vibrio baut alle Arbeitsplätze ab!

EDISONPARK2003ba_sehrklein Kopie

Eine Schreckensmeldung? Ein Horrorszenario? Hat uns die Krise erwischt? Setzt sich der Gründer endgültig in eine cubanische Tabakplantage ab?

Ach was: vibrio zieht um! Und bei dieser Gelegenheit machen wir etwas, was ICH schon lange wollte: wir schaffen alle fest einem Mitarbeiter zugeordneten Arbeitsplätze ab und flexibilisieren nach den Arbeitszeiten nun endlich auch unsere Arbeitsplätze. Die Begründung hierfür ist ganz einfach:

Leben im Container

„Keine festen Arbeitsplätze mehr, höchstens noch hier und da ein Rollcontainer – die wirklich modernen Büros arbeiten längst an ihrer Auflösung.“ So titelte das Süddeutsche Zeitung Magazin vor wenigen Wochen. Und was meine liebste Tageszeitung schreibt, ist uns natürlich Befehl. Schließlich machen es andere Unternehmen schon lange erfolgreich vor: Ob Boston Consulting in München oder Microsoft in Köln: in immer mehr deutschen Büros hängen die Netzwerkkabel aus der Wand und warten darauf, dass der nächstbeste Mitarbeiter sich einstöpselt – wenn er sich nicht wireless anmeldet oder gar von zuhause aus in den Server seines Arbeitsgebers einwählt.

Bei vibrio in München wird es künftig auch keine festen Arbeitsplätze mehr geben. Ab Montag, den 4. Oktober 2010 wuchten die Kollegen morgens einfach ihren persönlichen Rollwagen an einen freien Platz und stöpseln dort ihr Notebook ans Netz. Eigentlich wollte ich die Idee des flexiblen Büros schon Ende 2003 bei vibrio verwirklichen, scheiterte damals aber noch an den Wünschen der Mitarbeiter. In den letzten Jahren strebten die meisten Kollegen noch nach kuscheligen Arbeitsplätzen im Doppel-, besser natürlich noch im Einzelbüro. Heute ziehen alle mit: die Idee des Lebens aus dem Rollcontainer hat in den letzten Jahren massiv an Attraktivität zugelegt. Warum das so ist?

Motivation 1: Die Flexibilität der Arbeitsbeziehungen nimmt zu

Vor wenigen Jahren noch gab es bei vibrio wie in vielen Unternehmen fast ausschließlich Vollzeitkräfte: 40 Stunden stand im Arbeitsvertrag und meistens wurden es über die Woche ein wenig mehr. Die Agentur stand unangefochten im Mittelpunkt des Lebens der zumeist allein lebenden Kolleginnen und Kollegen. Irgendwie fanden die ersten dann aber doch die Zeit und die hierzu notwendigen Geschlechts- und Lebensabschnittspartner um aktiv am Reproduktionsgeschehen der Inlandsbevölkerung teilzuhaben. Man wurde Vater, frau wurde Mutter. Für vibrio galt immer die Selbstverpflichtung, dass wir es allen Kolleginnen und Kollegen ermöglichen wollen, auf Wunsch wieder in den Beruf einzusteigen. Das Angebot von Teilzeitarbeitsplätzen bringt zwar gerade im Agenturalltag eine ganze Reihe von Problemen mit sich – welcher Kunde ist schon zufrieden, wenn „sein“ Kontakter nur noch vormittags im Büro anwesend ist? – aber wir haben uns immer bemüht, das Recht auf „Teilzeit-Arbeit“ durchzusetzen. Freilich erfordert das dann ein wenig Phantasiearbeit bei der Organisation: es gibt weniger vollzeitarbeitende Erstkontakter und mehr teilzeitarbeitende Zweitkontakter, immer häufiger treten Betreuer-Teams an die Stelle des All-In-One-Account-Managers. Für Kunden hat das eher Vorteile, aber Kunden müssen diese Vorteile erstmal erfahren und live erleben, ehe sie’s glauben.

homeoff

Kurz und gut: heute gibt es bei vibrio fast alle Arbeitszeitmodelle: von der 16-Stunden-an-zwei-Tagen-Woche über 20-Stunden-an-fünf-Tagen bis zum traditionellen Vollzeitarbeitsplatz. Klar ist aber auch: je größer der Anteil der Teilzeitkräfte, desto weniger macht es Sinn für alle Mitarbeiter 40 Stunden pro Woche eigene Arbeitsplätze vorrätig zu halten!

