Rengtengteng machs guud – vor 20 Jahren lief der letzte Trabi vom Band

Der Trabi 601 (Quelle: Spiegel)

Gindor, wie de Zeid vergehd! 20 Jahre ist es nun her, seit die letzte Stufenhecklimousine der Zwickauer Sachsenring-Werke ins mobile Dasein startete. Seit 1957 hatte der Zweitakter die Deutsche Demokratische Republik bewegt.

Fingerdünne Auspuffröhrchen, die Karosserie aus baumwollverstärktem Phenoplast, ein Gewicht von kaum mehr als 600 Kilogramm, 3,56 Meter lang, 600-Kubik-Zweizylinder-Motor, vier Gänge, 26 PS, 80 bis 90 km/h, ein Fahrwerk mit Einzelradaufhängungen und Blattfedern – und keine Tankuhr. Stattdessen klemmt unter der Motorhaube ein Peilstab, den man in den Tank stecken kann, um eine genauere Reichweiten-Schätzung zu bekommen. Die technischen Details lassen den Hightech-verwöhnten Autofahrer von heute erst mal schlucken. Doch trotz oder gerade wegen seiner Eigenheiten ist der Trabi in den letzten zwanzig Jahren zum absoluten Kult-Auto avanciert – in Ost und West.

Kurz nach der Wende schien der Trabi allerdings keiner rosigen Zukunft entgegenzusehen. Damals wollte jeder das Auto loswerden, weil es dem Aufbruch in eine neue Zeit scheinbar im Wege stand. Obwohl die Wartezeit für die Zuteilung eines Trabant 601 in den achtziger Jahren bei mehr als zehn Jahren lag, wurde er zu tausenden in Feld, Wald und Wiese entsorgt. Die Flut von Gebrauchtwagen aus dem Westen machen dem Trabi den produktionstechnischen Garaus: Am 30. April 1991, gerademal ein halbes Jahr nach der Wiedervereinigung, lief der letzte von 3.132.240 Trabis vom Band.

Die anfängliche Geringschätzung des Trabant ist allerdings längst vorbei. Heute sind für ein halbwegs ordentliches Exemplar 2000 bis 3000 Euro fällig. Und obwohl der Trabi längst nicht mehr gebaut wird ist die „Pappe“ bis heute ein vergleichsweise weit verbreitetes Auto: Exakt 33.726 Trabis waren am 1. Januar 2011 beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg registriert – rund die Hälfte davon fährt im Westen. Gut organisiert ist die Trabi-Gemeinde auch – in deutschlandweit 126 Trabi-Clubs mit teils skurrilen Namen wie „Honni’s Bester“ oder „Die Baumwollbomber“.

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