Die SPD will die Zeitungen retten – wenn das mal gut geht …

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sozenwuerfel

Wie war das? Deutschland schreibt mit der Linken und wählt mit der Rechten? Weibt mit der Lechten und schählt die Rinken? Ich hab mal meinen Tucholsky wieder nicht im Kopf. Jedenfalls hat die SPD gemerkt, dass sie mit den Tageszeitungen vieles gemeinsam hat: die Krise.

Und so wird die Medienkommission der SPD auf dem novemberlichen Parteitag ein Rettungspaket für unsere Tagespresse vorschlagen (kursiv hier gleich meine Ergänzungsanträge):

– Unabhängige Stiftungen sollen den qualifizierten Journalismus auf regionaler und nationaler Ebene retten: macht eine Zeitung zu, macht eine Stiftung auf! Und sollten sich keine Leser finden, werden die Stiftungsmitarbeiter Lesezirkel etablieren: bezahlte Leser sichern so, dass die Meinungsfreiheit auch bemerkt wird.

– Auch die krisengeschüttelte dpa soll – bei Bedarf – dann eine Stiftung werden. Ein vergleichbares Programm wird für PR-Agenturen aufgelegt. Und für die Arbeitsagentur. Agentur ist Agentur!

– Tageszeitungsabonnements sollen steuerlich absetzbar werden. Die Gegenfinanzierung wird über eine zusätzliche Vergnügungssteuer für Vielseher des ZDF gesichert – Nein, das geht wirklich nicht!

– Kostenlose oder verbilligte Zeitungen für Schüler. Die SZ wird gesetzlich zur führenden SchülerZeitung der Republik ernannt.

– Das Zeitungs-Grosso soll gesetzlich abgesichert werden. Die Meinungsvielfalt als Titelvielfalt wird notfalls über die Montage unterschiedlicher Zeitungsköpfe auf identische Redaktionsteile sichergestellt. „Das ist schließlich alles ein Kopf-Problem“.

 

Dass das Zeitungssterben etwas mit dem Internet zu tun hat, sehen die Kommissionsmitglieder übrigens durchaus. Warum man dann aber dem offensichtlich erfolgreicheren Internet ausgerechnet mit der Zementierung der Printverhältnisse, statt mit ihrer Veränderung und Modernisierung begegnet, bleibt ein sozialdemokratisches Rätsel. Dass das Zeitungselend konkret etwas mit dem Elend der Zeitungen zu tun hat wird von der Kommission nicht diskutiert.

Aber warum auch: Mit der Krisenreaktionserfahrung rund um den Vorwärts im Rücken, braucht man sich um die Realisierung dieser Vorschläge ja eigentlich keine großen Sorgen zu machen …

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PS: Dieser Artikel gibt nicht die Meinung von vibrio wieder.

PSPS: Dieser Artikel gibt überhaupt keine Meinung wieder. Schon gar nicht mitten im Wahlkampf.

PSPSPS: Aber wenn ich alles, was an allen Parteien zu kritisieren wäre, auch aufschreiben wollte, dann würde die dampfLog zu lang werden, als dass sie sich noch fortbewegen könnte.

PSPSPSPS: Und das ist keine Politikverdrossenheit. Im Gegenteil: am kommenden Sonntag hab ich was vor. Sie auch? Hoffentlich!

2 Kommentare

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  1. […] von Qualitätsjournalismus vorsehen, eine klare Abfuhr. Letzteres hat zum Beispiel die SPD vor kurzem […]

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