Warum die Süddeutsche jetzt zum Pressefrühstück einlädt

Als vor einigen Wochen die Einladung zum Pressefrühstück in meinen Posteingang flatterte, war das Fragezeichen zunächst groß: Pressefrühstück mit Marc Beise, Ressortleiter Wirtschaft von der Süddeutschen? Und wir, die PR-Agentur, sind die Gäste? Nicht die Speisekarte? Gestern ging ich hin – und bin nun schlauer: Profitiert haben wohl alle. Wie das Win-Win-Win ablief gibt’s hier in der Zusammenfassung.

Eingeladen hat ja eigentlich nicht die Süddeutsche, sondern der Datenbankanbieter Gorkana, der sich damit rühmt, beste Kontakte in die Medien zu haben. Nun ist ein Ressortleiter ja ein beschäftigter Kopf, dass die Herrschaften aus England ihn gewinnen konnten, unterstreicht den USP natürlich. WIN für den Veranstalter.

Vier Branchen für den content-hungrigen Leser
Marc Beise (Gelegenheits-Twitterati und sympathischer Sprecher) gab sich also die Ehre und plauderte eine gute Stunde über die Zeitung von Morgen, seine Schwerpunktthemen und die Do‘s & Dont‘s für Pressestellen und Agenturen. Dass Print und Online zusammen wachsen, war nun nicht die Neuigkeit des Tages, auch nicht die Prognose, dass wohl noch mehr Zeitungen den Kampf um den Leser verlieren werden und FTD in den ewigen Blätterwald folgen müssen.
Spannender hingegen waren Beises Fokus-Branchen: Banken, Versicherungen, Automobil und Energie. Warum der Leser gerade über die im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung viel erfahren soll? In diesen Branchen rührt sich was, da gibt es richtige News – nicht nur „Unternehmen XY schließt Milliarden-Auftrag in weit entferntem Schwellenland ab“. Solche Meldungen werden erst dann spannend, wenn die Redakteure investigativ ergänzen können.
Die Kritik, dass Forschung und Entwicklung oder die Technologie-Branchen wenig gecovert werden, nahm Beise elegant auf – ob er die Ohren in dieser Richtung wieder aufsperren wird, muss sich zeigen. Doppel-WIN für Beise: er holt sich direktes Feedback von den Gatekeepern auf Unternehmensseite und ermutigt zur Exklusivität, denn durch die wird die Zeitung von morgen auch als Print überleben.

Vertrauen müssen Unternehmen in guten Zeiten aufbauen
Wo bleibt das WIN für die PRler (im Unternehmen und in der Agentur)? Was treibt führende Unternehmen, Münchner Agenturen und natürlich vibrio morgens um 8:15 Uhr ans Buffet? Klar, die Tipps aus erster Hand:

  • Baut Vertrauen auf, solange es euch gut geht. Wir riechen den Braten, wenn die Krisenkommunikation anläuft.
  • Sprecht mich an, aber seid dabei immer ehrlich. Absolutes No-go: Fehlinformationen.
  • Floskeln und Phrasen sind verboten – gehaltlose und reflektierte Unternehmenspropaganda ödet an.
  • Sucht den Kontakt auf Augenhöhe, die Zeiten, in denen Journalismus belächelt wurde, sind vorbei.

In Summe hat mir das Meet the Press gut gefallen, auch wenn ich wahrlich nicht zu den Frühaufstehern gehöre. Jede Woche bräuchte ich das sicherlich nicht, aber ab und zu die andere Seite anhören, ohne dass man diverse Kundenwünsche im Hinterkopf hat, wäre eine erfrischende Erfahrung.

PS: Am Rande hat Beise auch verraten, dass er seinen Schlafanzug nicht täglich wechselt, im Gegensatz zu einer anderen deutschen Berühmtheit, die den Wirtschaftsjournalismus der Süddeutschen bisweilen boulevardesk erscheinen lässt.

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