Wieso Facebook eine Google-killende Suche hat

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Facebook hat seine neue Suche vorgestellt. Auf den ersten Blick sollte das kein Grund zur Sorge sein für die Konkurrenz – Google ist trotz einiger Schwächen zu Recht Marktführer, und Spezialisten wie Wolfram Alpha haben eine sichere Nische für sich beansprucht. Nur ist eine gute Suche kein Garant für ein erfolgreiches Business. Es sind die Anzeigen, die zählen, denn sie bringen das Geld. Und hier liegt die Stärke von Facbooks neuem Modell: seine Suche ist der perfekte Weg für Unternehmen, Kontakt zu neuen Kunden zu bekommen – viel zielgenauer als Google es könnte. Denn Goolge setzt auf Algorithmen, Facebook dagegen auf den Geschmack meiner Freunde. Farhad Manjoo zeigt eine gute Zusammenfassung der Funktionen der neuen Suche in seinem Artikel auf slate.com. Die Killer-Qualität ist die Möglichkeit zu kombinierten Suchen, die Likes und Check-Ins auswerten, und dabei die angegebenen Daten meiner Freunde berücksichtigen. Wüsste ich gerne eine Bar, wo meine Musikerkollegen gerne hingehen, könnte ich Facebook fragen nach „Bar, die von Freunden geliked wird, die Hobby: Musik haben“ oder „…die in der Gruppe: Musiker in München sind“. Das mag so klingen, als ob ich das selber besser wüsste als Facebook. Aber ich glaube, dass meine Freunde mehr Überraschungen parat haben als ich ahne. Das ist mit einer der Gründe, warum ich sie zum Freund hab (selbst wenn es „nur“ Facebookfreundschaften sind). Zudem habe ich seit dem zweiten Kind nicht mehr genug Zeit, mich oft genug mit allen jenen zu treffen, von denen ich gerne regelmäßig hören würde. Die neue angesagte Bar könnte mir entgangen sein.

Facebook machts möglich, dass ich trotzdem dazustoße (und durch einen Check-In bei Foursquare meinen Freunden die Möglichkeit gebe, über eine eigene Suche ebenfalls auf diesen Tipp zu stoßen.)

Wieso ist das ein Business-Risiko für Google? Ganz einfach, weil Unternehmen nun einen sehr konkreten Grund haben, sich um Likes zu bemühen. Dafür werden sie Geld ausgeben, und nicht zuletzt auch Anzeigen oder Promo-Aktionen bei Facebook kaufen. Das Netzwerk könnte damit als Geschäftsmodell irgendwann tatsächlich in die Nähe seines Börsenwertes kommen.

Und Google? Hat die bessere Suche, aber das viel kleinere soziale Netzwerk. Die Ära von Don’t be evil könnte vorbei sein, und die von You know what’s cool bricht vielleicht an.

Update: die neuen Möglichkeiten der Facebook-Suche haben bereits einen Blog auf tumblr inspiriert, der skurrile, beängstigende oder faszinierende Suchanfragen aus dem echten Leben dokumentiert. Siehe dazu einen Artikel auf slate.com.

2. Update: Techcrunch erklärt am 30.1.13 anhand von Facebooks Quartalsbericht, warum die Möglichkeit zur zielgenauen Anzeigenschaltung ein Vorteil für das Unternehmen ist, je mehr die Nutzung sich auf mobile Endgeräte verlagert. Siehe http://techcrunch.com/2013/01/30/why-is-mobile-fundamentally-good-for-facebook/

8 Kommentare
  1. Michael Kausch
    Michael Kausch says:

    Gut, Facebook wird mit der Suche seine Relevanz im Empfehlungsmarketing ausbauen – und damit zahlreichen anderen Social-Media-Anbietern wie Foursquare das Leben schwerer machen oder gar verkürzen. Einen wirklichen Angriff auf Google sehe ich damit noch nicht. Die Selbstbeschränkung auf Facebook-interne Informationen wird eher dazu führen, dass Google sich das eine Weile anschauen wird um dann selbst mit dem eigenen Potential (Google Search, Local, und Plus) erfolgreich gegen zuhalten. Google ist in diesem Markt deutlich stärker aufgestellt als Facebook. Es ist allerdings das erste Mal, dass Facebook etwas unternimmt, das so interessant ist, dass Google darauf wird reagieren müssen. Bislang war das immer umgekehrt.

  2. stephan
    stephan says:

    Wenn die Leute anfangen, Anleitungen für Kaffeevollautomaten zu posten und liken, wird es eng für Google… bis dahin kann Google sein Netzwerk weiter ausbauen. Die Nutzung von Facebook ist hoch, reicht aber nicht annähernd an Google (also ohne +) heran. Da muss noch viel (Vertrauens-)arbeit geleistet werden.

    lG
    Stephan

  3. Markus Pflugbeil
    Markus Pflugbeil says:

    Nun ich fürchte, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis, falls überhaupt, Facebook für deutsche User mit dieser Suche interessant sein wird. Der Ansatz ist nachvollziehbar, geht aber immer vom idealen Facebook-Nutzer aus und den gibt es vor allem in Deutschland nicht:

    1. Die Deutschen „liken“ mehr, als dass sie ihre privaten Daten extrovertiert preisgeben. Seinen Standort anzugeben ist schon selten; den Ort zu bewerten noch seltener und ihn auch noch zu kommentieren noch viel seltener – das gilt für Produkte und Marken gleichermaßen; siehe dazu aktuell z.B. hier. http://totterturm-pr.de/2013/01/16/denkanstos-die-struktur-der-social-media-ablehnung/ Damit ist die Zahl der verfügbaren Fundstellen deutlich eingeschränkt. In Ländern bzw. Ländern mit Online-Kulturen, die lieber kommentieren mag das anders sein. (Hier steht nach wie vor die Kritik im Raum, das Facebook auf Datenschutzbedenken der sensiblen Deutschen nicht angemessen (und nicht mit angemessenen PR-Kampagnen) reagiert).

