert, aber irgendwie macht sich keiner die Mühe, den eigenen Sitzplatz zu hüten.
Das Haus füllt sich. Alle machen es sich irgendwo bequem.
Das Haus füllt sich. Alle machen es sich irgendwo bequem.
Der Meetingraum ist selbstverständlich Off Limits
Der Meetingraum ist selbstverständlich Off Limits
Von der Kaffemaschine aus hat man alles im Blick.
Von der Kaffemaschine aus hat man alles im Blick.

Zwanzig Tage heimatlos

Die ersten drei Wochen im flexiblen Büro sind rum. Zeit für einen Zwischenbericht.

Mobile Arbeit ist nichts Neues. Heute aber ohne Hut.
Mobile Arbeit ist nichts Neues. Heute aber ohne Hut.

Unser Umzug in die neuen Räume ist mittlerweile Geschichte. Die letzten Kartons sind verschwunden, die Handwerker haben die Bar montiert, sogar die IT funktioniert mittlerweile ohne größere Probleme. Aber das alles war nur Beiwerk, denn die größte Umstellung war der Abschied vom „klassischen“ Büro – 2 Mann (oder Frau) pro Zimmer, lange Gänge, Kinderfotos an der Wand hinter dem Platz – hin zum modernen, flexiblen Großraumbüro. Morgens kommt man rein, nimmt seinen Rollcontainer, sucht sich irgendwo einen Platz, steckt den Laptop ein und legt los. Abends räumt man auf und hinterlässt einen leeren, sauberen Tisch.

Funktioniert das? Ich würde sagen ja. Ein paar Kollegen haben sich schnell einen Lieblingsplatz erwählt, an dem sie relativ oft zu finden sind (sprich: immer, wenn nicht wer anders schneller war), ein paar andere versuchen, keine zwei Tage hintereinander im gleichen Raum zu sitzen (es gibt drei „Salons“ – den Blauen und den Orangen sowie das Chefzimmer). Es gibt eindeutig bessere Plätze und schlechtere, und wer morgens zuerst kommt, hat die Wahl (schlau gemacht von der Geschäftsführung. Die zugige Ecke an der Tür ist somit ein direkter Produktivitätsmotor.)

Aber macht es auch Spaß? Ich bin sehr angetan davon. Die Abwechslung ist erfrischend, und die Möglichkeit sich ad hoc mit Kollegen in ein Eck zu verziehen, etwa wenn ein gemeinsames Projekt ansteht, hat sich als hilfreich erwiesen. Man muss zwar auf das Wetter achten, wenn man sich am Morgen platziert (es gibt Tische, wo die Sonne unangenehm blendet), aber dafür kann man den Weg zur Kaffeemaschine je nach Tagesform kurz oder lang halten. Wenn Kundentelefonate anstehen, setzt man sich weg von den Kollegen, die manchmal etwas heftiger auf ihre Probleme reagieren. (Ein sinngemäßes Telefonat lief ungefähr so: Vibrio-Mitarbeiter: „..und dann wollen wir noch die Budgets abgleichen“ – Im Hintergrund: „Sch****! So ein M***!“ – Kunde: „Was ist denn bei euch los?“ – Vibrio-Mitarbeiter (verschämt): „Das war der Hausmeister.“) Wenn man eine Pause braucht, spaziert man ins nächste Zimmer rüber und sucht sich jemanden zum ratschen, der auch gerade Zeit hat.

Ich habe auch schon mal probiert mich in der Mittagspause umzusetzen. Das provoziert ein paar verwunderte Kommentare („Magst Du mich jetzt nicht mehr?“) und fühlt sich auch etwas merkwürdig an. Aber nachdem wir doch ein paar Teilzeit-Kollegen in der Firma haben, ist es gar nicht so abwegig. Nicht, dass man auf einmal ganz alleine im Blauen Salon sitzt, weil die beiden anderen im Home Office weiter arbeiten.

Drei Wochen flexible Arbeitsplätze: ein Fazit:

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Ein Prost aus Tokyo

Mein Freund, der hier aus bestimmten Gründen ungenannt bleiben soll, ist ein häufiger Asien-Reisender. Als erfolgreicher Geschäftsmann schickt ihn sein Arbeitgeber, ein mittelständischer Hightech-Anbieter patentgeschützter Fahrzeugelemente, regelmäßig in den Fernen Osten. Von dort bringt mein Freund gerne was mit. Sake etwa, wenn er in Japan war, oder raubkopierte DVDs unserer gemeinsamen Lieblingsfernsehserie.

