unter techno-beduinen

beduine

mein freund tim cole stellte kürzlich auf seinem blog cole.de unter dem titel „blackberrys und burnus“ die frage nach der passenden bezeichnung für die menschen, die uns auf flughäfen mit ihren notebooks, handys und handhelds immer öfter die plätze in den cafes wegnehmen, dabei wichtig gucken, mit knopf im ohr scheinbar umfangreiche selbstgespräche führen und nebenbei firmen leiten oder zumindest gerade eine kiste schrauben an einen kunden im fernen oder nahen osten verkaufen. tim bietet in einem kleinen historischen aufriss folgende namensalternativen an:

– telearbeiter (sie erinnern sich?)

– heimarbeiter (auf dem flughafen zuhause?)

– road warrior (wirklich nur in den usa gebräuchlich und akzeptiert)

– techno-nomaden (nach nicholas negroponte)

– techno-beduinen

wer tim kennt, weiss, dass er sich natürlich für den beduinen entscheidet, also denjenigen, der mit kleinem gepäck reist, weil er weiss, wo sich das nächste wasserloch (die nächste steckdose) befindet.

meine erfahrung mit den beduinen sind eher zweischneidig: es ist ja schön, mit leichtem gepäck zu reisen und die letzten schoten aus den schönsten blogs der welt minutenaktuell angekündigt zu bekommen; aber der allgewaltige terror der missgestimmten klingeltöne und die babylonische vielfalt der verkaufsgespräche (kürzlich in frankfurt musste ich eine halbe stunde neben einem vertriebsaktivem fleischfachverkäufer durchstehen) treibt einem auf die suche nach refugien der stille, nach einsamen plätzen in der wüste, wo man den geschwätzigen beduinen auch mal großräumig ausweichen kann. während flughäfen uns hierfür nur die stillen andachtsräume anbieten – was zumindest bei mir nur wenig schöne frühkindliche beichterinnerungen entfacht – bietet die deutsche bundesbahn die wunderbare einrichtung der handyfreien wagons an.

diese handyfreien zonen buche ich in aller regel, wenn ich mich bei reisen der bahn bediene (was ich wann immer möglich tue). in diesen wagons ist der gebrauch von handys untersagt und auch die empfangsmöglichkeit mobiler kommunikationsgeräte mangels verstärker deutlich eingeschränkt. letzteres führt freilich nicht zum gewünschten effekt, dass sich vieltelefonierer in die ihre belange berücksichtigenden normalen wägen zurückziehen würden, sondern nur dazu, dass horden von techno-beduinen in diesen eigentlich der stille vorbehaltenen oasen um so heftiger in ihre handys brüllen „nein, der empfang ist hier so schlecht. sprich bitte lauter, ich kann dich nicht verstehen. bist du noch da? wir müssen schnell machen, der empfang ist hier so schlecht. neiiin: der EMPFANG IST SO SCHLECHT. ich wähl dich gleich nochmal an nach dem tunn…“

mein lieber tim: wenn ich dich in einem handyfreien wagon der deutschen bahn in deinem burnus beim telefonieren erwische, wird du dir ein neues brombeerchen anschaffen müssen …

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