re:publica – für mehr: Öffentlichkeit

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An Tag 3 des Insider-Treffens re:publica war wieder einmal Entscheiden zwischen in und out angesagt, sprich wollte ich mehr Input der Netzgemeinde oder Strategien  für mehr Öffentlichkeit? Wissen sammeln für die Sinne und das Verstehen des „Innenlebens“ oder lieber die Wege klären, wie das, was wir zu sagen haben, nach „draußen“ gelangt? Wobei mich dieses Trennen von Drinnen und Draußen am meisten stört: Ist nicht genau dies das größte Problem der Digitalen Welt, dass sie sich abgrenzt, oder abgegrenzt wird?

Ruhe in dir selbst oder wie digitales Yoga funktioniert

Mit „Laptop Yoga“ in den Tag starten, sollte Erleuchtung oder Gelassenheit bringen. Und tatsächlich, die Tweets von stage 7 (eher im Nachgang zur Session, schließlich war „Yoga“ angesagt) verhießen entspannte Menschen, die sich mutig in die Vorträge der nächsten Stunden stürzen würden. Was genau den Yoga-Efekt ausmacht, findet sich in der Sammlung der Tweets bei Annina wieder und ist dort nett nachzulesen. Ich selber habe auch „entspannt“ und rein GAR NICHTS getwittert  dazu (musste so sein, für mich).

Informelles Urheberrecht und Netzkultur

Meine Entscheidung fiel anschließend auf die eher die journalistischen produzierenden Menschen ansprechenden Inhalte: Urheberrecht, Wissensvermittlung und Spuren im Netz im weiteren Sinne. Zunächst ging es auf #stage7 um Lücken im Urheberrecht – und wie sie durch informelle Urheberrechtsvereinbarungen oder moralische Grenzen.  Neben den klassischen Hinweisen, die sich auf Comedians und den Kopierethos der Witz-Branche bezogen brachte Jeanette Hofmann und Christian Katzenbach der Humbold-Universität auch die geduldete Kopiererei im Gaming-Bereich auf die Wand. Wer glaubte, gegen jede Nachahmung würde da strickt vorgegangen, musste sich eines Besseren belehren lassen. Die Argumente, das Original profitiere vom Nachahmer blieb jedoch ohne nachweisbaren Beleg… Was für die Games-Industrie allerdings auch verwunderlich gewesen wäre: Wer gibt schon gerne öffentlich zu, dass FarmVille wegen aller Kopien wirklich viel gewonnen hat. ; )

Bloggen bleibt ein Spass  mit Rechtsunsicherheit

Ganz in der ursprünglichen re:publica Tradition des Blogger-Treffens stand der anschließende Dreiertalk zur Abmahnwut und Rechtsunsicherheit bei Bildern im Internet. Was harmlos begann ist diese Woche noch nicht beendet: der Gerichtsentscheid über die UnRechtmäßigkeit einer Abmahnung im Fall des „Schlangenkuchenstücks“  wird wohl erst kommende Woche gefällt. Umso wichtiger daher die Informationen, die sich aus der Session mitnehmen ließen: Bildrechte auch nachweisbar einholen, Quellen beim Bild nennen und nicht nur verlinken und möglichst gut dokumentieren., nicht alles, was im Netz geteilt wird, darf und kann willkürlich weitergeteilt werden. Dazu passte die Debatte um den Lobbyismus in Brüssel und wie sich das Thema Datenschutz nun doch besser und für alle Seiten nützlich einbringen und umsetzen lässt. Dass nicht jedermann einverstanden ist mit der Wirkung der deutschen Richtlinien – sie seien entweder ein Wettbewerbsvorteil, den man nur so darstellen müsse oder eben ein Nachteil – ist nachvollziehbar. Deutlich war der Aufruf, auch der BITKOM möge doch aktiver in die Debatte einsteigen – nun denn.