Eine echte Rqlex Den Sake teil ich sehr gerne. Bei den DVDs sage ich nein – nicht nur weil die Qualität oft nicht so toll ist, sondern auch weil ich auch als Kind der Open-Source-Generation immer noch daran glaube, dass die Macher meiner geliebten Serie Geld dafür bekommen haben, dass sie monatelang auf Hawaii gesessen gedreht haben. Jetzt wo ich das so schreibe klingt das nicht mehr ganz so logisch. Die Schauspieler hatten sicher eine schöne Zeit, die Drehbuchschreiber, Special-Effekts-Teams, Schnitttechniker, Marketer und alle anderen, die in irgendwelchen Büros am Erfolg der Serie mitarbeiten vielleicht nicht so sehr.

Raubkopien auf dem Flohmart Zurück zu meinem Freund und seinen DVDs aus China (um nur ein Beispiel für ein Land mit großem Pirateriemarkt zu wählen). Diese Woche wurde in Tokyo (also meiner freundschaftlichen Reisweinquelle) der ACTA-Vertrag abgeschlossen. Er soll den Schutz des geistigen Eigentums im 21. Jahrhundert auf eine international harmonisierte Basis stellen. Die meisten asiatischen Staaten, die mein Freund bereist, haben das Vertragswerk nicht unterschrieben. Für Deutschland ändert sich vermutlich nicht viel – die gesetzlichen Vorgaben des ACTA sind hier meist schon geltendes Recht.

Gleichwohl ist ACTA eine große Sache. Denn es hat ja seinen Grund, dass die Raubkopien in Deutschland nicht auf dem Flohmarkt für 80 Cent zu haben sind, und man auch in den europäischen Nachbarstaaten ein bisschen suchen muss, um sie zu finden. Wenn der gleiche rechtliche Schutz für die Hawaiianischen Fernsehfolgen (oder Musik, Software, Gucci-Taschen oder die Technik des Arbeitgebers, der meinen Freund nach Asien reisen lässt) weltweit gilt, dann wird man das kollektive Aufatmen der Film-, Musik-, Software- und Buchbranche rund um den Globus hören. Vielleicht können sie dann auch die unverschämten Preise senken, die ich im Onlineshop meiner Wahl für meine DVDs zahlen muss. Aber es ist mit der Piraterie wie mit dem Ladendiebstahl: die Ehrlichen zahlen für die Schnorrer mit.

Wie lange wird es dauern, bis wir so weit sind? China ist weit davon entfernt, das ACTA zu unterzeichnen. Bis dahin kriege ich meinen Sake billig, und meine DVDs teuer.

12.000 Gründe gegen Raubkopien

Raubkopien, so die landläufige Meinung, schaden vor allem den Softwarefirmen. Die sitzen in den USA. Wer also sein Betriebssystem aus dem Internet herunterlädt und mit einem KeyGen-Tool freischaltet, muss sich vielleicht mit eingebetteter Malware herumschlagen – aber bis auf ein paar Softwareentwickler auf der anderen Seite des Atlantiks schadet er ja keinem. Ein Kavaliersdelikt, vielleicht sogar ein Akt von zivilem Ungehorsam gegen gesichtslose Konzerne?
Viele IT-User scheinen diese Gedanken insgeheim nicht zu verurteilen. Dass sie dabei von falschen Voraussetzungen ausgehen, zeigt die aktuelle Studie “Piracy Impact Study: the economic Benefits of reducing software piracy“ der IDC. Denn nicht etwa internationale Unternehmen profitierten am meisten von einem hypothetischen Rückgang der Software-Piraterie. Nein, es ist der deutsche IT-Service-Sektor, Supportprofis, Vertrieb, Handel und nicht zuletzt der deutsche Staat. Alles, was dafür passieren müsste, ist ein Rückgang der sogenannten „Piraterierate“ – dem Anteil raubkopierter an allen eingesetzten Programmen – von derzeit 28 auf 18 Prozent bis zum Jahr 2013.

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