Die beste Zustandsbeschreibung sozialer Medien kommt von Jens Schröder

Jens Schröder hat in seinem morgendlichen Newsletter „trending“ das Geschehen in den sozialen Medien vom Vortag zusammengefasst. Eintausend Ausgaben lang war „trending“ das Wichtigste meines Morgens. Keine Ausgabe habe ich ungelesen gelöscht. Jetzt hat Schröder die Reißleine gezogen. Die tägliche Konfrontation mit dem Dreck im Netz, mit Hass und Falschinfos gingen ihm an die Substanz. Aus die Maus. Gut für ihn. Seine Begründung ist noch lesenswerter als die Trending-Ausgaben selbst: https://meedia.de/2021/12/10/trending-the-end/ Ich werde seine Analysen, aber noch viel mehr seine persönliche Einordnung, seine Nachrecherchen beim vermaledeiten Schlagzeilenjournalismus sehr vermissen. Ich danke Ihnen, Jens Schröder. Ihre Arbeit war wichtig und richtig und nun: gute Erholung und ein glückliches neues Jahr.

1 Antwort
  1. Michael Kausch
    Michael Kausch says:

    Nein, ich war kein Stammleser von Jens Schröder. Und ja, ich kann die wesentliche Aussage seines Abschieds-Statements voll und ganz unterschreiben. Er spricht vom „Missverhältnis zwischen lauter Minderheit und leiser Mehrheit“ und schreibt: „Die viel beschworene „Spaltung“ der Gesellschaft sehe ich nämlich nicht. Allenfalls einen kleinen Spalt am Rande der Gesellschaft. Egal, zu welchen politischen Aufregern seriöse Umfragen und Studien erstellt werden – die Ergebnisse widersprechen fast grundsätzlich dem Ton in den sozialen Netzwerken.“ Das sehe ich ähnlich. Die sozialen Medien haben sich zum Sprachrohr und zur verstärkenden Echokammer der lauten Radikalen entwickelt, der Quertreiber, Schwurbler und Möchtegernmeinungsverführer, der Nichtmehrzuhörer und Nichtleser, der Brüllaffen. Da treffen sich Neonazis, Blut- und-Boden-Ökos, Parawissenschaftler, Kreationisten, Klimawandelleugner, Antisemiten, Esoteriker und Impfgegner unter Regenbogenfahne und Reichskriegsflagge. Und ja, es geht auch eine Nummer kleiner: dann sind es einfach Klugscheisser und intolerante Anschwärzer. Und wenn aus meiner Aufzählung Intoleranz spricht, so ist das nichts weiter als tief sitzender Frust, Frust, den man tagtäglich erlebt, wenn man sich in Facebook, Twitter, Telegram und zunehmend auch LinkedIn aus dem engeren Dunstkreis herausbewegt. Und das sollte man ja. Und wenn man sieht, wie Freunde, ehemalige Kollegen und Weggefährtinnen plötzlich an Luftgeister glauben und den Geist der Aufklärung verraten. Wenn sie Argumenten nicht mehr zugänglich sind und Meinungen nicht mehr ertragen können und Meinungen und Fakten nicht mehr unterscheiden können. Die Erde ist eine Scheibe und die Vögel laden sich auf den Stromleitungen energetisch auf, um die Botschaften von Gates auf uns zu übertragen, wie einst der Heilige Geist an Pfingsten aus dem Heiliggeistloch der Barockkirchen über uns kam.
    Und doch sind die sozialen Medien auch die Medien des demokratischen Widerstands in manch autoritären Systemen. Und doch liegt in den Netzen eine demokratische Kraft, sonst würden die Herrschenden in China und im Iran nicht vor ihnen zittern. Und doch treffe ich täglich in den Netzen wunderbare Menschen und ein enormes kreatives Potential. Und doch lohnt es weiterzumachen.

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