Boost your brain oder neue Wege denken

Die 10 Vorschläge, um die Welt zu verbessern, lockerten das angestrengte Hirn wieder ein bisschen.  Auch, wenn ich leider  einen Teil des Vortrags auf Video nachschauen musste,  kann ich ebensolches nur empfehlen. Felix Schwenzel hatte ich eingeschoben zwischen Recht und Recht – und nach diesem Block ohne Pause hatte ich das Gefühl, mein Groß- und Kleinhirn könne das Ganze nicht mehr fassen. Drum war es mir eine Erleichterung, anschließend  einfach nur einmal den Tweets der Freunde zu folgen, ohne selbst dabei zu sein. Bereits in den vergangenen Tagen profitierte ich davon, so viele internette Bekannte zu haben, die aus den jeweils besuchten Sessions zwitscherten. Ich  konnte so trotz allem fast live mehrere Sessions (zumindest via Kommentaren) besuchen. Mein journalistisches Interesse lockte mich aus zwei Gründen in die Session von Kirsten Gross aka @hormonlotto. Zum einem, weil ich hoffte und auch bestätigt fand, dass auch Männer sich für die Problematik der  klischeehaften   Frauenbilder  in der Gamingszene interessieren würden. Und zum anderen, weil mein Vorgespräch mit ihr mich neugierig machte, wie ihr Vortrag denn aufgefasst werden würde. (In meinem persönlichen Umfeld ist mir diese diversifizierte Gaming-Szene übrigens durchaus vertraut.) Erfreulich war es, dass es viel betroffenes und offenes Zuhören und gemeinsames Nachdenken gab. Das Thema ist allerdings erst einmal angerissen, noch lange nicht beendet.

Sofa-Gespräch der Boyband mit Frontfrau

Krönung für die „Schreiberin“ in mir war das Sofa-Gespräch ohne Sofa zwischen SZ-online-Chef Plöchinger, SpOn-Frontfrau Borchert und laut eigener Aussage erst frisch auf den Führungssessel gerücktem Zeit-Online-Kopf Wegner. Die von @lyssaslounge scherzhaft im Anschluss als „Lieblingsboyband“ betwitterte Runde wurde moderiert von @alrightokee, um alle auf der Bühne Sitzenden aufgezählt zu haben. Sicherlich keine leichte Sache, einen Diskurs dreier online sehr präsenter Medien entstehen zu lassen, die gerade so etwas wie einen „Link-Friedens-Pakt“ geschlossen und deren führende Köpfe am selben Tag morgens erst zu weitergehenden Absprachen oder Kooperationen zusammen gesessen haben. Nicht erst seit ihrem grandiosen selbstironisch-refektierten Auftritt , mit dem sie der Herrenrunde immer ein bisschen voraus war, ist Katharina Borchert meine Top-Frau in medialer Führungsposition. Sie verantwortet dabei ein Online-Medium, dessen Leserschaft nicht als einfach zu beschreiben ist. Das tut sie menschlich und souverän, ebenso wie sie dazu aufrief, die „Onliner“ müssten sich selber mehr das Experimentieren erlauben. Ein wenig tat dies die SZ, wie  Stefan Plöchinger betonte, zumal eigens die ganze Zeit  drei Onliner zum schnellsten e-Book direkt vor Ort beitrügen.

Kleiner „taziger“  Talk über Bezahlmethoden am Rande

Jochen Wegener kam nicht umhin, seine Bewunderung für deren „kompliziertes Modell“ der Bezahlung ihrer journalistischen Arbeit zum Ausdruck zu bringen. Im persönlichen Gespräch anschließend von mir dazu befragt, gestand er allerdings ein, selber nicht die idealistische Haltung zu haben, um unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Dennoch könne es in ein Vorbild sein, wie Bezahlsysteme eben funktionieren könnten. Ein Spotify für Nachrichten sehe er allerdings schwierig – solange es nicht besser auf die persönlichen Belange abgestimmt werden könne.  Ganz zu schweigen von dem dafür nötigen Kooperieren vieler Verlagshäuser, was ja bereits bei der Entwicklung anderer Bezahlsysteme nicht möglich sei. Im Anschluss an unser Gespräch reiste er übrigens gleich weiter zum Mittwochstalk bei der taz…

 

Während der Rest der re:publica Besucher den Dank an die Organisatoren mit einer gemeinsam gesungene Bohemian Rhapsody  ausklingen lies. (Bemerkung am Rande: Längst nicht alle der rund 5000 Besucher waren damals schon geboren, als das Lied 1975 veröffentlicht wurde ) mein persönlicher Ausklang fand in Berlin Mitte statt, „Roberta kocht!“ übrigens selber vorzüglich österreichische Speisen.

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