Warum Journalisten (und Verleger) lernen werden, das Web zu mögen. Eine Replik.

Martin Recke hat in seinem Blog die Journalisten zu schlesischen Webern erklärt und meint den Trend zu erkennen, dass es eines Tages keine Journalisten mehr gibt, weshalb die Journalisten das Web schon heute nicht mögen. Robert Basic schrieb daraufhin seine ellenlange Gedanken in seinem Blog, Tendenz ähnlich.

Ich dagegen glaube, dass wir Journalisten auch weiterhin brauchen, bei den Medien und auch im Internet! Positivistisch gesehen hatte der beschränkte Umfang des redaktionellen Platzes bei den traditionellen Medien den Vorteil, dass die Zahl der veröffentlichten Themen beschränkt werden musste. Idealistisch gesehen brachte das den Vorteil, dass man sich als Leser, Hörer oder Zuschauer nicht mit einer Flut von Themen herumschlagen musste. Kritisch, aber unvermeidbar: Man musste sich  auf die Journalisten verlassen, die den Nachrichtenstrom daraufhin filterten, was wichtig ist – also was ist lediglich als Nachricht mitteilenswert, was bedarf Hintergrundinformationen, was ist so wichtig, dass es der Aufmacher ist usw.

Diese Einordnung und „Reduktion von Komplexität“, wie die Medienwissenschaftler sagen, kann durchaus auch eine Aufgabe für Journalisten im Web darstellen. Hunderte abonnierter Feeds, aber keiner sagt mir, welcher wichtig ist. Feeds, die ich alle selbst abonniert habe, das Überraschende, Spannende bleibt deshalb aus; Interessantes am Rande, das mich vielleicht auch interessieren würde, taucht nicht mehr auf.

Es folgt nun das Problem, dass meiner Ansicht nach viele große Print-Verlage und -Medien damit gescheitert sind, die technologischen Möglichkeiten des Web zu erkennen, geschweige denn zu verstehen. Deshalb probierten sie es einfach damit aus, ihren bisherigen Print-Content mehr oder weniger schön ins Web zu stellen. Davon hatten die zeitunglesenden Webnutzer aber wenig, denn das, was sie im Web lesen konnten, fanden sie auch in der Zeitung wieder.

Insofern wünsche ich mir eigentlich Portale mit unterschiedlichen politischen Ausrichtungen (so wie es bei Zeitungen die Süddeutsche Zeitung, die FAZ und die taz gibt) in denen Journalisten das Web daraufhin durchforsten, was wichtig ist und es entsprechend in lokale, regionale, nationale oder globale Zusammenhänge einordnen. Dabei ist es natürlich wichtig, nicht nur Links oder Feeds anzubieten, denn die manuelle Leistung des Journalismus soll in dem Fall darin liegen, „mir meine Welt zu erklären“ ohne dass ich mühsam eine Originalquelle nach der anderen aufsuchen muss. Zoomer ist das andere extrem, das dies vollautomatisch versucht, wobei ich der automatischen Zusammenstellung von Titelseiten nach Klickraten nichts abgewinnen kann. Der menschliche Faktor ist das, was den Journalismus interessant macht .

Das Schöne in der Webwelt ist aber natürlich, dass die Originalmeldung nur einen Mausklick entfernt ist, und da wundert es mich doch, wie schwer es den Machern der alten Medien fällt, Links zu setzen oder Inhalte einzubetten.

Journalisten mögen das Web!

Das Web ist für sie derzeit häufig leider auf eine schnelle Nachschlage- und Informationsmaschine reduziert. Journalisten haben nur selten die Chance, das Web produktiv für die Contentaufbereitung- und Darstellung zu nutzen, solange die Verleger nicht die Möglichkeit bieten, die neuen Technologien entsprechend einzusetzen. Im Browser Wikipedia aufrufen und über einen RSS-Feed die neuesten Presseinfos abrufen ist aber auf Dauer mit Sicherheit zu wenig – für Verleger und Journalisten.

2 Gedanken zu „Warum Journalisten (und Verleger) lernen werden, das Web zu mögen. Eine Replik.“

  1. Warum sollten die Blogger die Journalisten eigentlich verdrängen? Wir werden nicht alle zu Bloggern. Blogging erlaubt allerdings Menschen, die in aller Regel heute schon in ihren sozialen Gruppen Opinion Leadership ausüben, ihre sozialen Gruppen zu erweitern. Damit stärekn Sie ihre Ppsition im Meinungsdschungel. Aber dies bedeutet nur, dass im Web 2.0 neben die Journalisten eine weitere starke Gruppe künftig Beachtung verdient, eben die Blogger.
    Eine Gefahr für den journalistischen Berufsstand würde nur dann entstehen, wenn traditionelle Medien nicht mehr gefragt wären. Dies aber hängt einzig und allein von der Qualität dieser Medien ab. Und wir ihrer Fähigkeit der Kunden- oder Leserbindung. Deshalb müssen sich Medien – und Journalisten – zunehmend zu Marken entwickeln. Zu Marken, die werthaltig sind und für die man zu zahlen bereit ist.
    Ich möchte hier auf mein altes Beispiel zurückkommen: es gibt heute auf einigen Fotocommunities hervorragende Arbeiten semiprofessioneller Fotografen zu sehen. Und trotzdem bin ich bereit für einige Fotos Geld auszugeben. Weil sie es wert sind. Übrigens werden auf diese Art und Weise auch immer mal wieder Hobbyfotografen ohne Berufsausbildung zu erwerbsmäßigen Fotokünstlern. So werden auch die Grenzen zwischen Journalisten und Bloggern fließend sein.

    Guter Journalismus ist sein Geld und seinen Aufwand wert. Auch künftig.

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