SZ Magazin – umgedreht!

image Die letzte Ausgabe des Süddeutsche Zeitung Magazin (Nr. 19, 8.5.09) fragt “Wozu Zeitung?” Bei den düsteren Zukunftsaussichten für Zeitungen und Verlage ist es höchst respektabel, dass sich das Magazin mit dem Thema auseinandersetzt. Insgesamt ein Magazin mit vielen lesenswerten Beiträgen.

Einer ist mir besonders aufgefallen: “Zehn Gründe, warum Blogs in Deutschland nicht funktionieren” von Felix Salomon, laut Autorenporträt einer der erfolgreichsten amerikanischen Wirtschafts- und Finanzblogs, zu erreichen unter: http://blogs.reuters.com/felix-salmon/ In der Quintessenz laufen seine Gründe darauf hinaus, dass die Deutschen von Charakter und Mentalität her kein Bloggervolk sind. Nachzulesen online unter: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/29176

Illustration der Electronic Frontier Foundation Bei der Lektüre der trifftigen Gründe für die Stagnation in der deutschen Bloggerlandschaft ist mir der Gedanke gekommen, die Thesen von Herrn Salmon mal umzudrehen, also zu fragen, wie könnten Blogs in Deutschland oder deutsche Blogger erfolgreich sein – es ist ja nicht so, dass die zugespitze Verallgemeinerung der deutschen Blog-Ignoranz alle betrifft.

Deshalb hier mein Versuch:

  1. Man sollte sich trauen, sich im Blog zu äußern, wenn man eine Meinung hat, auch ohne Experte zu sein. Irgendeinen Grund gibt es schließlich dafür, dass man eine Meinung zu einem Thema hat, das reicht schon.
  2. “Stichhaltig, klug und originell” sollten die Beiträge sein, dafür muss man aber kein  zertifizierter, diplomierter Experte sein – mehr Mut zur eigenen Meinung und Schreibe also. Denn das macht schließlich oft erst den Reiz von Blogs aus.
  3. Blogs ernst nehmen und “respektieren”, eben auch, wenn kein zertifizierter und studierter Experte dahintersteht.
  4. Das Internet gehört zu unserem Alltag, Blogs werden wohl auch nicht mehr verschwinden. Deshalb sollte man akzeptieren, dass Bloggen und Blogs lesen auch dazu gehört – in unserer Branche gehört es mittlerweile zur Standardfrage in Bewerbungsgesprächen, was Aspiranten im Web 2.0 schon gemacht haben. Eine kostenlose Mitgliedschaft bei Xing reicht schon länger nicht mehr. Und das wird sich wohl auf viele Berufe der Informationsgesellschaft ausdehnen. Da es meines Wissens nach keine Blog-Schulen gibt, wird man sich um die Blog-Erfahrung selbst kümmern müssen und kein Zeugnis dafür erhalten, das man einer Bewerbungsmappe hinzufügen kann.
  5. Keine Angst vor Fehlern. Erstens lassen sich diese korrigieren und zweitens können diese Grundlage für Kommunikation mit anderen Bloggern und Internet-Nutzern werden.
  6. Einfach losbloggen – ein Beitrag muss nicht dem kompletten Regelsatz für Schulaufsätze oder gar wissenschaftliches Arbeiten genügen.
  7. Dass in Deutschland nur wenige Leute bloggen, ist kein Grund, es selbst auch nicht zu tun. Man muss sich aber bewusst sein, dass man erstmal für sich selbst bloggt. Blogs sind keine Selbstläufer, um bekannt(er) zu werden, muss man sich in der Webwelt engagieren.
  8. Studenten treiben sich schon viel und selbstverständlich im Web 2.0 herum. Die deutschen Professoren sollten es auch tun (schon alleine um ein Gegengewicht zu Otto-Normal-Blogger zu bilden, siehe Punkt 2 😉
  9. Man sollte nicht bloggen, wenn man Geld damit verdienen will. Weil man mit bloggen nichts verdienen kann, sollte man bloggen nicht wie Arbeit betrachten, damit es Spaß macht.
  10. Wenn man aus Spaß bloggt, kann man immer bloggen: vom Büro aus, von zu Hause, von unterwegs, aus dem Urlaub. Ich zitiere abschließend Felix Salmon: “Der Blogger kennt keine Ferien”.

Und jetzt: an die eigene Nase fassen und wieder öfter bloggen – auch wenn für Corporate Blogs nicht alle dieser Punkte zutreffen, wie unsere Kunden wissen!

Ergänzung 1: Schöne Diskussion dazu bei Stefan Niggemeier.

Ergänzung 2: Stefan Niggemeier hat darauf hingewiesen, ist aber so schön, dass ich es hier nochmal tue: Der Stillstandblog hat eine wunderschöne Parodie auf Salmons 10 Thesen geschrieben.

Ein Gedanke zu „SZ Magazin – umgedreht!“

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