Von Unified Communications, digitaler Technik und analogen Plänen

Z1

Der Nachbau Konrad Zuses Z1

Mein Urgroßvater war Weber in der Gegend des heutigen Novi Sad in Jugoslawien. Bisher sah ich nicht viel Verbindung zwischen seiner damaligen Tätigkeit und meiner heutigen als PR-Schaffender im IT- und Online-Umfeld. Allenfalls musste ich einmal eine Story weben oder verwobene Zusammenhänge aufdröseln.

Doch seit gestern, als ich im Rahmen des Ferrari electronic Partnertags eine Führung im Deutschen Technikmuseum in Berlin mitmachen durfte, bin ich eines besseren belehrt. Dort wird nicht nur ein Nachbau der legendären Z1 von Konrad Zuse als „erster Computer der Welt“ dargestellt. Man zieht die Linie weiter zurück bis zu Webstühlen (und später Stickmaschinen), die schon frühzeitig über Lochkarten gesteuert wurden. Die Textilindustrie habe die Digitalität, die Grundlage auch der modernsten EDV, quasi erfunden.

Auch sonst bietet die Ausstellung zahlreiche Exponate zu den unterschiedlichen Ursprüngen der Rechen-, Automatisierungs- und Nachrichtentechnik. Bevor es die elektrische Telegrafie gab, benötigte eine Nachricht von Koblenz nach Potsdam über den preußischen Nachrichtendienst sieben Stunden: Telegrafenstationen mit großen Masten gaben Zeichen mittels großer Schilder. Die nächste Station konnte diese mit dem Fernrohr gerade noch erkennen und gab sie an die nächste Station weiter.

Heute nimmt sich die Industrie vor, nahtlos zusammenzubringen, was so unterschiedlich anfing: IT und Telekommunikaton. Das Ergebnis heißt Unified Communications (UC). In zahlreichen Fachvorträgen der Ferrari electronic Spezialisten stand genau dies, die Integration von UC-Hard- und Software mit anderen Technologien, im Mittelpunkt. Eine Lehre ist dabei: Nur weil Kommunikationswege dazukommen, sterben die alten noch lange nicht aus. IP-Telefonie ist noch fern davon, analoge Telefonie hunderprozentig zu ersetzen. E-Mail hat das gute alte Fax in eine Nische gedrängt. Doch aus Gründen der Sicherheit und Nachweisbarkeit kann Fax nirgends abgeschaltet werden, wie die eigens erstellte Fax-Studie belegt. Die Kommunikationswelt mit ihren vielen Kanälen ist heute bunt. Und die Herausforderung für IT-Dienstleiste ist es, diese ganzen Kommunikationswege zu bündeln.

Kommunikation der ganz anderen Art zeigte der gelernte Kriminalist und Bestsellerautor Leo Martin in seinem Vortrag über „Fesselspiele“. Mit locker-flockigen Spaßverhören und einem genauen Blick auf Gesten und Gebärden spielte er den Lügendetektor – und hatte immer Recht. Lerneffekt: Erstens: In wichtigen Gesprächsmomenten immer ganz bewusst die körperliche Reaktion des Gegenübers auffangen. Wer lügt, muss erstmal kurz an die Wahrheit denken. Zweitens, quasi der Umkehrschluss: Wenn ich nicht lautere Motive habe, und dem Gegenüber nicht mit Respekt begegne, brauche ich ein Gespräch gar nicht erst anzufangen.

Angenehmer als Leo Martins Verhörmethoden in ihren rüderen Momenten waren zweifellos die Gespräche abends auf der Schiffsrundfahrt auf Spree und Landwehrkanal. Irgendwann war auch das zu Ende. Wie komme ich vom Urbanhafen zurück zum Hotel? Als ich meinen Stadtplan von Berlin entfalte, schallt es: „Oh, ein analoges Medium.“ Und ich stellte mich im Geiste neben den Webstuhl mit den Lochkarten im Technikmuseum. Hallo Ur-Opa, du warst schon weiter.

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