tweets killen blogs

tweet

das meint jedenfalls jörg wittkewitz bei den blogpiloten. er erklärt den vielfach gemessenen relevanzverlust auch großer blogs mit dem aufkommen der twitter-kommunikation: „Wer schon länger bloggt, stellt fest, dass die Anzahl der Kommentare zu Blogeinträgen proportional zur Zunahme von Tweets und Bemerkungen bei Friendfeed oder Facebook abnimmt.“ wittkewitz unterscheidet zwischen dialogischem ad-hoc social media wie twitter und archiviertem „old-school publizieren“ in blogs und prognostiziert:

„Aber wehe, wenn die erstmal erfasst haben, was die Early und Late Adopters da so treiben und wie sie es nutzen. Dann bricht der zweite Frühling des viralen Marketings und die Innovation des Kundensupports via Twitter so mancher klassischer Agentur und so manchem traditionellen Call-Center das Genick. Machen wir uns also darauf gefasst, dass die partizipative Ebene an Social Media weitgehend in die dialogorientierte Ebene der ad-hoc und n:n Kommunikationsmittel wie Twitter und identi.ca fließt und dort bleibt.“

während viele pr- und marketingagenturen – und erst recht unternehmen – ihren blog noch immer am liebsten spiralisiert in die hand nehmen, droht nun uns bloggenden agenturen schon wieder der tod durch mircobloggende kommunikatoren.

blog ist ja sowas von oldfashioned … gähn … markus: mach mir den tweet!

3 Kommentare
  1. Markus Pflugbeil
    Markus Pflugbeil says:

    Ne, ich schreib jetzt einen Kommentar zu deinem Blogeintrag, keinen Tweet. Und ich machs mir dazu einfach und verweise auf das Feuilleton (!) der SZ von heute. Nur um denen, die sich ständig im Webzwonull aufhalten (und anscheinend keiner „echten“ Arbeit 1.0 nachgehen müssen), gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ja der Artikel ist wieder Mal von Bernd Graff. Und den darf ich auszugsweise zitieren: „(…) Die Gegenwart erscheint dort [auf Twitter] wie auf dem Teleprompter. Die zehn Gebote (…) waren in Stein gemeißelt.“ Unsere Kultur sei, so Graff, gerade dabei „sich in ubiquitären Echtzeittexten zu spiegeln, stellt neue Anforderungen an ihre Rezeption: Texte sind weniger Medien für abstrakte Inhalte, Texte verweisen auf Realitäten.“

    Und Graff verweist auf einen Blog(!)eintrag auf http://www.carta.info von Matthias Schwenk, der schrieb: „Die jüngste, schon ganz mit dem Internet aufgewachsene Generation versteht unter ‚gut informeirt sein‘, dass sie darüber im Bilde ist, was ihre Freunde im Netz gut finden (…). Sie folgt nicht mehr einzelnen Leitmedien, sondern den Meinungsführern im persönlichen Freundeskreis.“

    Bis hier her hat dieser kurze Kommentar übrigens schon über 1.100 Zeichen, also mehr als das siebenfache eines Tweets.

    Ich bin und bleibe der Meinung, dass Lesen und Schreiben eine der wichtigsten Kulturtechniken ist. Keiner, der nicht in der lage ist einen längeren Text zu verstehen, geschweige denn zu schreiben, wird in der Lage sein, die 140 Twitterzeichen optimal auszunutzen. Und das Denken wird durch Lesen und Schreiben von mehr als 140 Zeichen auch noch befördert…

    Ich glaube vielmehr an das Zusammenspiel der unterschiedlichen einzelnen Webzwonull-Möglichkeiten, je nach Wunsch und Will des Bedieners: abstraktere Überlegungen im Blog, Neuigkeiten, Zustände usw. im Tweet, Linksammlung und Bewertung in Facebook usw.

    Ich freue mich immer wieder auf die Lektüre eines guten Buches, um es mit Graff zu sagen: „Texte waren ein Hebel zum Ausstieg aus dem Fluss der Zeit.“ Und für mich sind sie es immer noch!

  2. Flo
    Flo says:

    Lool. Ist schon was Wahres dran, den Effekt bemerke ich auch bei mir im Blog, wo in letzter Zeit die Kommentare stark abnehmen. Aber es gibt schon Bestrebungen Twitter und Blog besser zu verlinken.
    https://www.quickonlinetips.com/archives/2007/04/10-best-twitter-tools-for-wordpress-blogs/
    das könnte funktionieren. Ich frag mich halt nur eines: Wenn man schon kaum Zeit zum Bloggen hat, wie soll man denn dann noch 24/7 twittern? Oder brauchts den CSMO? Den Chief Social Media Officer? Fragen über fragen 🙂

  3. Michael Kausch
    Michael Kausch says:

    oder um es nicht mit adorno zu sagen: „das zeitalter der sozialen medien wird dadurch sich auszeichnen, dass die grenze zwischen sozialem und asozialem idiosynkratisch zur eigenen aufhebung drängt.“
    oder so …

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