    2. Die Frage ist auch, wem es eher gelingt, die bestehenden Empfehldienste zu integrieren bzw. zu ersetzen. Das angeblich schwächelnde Foursquare hat hier mit seinen Merklisten ein gutes Beispiel geliefert. Tripadvisor und Qype sind weitere spezifische Dienste, die eine relativ hoher Nutzerakzeptanz und deshalb tiefgehende Informationen besitzen. Der Anspruch, alles zu vereinen ist vielleicht aus Unternehmenssicht nachvollziehbar, dennoch frage ich mich, ob man den Nutzern nicht lieber sein Tripadvisor lassen sollte und dafür die Integration, auch in die Suche, von Facebook verbessern sollte. One-Stop-Shop klingt immer toll – ich mag aber nicht in die Abhängigkeit von einem. Weiterhin stellt sich die Frage, ob etablierte, spezifische Webangebote integriert werden können: bietet mir Facebook z.B. die gleich guten Inhalte wie http://www.digitalkamera.de oder können die integriert werden?

    3. Da es sich auch bei Facebook leider um ein US-Unternehmen handelt, stellt sich die Frage, wie es mit der Suche in Landessprache aussieht. Da mögen wir Deutschen mit 80 Millionen Einwohnern (plus, es sei mir gestattet, deutschsprachige Schweizer und Österreicher) noch am oberen Ende des unteren Drittels rangieren, wie sieht es aber z.B. mit den Finnen (5 Millionen Einwohner) aus? Da dürfte die Zahl der Suchtreffer innerhalb Facebook in Landessprache sehr schnell recht dünn werden.

    4. Landesspezifisch gesehen, stellt sich auch die Frage, wie hilfreich z.B. für Deutschland die Integration mit Bing ist. Der Marktanteil von Google Suche in Deutschland liegt nun mal bei 90 Prozent. Alleine durch die Analyse der Menge an Suchanfragen hat Google schon einen großen Vorteil bei der Trefferquote. Desweiteren dürfen natürlich nicht die vielen Google Dienste neben der Suche vergessen werden. Zumal Google durch die enge Integration mit Android auch über enorm viel Wissen über das mobile Nutzerverhalten (z.B. via Google Maps Suche) generiert.

    5. und letztens. Auf meinem Smartphone ist die aktuellste Version der mobilen Facebook- App nach wie vor grottenschlecht! Bevor die Facebook Graph Search ausgerollt wird, sollte erst mal die mobile Standardnutzung von Facebook zum Laufen gebracht werden.

    Alles in allem: die Idee ist sicher nachvollziehbar, der Hürden sind aber noch viele zu nehmen. Für Unternehmen, die sich in Facebook „einkaufen“ können, bietet das Modell aber sicher interessante Möglichkeiten, wie z.B. der AKOM360 Blog (http://blog.akom360.de/2013/01/facebook-graph-search-fur-unternehmen/) aufführt. Für eine ausführlich Bewertung, auch was das Geschäftsmodell von Facebook angeht, empfehle ich den Beitrag der Wirtschaftswoche (http://www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/graph-search-facebooks-kampfansage-an-google/7638458.html).

  4. stephan
    stephan says:

    @MH: Die Suche, die Ergebnisse liefert, ist die Beste. Ich suche täglich nach allem möglichen Zeug, da will ich nicht immer kommunizieren, da möchte ich Ergebnisse. Wenn meine Kaffeemaschine blinkt, guck ich in die Anleitungen online und frage nicht, wer die gleich Kaffeemaschine hat. Facebook hat einen weiten Weg vor sich. Und in DE muss Facebook um Faktor 2,5 wachsen, um die Nutzerzahl auf das Niveau von Google zu bekommen.

    Der Social Graph ist eine gute Weiterentwicklung (wer bing und so.cl nutzt, kennt ihn ja bereits), aber eine Konkurrenz zu Google sehe ich in den nächsten Jahren nicht. Da ist bing vs. Google wesentlich interessanter.

  5. Michael Höppner
    Michael Höppner says:

    @stephan Auch wieder richtig, aber imho am Kern vorbei: ich hab auch meine letzte Reparaturanleitung auf Google gesucht. Auf FB tät ich mich schwer. Aber es gibt Fragen, die kann Google nicht, siehe oben. Und das sind, denke ich, die gewinnträchtigeren für die Firmen, die das Werbegeld zahlen. Darum werden sie es zu FB geben.

    Oder, kurz: die Frage nach dem Erfolg ist nicht mit dem Blick auf die Qualität der Suche zu beantworten.

    PS und außerdem: wer sagt, dass es eine schlechte Idee wäre, jemanden zu fragen, der die gleiche Kaffeemaschine hat? Wenn hier was nicht funktioniert, frag ich auch erst mal die Kollegen um Rat, die wie ich täglich damit zu tun haben.

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