Motivation 2: Die Selbstbestimmung im Büro nimmt zu

Leider ist das bei Frauen, die Kinder bekommen, ja in der Regel so, dass sie in ihrer Familie erheblich stärker gefordert werden, als früher. Erziehungs- und Familienarbeit sind nun wahrlich nicht gleichmäßig auf beide Geschlechter aufgeteilt. Bei jungen Vätern aber konnte ich in den vergangenen Jahren zwei völlig unterschiedliche Strategien der familiären Stressbewältigung erleben: die einen müssen abends nun immer ein wenig früher nach Hause, da ihre planerischen Kompetenzen auf der Lego-Baustelle massiv gefordert werden, die anderen aber bleiben abends gerne ein wenig länger im Büro, weil offenbar ihre eigenen Interessen zuhause nun ein wenig an Bedeutung verloren haben.

lego

Es ist nicht die Aufgabe eines Arbeitsgebers beide Verhaltensalternativen zu beurteilen. Aber wir sollten beide Varianten ermöglichen. Auch eine 36- oder 32-Stunden-Woche muss möglich sein – für jedermann und jede Frau! Und es muss möglich sein, verstärkt von zuhause aus zu arbeiten. Rein technisch ist der Zugriff auf unseren Firmen-Server via Citrix Metaframe bzw. Access bei vibrio schon lange zuverlässig und sicher möglich. Richtig massiv nachgefragt wird diese Möglichkeit aber erst seit ein oder zwei Jahren. Heute arbeitet jeder Mitarbeiter bei vibrio im Schnitt einen Tag pro Woche von zuhause aus. IT-technisch macht das gar keinen Unterschied. Kunden haben das bislang nur daran gemerkt, dass Mitarbeiter telefonisch im Home Office nur per Handy zu erreichen waren, und nicht per Durchwahl. Dieses „Problem“ lösen wir übrigens künftig mit einer modernen IP-basierten Telefonanlage. Dann werden die Durchwahlen einfach auf ein mobiles IP-Gerät im Home Office geschaltet.

Kurz und gut: Die Bereitstellung personenspezifischer Arbeitsplätze macht erst recht keinen Sinn mehr, wenn heute 20 und künftig bis zu 40 Prozent aller Arbeitszeiten im Home Office anfallen.

Motivation 3: Das Teamworking wird flexibler

Die Anforderungen an moderne PR-Arbeit sind in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen und die Zeiten, in denen jeder Mitarbeiter noch alles selbst können musste, sind lange vorbei: während die einen sich bestens in Blogs, Twitter und Online-PR auskennen, pflegen andere nach wie vor engste Beziehungen zu den schreibenden Kollegen bei BILD, Computerwoche, Stern und WDR. Andererseits erfordert professionelle Krisenkommunikation heute eine viel schnellere Reaktion, als früher. Es muss möglich sein ein Kundenteam mal eben in zwei Stunden von 0,5 Köpfen auf 3 Köpfe auszubauen. In den letzten beiden Wochen haben wir dies bei einem unserer Kunden live erlebt. Also müssen sich je nach Kundenanforderung spontan Teams bilden, die sich nach einiger Zeit wieder auflösen können. Das wird aber umso einfacher, je enger die Kollegen sich für ein Projekt auch mal „zusammensetzen“ können. Denn wenn es in einer Krisensituation wirklich darauf ankommt, funktioniert das Team „vor Ort“ besser als jedes virtuelle Team gut vernetzter Heimwerker. Endlos lange Flure mit 2er-Büros auf beiden Seiten sind für solch flexible Arbeitsstrukturen viel zu statisch und zu unkommunikativ.

vibrio in neuen Räumen

Das ist noch das alte Büro. Bilder vom neuen Office gibts in Kürze.

