Urheberrecht: eher geht ein iPad durch eine Nadelöhr-große Antenne…

Die Firma Aereo darf wohl für sich in Anspruch nehmen, Ziel des absurdesten Rechtsstreits im Bereich Urheberrecht zu sein, der aktuell verhandelt wird (und das will was heißen). Wie kam das New Yorker Startup-Unternehmen zu dieser Ehre? Durch das Erkennen einer Gesetzeslücke, um öffentlich zugängliches, terrestrisches Fernsehen auf iPad und iPhone zu bringen.

Es ist eine Story, die sich liest wie eine Kafka-Novelle. Jeder kann in New York einen Fernseher kaufen und die frei verfügbaren Programme empfangen. Doch anders als hierzulande sind diese Programme nicht online verfügbar. Aereo wollte das ändern, und das freie TV auf mobile Endgeräte streamen – für 12 $ pro Monat.

Dem steht das Urheberrecht natürlich im Weg. Nur der Rechteinhaber kann diese Art der Nutzung entweder selber anbieten oder über Dritte anbieten lassen. In einer (man muss annehmen) koffein- und alkoholgeschwängerten Nacht müssen die Aereo-Gründer daher die alberne Idee gehabt haben: sie stellen einfach für jeden ihrer Kunden eine winzige Antenne auf, so dass dem Recht genüge getan ist, und streamen das empfangene Signal auf sein Gerät (vermutlich ist der Empfang der centstückgroßen Antennen aber eher mies, weswegen das physische Signal vermutlich von einer ordentlichen, großen Antennenanlage kommt, oder gleich aus dem Kabel abgenommen wird). Voilá Fernsehen im 21. Jahrhundert.

Es kam wie es kommen musste: die Fernsehanbieter verklagten das Startup, und es steht zu vermuten, dass es diese Klage nicht überlebt. Und recht so: es ist tatsächlich die Aufgabe der Anbieter, ihr Programm zeitgemäß verfügbar zu machen. Die Konkurrenz mag ein willkommener Tritt in den Allerwertesten sein, das endlich umzusetzen. Sie ist aber auch ein Hinderungsgrund: wenn der Markt schon besetzt ist, lohnt es sich nicht mehr im gleichen Maß, selber aktiv zu werden. Unterm Strich profitiert Aereo ohne kreative Eigenleistung (naja, abgesehen von dieser einen versoffenen Nacht) von der kreativen Arbeit anderer.

Nun mag man argumentieren, die erhöhte Reichweite des Programms werde sich in höheren Werbeeinnahmen auswirken, und die Anbieter und die Kreativen auf diesem Weg doch noch entlohnt. Mag sein, dass es so kommt, nur zeigt die Erfahrung, dass sich der Werbungsverkauf nach den nachweisbaren Kontaktzahlen richtet. Die Kontakte über Aereo dürften nur schwer nachzuweisen sein, und da der TV-Anbieter sie weder garantieren kann noch Kontrolle darüber hat, wird er sich schwer tun, sie in bare Münze umzusetzen. Schließlich wird Aereo (das im Augenblick noch im kostenlosen Beta läuft) vermutlich irgendwann eine eigene, werbefinanzierte Version seines Angebots auf den Markt bringen. Spätestens dann ist das Unternehmen nur noch ein Parasit der kreativen Leistungen anderer.

Nein, nach kurzem Überlegen muss ich das revidieren. Die herrliche Absurdität der Antennenfarm mit ihrer technischen Nutzlosigkeit im digitalen Zeitalter ist so witzig, dass ich Aereo das beste denkbare Ergebnis wünsche: dass sei einfach vor Ende des Prozesses von den TV-Anbietern gekauft werden und ihre Technologie zum Nutzen der New Yorker iPad-Gemeinde eingesetzt wird.

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