Die große Hitliste der Presserabatte

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Presserabatte sind ja im vergangenen Jahr ein wenig ins Gerede gekommen: insbesondere nachdem zahlreiche Medien die Inanspruchnahme von Freiflügen und kostenlosen Mietfahrzeugen durch den früheren Bundespräsidenten Wulff und seine Frau kritisch hinterfragten kümmerten sich einige Politiker plötzlich um das Presserabattwesen (siehe z.B. hier). Verschärfte Richtlinien in zahlreichen Medien trugen ein Übriges dazu bei, dass Unternehmen wie die Deutsche Bundesbahn oder Air Berlin ihre Sonderkonditionen für Journalisten ganz abschafften. Noch immer aber gibt es hunderte von Vergünstigungen für Journalisten: vom kostenlosen Zoo-Besuch bis zum Preisnachlass auf Neuwagen unterschiedlichster Hersteller.

Die wenigsten dieser Rabatte sind aber wirklich interessant: da von Preisbindung und -treue eh kaum mehr die Rede sein kann und der Handel sich seit einigen Jahren eine beispiellose Rabattschlacht bietet, kann man etwa beim Autohändler um die Ecke in aller Regel direkt bessere Konditionen, als über die Pressestelle des Herstellers aushandeln. Ich weiß, von was ich spreche …

Die Nachfrage nach vergünstigten Pressekonditionen scheint aber ungebrochen. Der Online-Informationsdienst https://www.pressekonditionen.de veröffentlichte nun seine Hitliste der Zugriffe auf entsprechende Angebote. Und das Ergebnis ist recht merk- bis denkwürdig …

Hier die Top 25-Angebote:

BMW, Audi und VW führen die Hitliste der Wunschautos deutscher Journalisten mit klarem Vorsprung vor Mercedes  an. Das muss nicht überraschen. Überraschend ist aber dann doch, dass sich mehr Journalisten für Porsche, als für Opel und Ford interessieren, ganz zu schweigen von Citroen und Volvo. Lauter gut bezahlte Edelfedern? Oder Polizeireporter, die auf schnelle Fahrzeuge angewiesen sind?

Unter den Mietwagenanbietern führt Europcar vor dem Medienstar Sixt und den anderen Klassikern der Branche. Billiganbieter wie Holiday Auto liegen abgeschlagen auf den hinteren Rängen. Auch unter den Medien liegen Qualitätsprodukte von Spiegel, Süddeutscher Zeitung und Zeit ganz vorne. Letzteres gibt Hoffnung.

Wie also haben wir uns den rabattverwöhnten Träger eines deutschen Journalistenausweises vorzustellen?

Etwa so:

Der Presseausweisträger reist gerne um die Welt, hat einen Audi oder BMW in der Garage stehen, nutzt gerne auch mal einen Mietwagen, den er vorzugsweise mit einem elektronischen Helferlein der Marke Apple bucht, seine Freizeit verbringt er mit Familie im Cinemaxx-Kino – wenn er nicht gerade eine vergünstigte Eintrittskarte im Europapark oder Phantasialand gelöst hat und abends, da legt er sich auf eine Kuschelmatratze von „Matratzen Factory Outlet“ im Bettgestell von „Möbel Schmidt“. Und dort fällt ihm dann auch sicherlich ein wirklich harter Beitrag über unsere politischen Rabattstreuner aus Bundes- und Landtagen ein. Wetten dass?

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