Meine CeBIT – Was wir aus und von Hannover lernen können / Teil 3: Green IT – ein alternativer Landfrauentag für Computer-Freaks?

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(Foto: CeBIT)

Aus dem Green IT Village der CeBIT 2008 wurde in diesem Jahr die Green IT World in Halle 8. Drunter macht man’s nicht in der niedersächsischen Metropolregion. Laut Ankündigung der CeBIT sollte es in der grünen Welt um Dinge gehen, wie Cloud Computing, mit dem man die Rechenleistungsbevorratung optimieren kann, um solarklimatisierte Rechenzentren, um eine Art Zylinderabschaltung für Mobilfunkmasten, um sparsame OLED-Bildschirme und und und. An der Aufzählung sieht man schnell, dass eine geeignete Begriffsdefintion vorausgesetzt, so ziemlich jede Innovation sich heute als grün darstellen lässt, denn es gibt immer noch etwas, was mehr Energie unsinniger verbraucht.

Wie aber schrieb die Deutsche Bank Research kurz vor der CeBIT so schön: „IT ist nicht grün und wird es niemals sein.“

Zitieren wir die Studie nach heise online: „Die ITK-Branche sei nicht nur für 2 Prozent der CO2-Emissionen weltweit verantwortlich (was den Emissionen in der Luftfahrt entspreche) sondern auch für eine enorme Zunahme des Stromverbrauchs. … In Rechenzentren würden die Ausgaben für Energie achtmal schneller als die Ausgaben für Hardware steigen, heißt es weiter. Bereits heute machten sie damit den Löwenanteil des IT-Budgets aus. Über den Energieverbrauch hinaus müssten zudem Posten wie der anfallende Elektroschrott oder die Verträglichkeit der bei der Produktion eingesetzten Materialien berücksichtigt werden. So kämen bei der Herstellung von IT-Hardware etwa toxische Substanzen wie Blei, Quecksilber, Kadmium oder Brom zum Einsatz, was eine spätere Wiederverwertung erschwere und zu weiteren Umweltbelastungen führe. Statt sich also von einem Green-IT-„Hype“ blenden zu lassen, müsse das Thema gesamtwirtschaftlich betrachtet werden: „Green IT sollte nicht allein als Energiesparen bei der IT, sondern mehr noch als Energiesparen mit der IT verstanden werden.“

Da legen die Peanuts-Forscher der Deutschen Bank ihren Goldfinger aber genau auf die Wunden der Green IT World: nirgends war hier nämlich von gesamtgesellschaftlichen Energiebilanzen zu lesen. Die ganze Ausstellung vereinfachte das Thema auf das Sparpotential neuer und im Vergleich zu ihren ältlichen Vorgängermodellen ressourcenschonender Geräte und zeigte einige regionale Energiesparprogramme auf. Die ganze Ausstellung war großzügig in die Fläche geplant und mit gelehrigen Schrifttafeln und Wandzeitungen zumöbliert. Auf der ganzen Ausstellung gab es kaum Interaktion und Kommunikation, schon gar keine Emotion. Die Schaubilder trafen ziemlich genau das emotionale Niveau von Tapeziertischständen regionaler Landfrauentagungen und Leistungsschauen niedersächsischer Landkreis-Ökonomien.

Green IT ist vermutlich gar kein Ausstellungsthema, sondern ein Kommunikationsthema. Man kann über die ökologische Relevanz moderner IT trefflich auf Symposien streiten und die Vorteile IT-gestützter dezentraler Arbeitsformen und flexibler Geschäftsprozesse in Meetingräumen und Lounges an Best Practice-Beispielen erläutern. Aber man kann als Messe-Veranstalter mit diesem Thema keine „Fläche“ machen; jedenfalls keine, die anziehend und nützlich für die Besucher ist. Und so bildeten die 2.000 Quadratmeter der Green IT World am ehesten noch eine Erholungsfläche mit viel Luft und Raum für müde Messebesucher.

Ganz anders das hervorragende Vortragsprogramm der CeBIT zum selben Thema: unterstützt von BITKOM, Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt gab es jeden Tag eine ganze Reihe hervorragender Vorträge zum Thema. Alle Vorträge waren kostenlos direkt im Ausstellungsbereich zu besuchen.

Was folgern wir daraus? Die Messegesellschaften müssen einerseits ihren Fokus auf den Vertrieb von Hallenfläche einschränken und andererseits Businessmodelle entwickeln, mit denen man auch mit öffentlichen Vorträgen als Veranstalter Geld verdienen kann. Dies wird auch die Herausforderung für die discuss & discover im kommenden Oktober in München sein: die Integration hochwertiger Vorträge in den Ausstellungsbereich; ergänzt um angenehme Facilities zur Diskussion mit Experten. Dabei muss, was gut und wertvoll ist, nicht unbedingt kostenfrei sein. Aber langweilige Ansammlungen von Wandzeitungen sollten uns erspart bleiben.

Die CeBIT 2009 ist vorbei. An dieser Stelle stelle ich in fünf Posts einige sehr persönliche Schlussfolgerungen aus der diesjährigen CeBIT zur Diskussion: was können wir aus und von Hannover lernen? WIR, die wir IT-Veranstaltungen organisieren, uns an solchen beteiligen oder sie einfach nur besuchen.

Um folgende Themen geht es diese Woche in meinen fünf Posts zur CeBIT 2009:

Montag: Mut zur Reform statt zur Lücke

Dienstag: Die WebCiety – Hype oder Zukunft der IT-Messen?

Mittwoch: Green IT – ein alternativer Landfrauentag für Computer-Freaks?

Donnerstag: IT Security – Sicherheit nur noch für Spezialisten?

Freitag: Versuch einer Bilanz

Die Serie erscheint auf der dampflog und auf dem blog der discuss&discover

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