Wenn Public Relations olympisch wären…

Seit gut einer Woche ist es wieder soweit: In London kämpfen etwa 10.500 Athleten in 26 Sportarten um Gold, Silber oder Bronze. Welche Dramen sich noch abspielen – nach Dopingvorwürfen gegen chinesische Schwimmerinnen und dem Zeitmess-Krimi im Fechten, dem Verletzungspech von Gewichtheber Steiner und dem Trikotklau bei Diskuskönig Harting –und ob übereifrige Twitterati die Kommunikationstechnik am Ende doch noch lahmlegen werden wir noch sehen. Hier geht es heute um diese Fragen: Wenn Public Relations olympisch wäre, was wäre dann die Königsdisziplin, welches wären die schönsten Wettbewerbe und welche Kommunikationsformen sollten noch aufgenommen werden?


Die olympischen Spiele befinden sich in einem ständigen Wandel, allein 2012 wurden zwei Sportarten gestrichen und in sechs weiteren folgten Änderungen. Genauso verhält es sich mit Public Relations: „Wie teile ich den Medien und Meinungsführern am besten mit, was mein Kunde zu sagen hat, und wie bringe ich sie auch noch dazu, etwas darüber zu schreiben?“, diese Frage treibt uns PR-Beratern manchmal den Schweiß aus den Poren, und die Herausforderung spornt unsere Gehirne zu olympischen Leistungen an. Spätestens mit dem Web 2.0, Augmented Reality und den damit verbundenen Veränderungen in der Medienlandschaft lassen sich mit den möglichen Antworten und verschiedenen Strategien ganze Stadien mit Abhandlungen, Leitfäden und Lehrbüchern füllen.
Die jüngste Disziplin, die sich in die Höhe des Olymp begeben durfte war der BMX-Sport. Und in der PR? Corporate Blogging? Twitter? Fanpages? Schwer zu sagen, wer da die Nase vorn hatte. Sicher ist: Social Media Maßnahmen sind aus der PR – und dem gesamten Marketing – nicht mehr wegzudenken. Müsste man Social Media-PR in das sportliche Raster zwängen, dann wäre es wohl eine Teamsportart. Immerhin müssen hier Kunde und PR-Agentur noch enger und abgestimmter zusammenarbeiten, als sie es ohnehin schon tun. Ein Sportgerät bräuchte man für diese Disziplin wohl auch. Sich an den Ringen elegant durch die Lüfte schwingen, mit dem richtigen Schwung beim Kugelstoßen wahre (Reich-)Weite generieren oder mit dem Luftgewehr die Tontaube abschießen. Je nach Strategie handelt es sich um einen Blogaccount, eine Facebook-Fanpage, den eigenen Twitterkanal, das Firmenprofil bei LinkedIn oder eines der vielen Tools und Apps, die die Social Media-Welt mittlerweile bevölkern. Hier geht es also auch um Vielseitigkeit! Die Wertung erfolgt durch eine Jury – wenn man so will, die größte, der sich eine Sportart jemals aussetzten musste: der gesamten Onlinewelt. Problematisch: Eine Juryentscheidung ist oftmals nicht ganz klar nachzuvollziehen, eine schlechte B-Note lauert hinter jedem Spielzug – und wer weiß schon, ob die Jury am Ende nicht doch gekauft, gestohlen oder bestochen wurde?
Den Jamaikaner Usain Bolt kennt spätestens seit 2008 jedes Kind. Der Ausnahmensprinter holte in Peking dreimal olympisches Gold, stellte dabei drei Weltrekorde auf und ist auch in Sachen Selbstvermarktung nicht träge. Seine Disziplin: Der Sprint. Kurze Hose, Turnschuhe, eine gerade Strecke – ready, steady & go. So einfach ist das. Und doch gehören die Sprintwettkämpfe zu den aufsehenerregendsten; die Sprinter sind Paradiesvögel unter den Sportlern. Vielleicht liegt das am Hype um den Sportler, vielleicht auch an der bestechenden Einfachheit und Ursprünglichkeit der Sportart. Immerhin verfügt der Homo sapiens schon seit fünf bis sieben Millionen Jahren über die Fähigkeit auf zwei Beinen zu laufen, und doch unterscheidet uns das von den anderen Erdenbewohnern. Übertragen auf die PR: Die klassische Pressemitteilung ist der Favorit für die Königsdisziplin. Schnell, schnörkellos, einzelkämpferisch. Und ursprünglich. Einen Nachrichtenwert muss sie haben, Schnelligkeit und Aktualität bestimmen diesen mit. Wer, was, wann, wo und warum – die einfachen Fragen müssen sofort beantwortet werden – am besten in weniger als 9,63 Sekunden. Der erste im Ziel zu sein, das wünscht sich der Läufer ebenso wie eine Pressemitteilung. Auch die Wertung folgt hier den harten und unbestechlichen Zahlen – entweder du erzielst deine Clippings, oder du findest dich am Ende allein, keuchend und nach Luft ringend hinter der Ziellinie wieder, während andere Ihre Show abziehen.
Welches ist die (PR-) Disziplin, die Medien, Journalisten, PR-Berater, Kunden und Verbraucher gleichermaßen anspricht, die beliebteste? Gibt es „die“ olympische Sportart? 2008 erreichte die Einschaltquote beim Kunstturnen mit 4,33 Millionen Zuschauern in Deutschland Rekordwerte – sind die Deutschen Kunstturnerfans? Gestern feierten die Beachvolleyballer ihre Goldmedaille, das ZDF einen Quotenerfolg. Oder erinnern wir uns lieber an Gewichtheber Matthias Steiner, der nicht nur Gold holte, sondern auch mit seiner persönlichen Geschichte zu Tränen rührte? Fiebern wir besonders gern mit den Sportlern mit, die vom Erfolg verwöhnt sind? Oder mit denen, die sich, wie deutschen Reiter, gerne elitär präsentieren?
Bevorzugen wir eine Pressemeldung, weil Sie eine auf die Fakten reduzierte Kommunikation ist? Lieben wir Aktionen, weil die Menschen in die PR-Arbeit aktiv-emotional eingebunden werden und wir sie real greifen können? Sind Foto-PR und Bildstrecken einem Kunden wichtig, weil er eitel ist und sich gerne in der Zeitung sieht? Gehen wir in die Social Media Offensive, weil wir glauben, der Marke damit ein bestimmtes Image zu verschaffen? Während ich bei der Unterbrechung des Fechtkampfes letzte Woche dachte: „Prima, da hol ich jetzt mal die Wäsche“, saßen andere wie gelähmt vor Empörung auf ihrem Sofa. Als Bolt seine Ehrenrunde drehte, machte sich in mir eine gewisse Fremdscham breit – zu dick aufgetragen für meinen Geschmack. Genauso trägt es sich auch in der Public Relations-Welt zu: Jeder Kunde, jeder Berater und jedes Thema braucht seine eigene Strategie, sein individuelles (Trainings-) Konzept und das richtige Team – nur dann kann PR das leisten was Sie möchte – den Kunden zu Gold verhelfen.

1 Antwort
  1. Michael Höppner
    Michael Höppner says:

    …nicht zu vergessen die Leistungreview, falls das Team mal nicht die erhoffte Medallienzahl erreicht hat.

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