Die Digitale Transformation der Messe

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Digitale Transformation der Messe

Ich hatte nicht geglaubt, dass ich mich freuen würde, einfach mal wieder auf eine Messe zu gehen. Aber so ist 2020 eben. Ein transformatives Jahr, und eine der Branchen, die besonders unter Druck zur Veränderung steht, ist die der Messen und Verantsaltungen. Von der weltgrößten Industriemesse bis zum Mittelaltermarkt setzen Veranstalter auf virtuelle Konzepte, um entfallende Vor-Ort-Termine zu ersetzen. Natürlich ist die digitale Transformation der Messe kein Kinderspiel. Die besten Chancen, die richtige Formel für ein gelungenes virtuelles Event zu finden, hat sicher die „Hausbranche“: der Online- und Digitalisierungs-Sektor. Letzte Woche war der DIGITAL FUTUREcongress der jüngste Anwärter auf den Titel einer erfolgreichen digitalen Messe.

vibrio-Chef Michael Kausch führt die digitale Transformation der Messe vor.

Leider war das M.O.C. als Austragsungsort schlecht besucht. 1.200 Anmeldungen sollen es gewesen sein, die sich in den beiden Hallen verloren hätten – wenn sie denn alle gekommen wären. Vor allem in Halle 4 sprachen die Referenten vor leeren Stuhlreihen. Was nicht so tragisch gewesen wäre, wenn der virtuelle Besucherraum wenigstens gut besucht gewesen wäre. Doch unerklärlicherweise gab es von diesen Bühnen keinen Videostream. Wer nicht (wie wir) selber für die digitale Übertragung sorgte, dem blieb ein bitterer Nachgeschmack seines Auftritts.

Leere Stuhlreihen

Abstands- und Hygienemaßnahmen

In diesem Punkt hat der Veranstalter alles richtig gemacht. Es galt Maskenpflicht, es war überall ausreichend Platz für den nötigen Abstand, die Kontakt-App der Messe gibt gleichzeitig die Möglichkeit zum Contact Tracing, sollte sich herausstellen, dass einer der Besucher erkrankt. Mehrere Mitarbeiter waren mit Reinigungs- und Desinfektionsmittel unterwegs, um Oberflächen und Griffe zu putzen. Man fühlte sich vergleichsweise sicher, was zu einer entspannten Athmosphäre beigetragen hat.

Verhüterli fürs Mikro

Verhüterli fürs Mikro

Die App als Brücke und Netzwerk

Herzstück des digitalen Konzepts war die App, mit der der DIGITAL FUTUREcongress die Brücke vom physischen zum virtuellen schlagen wollte. Die lief (auf Android) problemlos und gibt Zugriff auf Workshops, (ausgewählte) Vorträge, die Ausstellerliste und bietet eine Chatfunkion. Mittels QR-Code konnten Besucher sich gegenseitig vernetzen und so im Nachgang begonnene Diskussionen fortsetzen. Im eigenen Profil konnte man sich zusätzlich präsentieren, mit einem eigenen Terminkalender den Überblick über den Plan behalten. Leider waren nicht alle Aussteller aufgenommen – FitSeat, die mein persönlicher Favorit waren, sucht man vergebens.

Fahrt ins Büro

Alles in allem war der DIGITAL FUTUREcongress also eine etwas durchwachsene Erfahrung. Es besteht kein Zweifel daran, dass hier viele gute Ideen eingebracht und einige gut umgesetzt wurden. Auf der anderen Seite zeigt das Beispiel auch, wieviel noch fehlt: der „Medienbruch“ zwischen den beiden Welten ist noch nicht gut genug überbrückt. Ich könnte mir vorstellen, dass mehr Livestreams von allen Bühnen, geführte Livestream-Touren durch die Halle (ähnlich wie die Presse-Touren bei der CeBit und anderen Messen), Ideen- und Themenforen in der App oder eine verbesserte Suche nach Ansprechpartnern zu bestimmten Themen – auch von Teilnehmern im virtuellen Raum – geholfen hätten.

Wem gelingt die digitale Transformation der Messe?

Es gibt andere Konzepte, denen wir erwartungsvoll entgegen blicken. Letztes Jahr hatte die DiMarEx bereits eine Richtung aufgezeigt, in der sich der Trend bewegen könnte. Wir sind zudem gespannt, wie die DMEXCO 2020 diese Woche angenommen wird. Die Ideen und Konzepte klingen vielversprechend. Die Bedeutung und Erfahrungen, die hier gewonnen werden, bleiben auch nach der Corona-Krise relevant: der Trend weg vom aufwändigen und teuren Präsenz-Event zeichnet sich schon eine Weile ab. Die virtuellen Messestände lassen sich besser in den gesamten Online- und Markenauftritt eines Unternehmens einbinden. Zudem bringt die globale Konponente, die diese Entwicklung eröffnet, einen echten Zugewinn. Die digitale Kompenente der Messe wird in Zukunft nicht etwa wieder abnehmen, sondern sie wird zu einem integralen Bestandteil.

 

1 Antwort
  1. Michael Kausch
    Michael Kausch says:

    Alles in allem war ich doch enttäuscht von der Veranstaltung: von einer Messe, die sich DIGITAL FUTUREcongress nennt erwarte ich einfach, dass sie den Hybrid-Charakter einer Veranstaltung zu Corona-Zeiten wirklich lebt, also meine Erwartungshaltung an eine virtuelle Messe auch erfüllt. Das aber hat sie definitiv nicht.
    – Nur wenige Vorträge wurden gestreamt.
    – Der Hashtag zum Event wurde auf der Veranstaltung fast nirgendwo sichtbar kommuniziert.
    – Der Veranstalter selbst hat seine Social-Media-Kanäle während des Events kaum genutzt: ich zählte am Messe-Tag gerade einmal neun Live-Tweets und gar nur einen Live-Post auf dem Facebook-Kanal.
    Für die sehr schwache Besucher-Resonanz auf der Messe will ich den Veranstalter nicht verantwortlich machen. Dass sich aber im virtuellen Raum nicht mehr tat, dafür trägt der Veranstalter die Verantwortung. Eine hybride Messe, erst recht, wenn sie die Bezeichnung „DIGITAL FUTURE“ in ihrem Namen trägt, muss online mehr tun: sie muss alle Vorträge streamen, sie muss ihre eigenen sozialen Kanäle nutzen und sie muss dafür sorgen, dass ihre Besucher und erst recht ihre Aussteller die sozialen Kanäle koordiniert beleben.
    Ich bin davon überzeugt, dass hybride Veranstaltungskonzepte eine Zukunft haben. Man muss sie aber auch hybrid bespielen. Die Aussteller müssen dabei an der Hand genommen werden. Alleine schaffen sie das (leider) nicht. Für Veranstalter ist das sicherlich eine große Herausforderung. Der Raum für Verbesserungen ist groß.

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