Das Ende von Twitter und Youtube als Newsquelle

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Generäle sind stets darauf vorbereitet, den letzten Krieg noch einmal auszutragen. Social Media Propagandisten ebenso. Die Jasmin Revolution war 2011 das goldene Zeitalter der Sozialen Medien, ihr basisdemokratischer Ritterschlag. Die Mächtigen der Welt haben das zur Kenntnis genommen und reagiert: Erdogans Krieg gegen Facebook und Twitter ist ein ungelenkes Beispiel, Russlands Maskottchen Zoich ein meisterhaftes. Mit den Krisen in Syrien, Irak, vor allem aber der Ukraine und Gaza erleben wir den uneingeschränkten Propaganda-Krieg auf Twitter, Youtube und Facebook. Die Folge wird sein, dass die Anwender diesen Quellen zunehmend kritisch und zynisch gegenüberstehen. Das ist gut für die Printmedien, TV und Radio, und das Ende der Newsquelle Social Media.

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„2011 Egyptian protests Facebook & jan25 card“ von Essam Sharaf – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Die letzten Untersuchungen zeichnen noch ein rosiges Bild für Social Media als Newsquelle: noch Mitte Juni wies die Reuters Institute Digital News Survey 2014 ihnen wachsende Bedeutung als Info-Quelle gerade bei Jüngeren zu (siehe Folie 14 hier), während Print und Radio verloren, TV zulegte. Diese Ergebnisse wurden 2013/2014 erhoben – also vermutlich noch vor der heißen Phase der Ukraine- und Gaza-Krise.

ARD und ZDF fallen auf Youtube-Propaganda herein

Auch den etablierten Newsquellen waren lange Zeit noch nicht klar, dass die sozialen Medien keine verlässlichen Quellen sind. So wurde 2012 ein Video aus dem Irak als Folterszene aus Syrien ausgegeben. Noch am 29.Mai unterlief der ARD der Lapsus, einen falschen Hubschrauberabschuss zur Bebilderung ihrer Ukraine-Berichterstattung zu verwenden – ein Fehler, der bisweilen als Beleg für die Parteilichkeit der öffentlich-rechtlichen ausgelegt wurde. Dabei war die Problematik schon früh bewusst: 2012 wird etwa Peter Klöppel, der Chefmoderator der RTL-Hauptnachrichten zitiert, völlig auf Social Media Quellen zu verzichten, während das ZDF einen eigenen Content Center hat, um Spreu vom Weizen zu trennen.

Soziale Medien sind längst Spielzeug der Militärs

Es steht zu vermuten, dass in den Redaktionen inzwischen sehr viel schärfer darauf geachtet wird, die Sozialen Medien nicht (oder zumindest nicht mehr ungeprüft) als Quelle zu verwenden – weder für Bilder, noch für News. Und ähnliches dürfte auch in den Köpfen der Anwender geschehen. Twitter, Facebook und Youtube werden in der nächsten Reuters-Umfrage vermutlich an Relevanz verlieren. Zu deutlich wird, wie sehr sie von interessierten Konfliktparteien missbraucht werden – und das nicht einmal heimlich. Die USA nutzen Facebook, um den Terrornetzwerken die Rekruten abzugraben. Es gib ein eigenes Programm namens Social Media in Strategic Communication (SIMSC), das den Einsatz von Sozialer Kommunikation untersucht. In Israel arbeitet die mit 40 Mitarbeitern und 400 Freiwillige an der Social Media Front. Die NZZ bereichtet von einer kleinen Armee von „Hunderten von Trolls“, die für Bezahlung deutschsprachige Foren mit russischer Propaganda füllen. Schließlich wird auch in China an der politischen Meinungsbildung mit sozialen Netzwerken gearbeitet – etwa im Fall Tibet.

Zurück zu Print, TV und Radio?

Natürlich, so werden viele Fans von Social Media einwenden, gibt es Strategien, mit denen eine Nutzer seine News auf Twitter et al. kuratieren kann: Listen oder vertrauenswürdige Mediatoren etwa. Das ist sicher richtig, aber mühsam. Die meisten werden so viel Zeit nicht investieren wollen und sich wieder auf die klassischen Medien konzentrieren. Auch indem sie dem Twitter-Account ihrer Leib-und-Magen-Zeitung folgen. Doch es bleibt der Schluss: Twitter und vor allem Youtube erleben als Newsmedien eine schwere Krise. Die nächsten Revolutionen werden nicht über sie organisiert, sondern gegen sie.

 

Bild: „2011 Egyptian protests Facebook & jan25 card“ von Essam Sharaf – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

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