Ab Anfang Oktober wird vibrio also nicht mehr wie gewohnt in der Ohmstraße 4, sondern in der Edisonstraße 2 zu finden sein – und das ist genau ein Haus weiter! Wir bleiben also im Unterschleißheimer Edison-Park im Nordens Münchens und ziehen nur ins Nebengebäude. Dort residieren wir künftig ganz oben in der vierten Etage mit Dachterrasse und Föhn-Blick auf die Alpen. Über die Dachterrasse ziehen künftig mittags die Düfte unseres Firmenrestaurants und abends die Düfte aus der Zigarrenkiste. Die Bar mit all unseren Single Malts zieht natürlich auch mit um, ebenso wie Kicker, Billardtisch und Espressomaschine. Wenn Sie wissen wollen, wie das so ist, das Leben aus dem Container, dann besuchen Sie uns einfach mal in ein paar Tagen. Wir sind auch neugierig 😉

9 Gedanken zu „vibrio baut alle Arbeitsplätze ab!“

  1. Ein sehr schöner Text!

    Und hiermit ziehe ich ganz öffentlich den virtuellen Hut vor einem Chef, für den die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein öffentlichkeitswirksames Blabla ist, sondern der mit Haut und Haar und trotz aller Widrigkeiten dafür einsteht.

  2. Gratuliere zu diesem Konzept (und hoffe, dass es sich als praktikabel erweist). Ich als ehemaliger Augsburg-München-Pendler habe es immer sehr zu schätzen gewusst, wenn ich einen Text auch mal von zu Hause aus schreiben konnte. Und dank Skype-Weiterleitung bin ich dort auch unter der selben Rufnummer erreichbar, bei minimalen eigenen Kosten. Außerdem hats für den Chef den Vorteil, dass der „Heimwerker“ immer mehr arbeitet, weil er ja dem unausgesprochenen Vorwurf entgegentreten muss, dass er zu Hause faulenzt. 😉

    Nur einen Kritikpunkt gibt es: Ihr zieht um und es gibt keine Housewarming-Party? Skandal!

  3. @flo

    das mit der housewarming party überlegen wir uns noch. aber erstmal muss alles funktionieren. in wahrheit hab ich natürlich furchtbare angst vor dem umzug der server, der neuen telefonanlage und wo das alles hinführt mit der neuen mobilität. bei uns haben künftig sogar die tische rollen …

  4. Ich wünsche Euch, dem Billardtisch, dem Kicker und der Bar einen guten Umzug! Aber: Wo bleibt die Handy-Telefonzelle?! IP-Telefonie hin oder her… – die muss mit 😉

  5. tolle Sache, so langsam wachsen wir mit unseren paar und ein halb Mitarbeitern auch da hin, wo vibrio jetzt vielleicht schon ankommt. Auf Dauer sicher die einzige richtige Richtung.

    Die IP-Anlage haben wir schon seit einem Jahr und trotz aller Vorteile: nicht immer klappt es so wie zu der guten alten ISDN-Zeit. Ich bin auf die Erfahrungen von vibrio mit dieser Lösung gespannt.

    In jedem Fall aber viel Erfolg und immer weiter so…

  6. Der Artikle hat mich total begeistert. Und zwar aus 2 Gründen:
    Selbst Mutter und möglichst flexibel Teilzeit tätig. Leider hat das „moderne“ IT Unternehmen in dem ich tätig war, noch nichts von zukünftigen Arbeitsvorstellungen gehört und rudert gerade in die entgegen gesetzte Richtung. Selber Schuld.
    Und zum Zweiten beschäftige ich mich gerade mit dem Gedanken in München für Freiberufler und andere Interessierte ein coworking space zu eröffnen. Dieser soll den Gedanken, der flexiblen Arbeitsplatzwahl und Arbeitszeitwahl verbindet, mit der Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen und dem (auf Dauer nicht immer angenhemen) Home Office zu entschwinden. Technisch werden wir gleiche Voraussetzungen erfüllen zu haben.

    Würde mich mal interessieren, was ihr davon haltet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.