digitaler journalismus – neue europäische studie des oriella-netzwerks

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„User-Generated-Content (UGC) scheint bei europäischen Journalisten hoch im Kurs zu stehen: 62 Prozent begrüßen ausdrücklich vom Leser erstellte Inhalte, über 70 Prozent der Medienangebote setzen auf Leserkommentare und immerhin 30 Prozent bieten die Möglichkeit, Bilder hochzuladen.“ das schreibt stephan fink in seinem aktellen beitrag im mediacoffe blog. er stellt dort die ergebnisse einer paneuropäischen umfrage zum thema „digitaler journalismus“ vor.

werden nun alle zeitungen zoomer-medien? ich bin neugierig, welcher ansatz für individualisierte online-zeitungen sich durchsetzen wird. manches an zoomer ist ja wirklich sannend: die mischung aus professionellem inhalt und user-gewichtung etwa. vielleicht ist das wirklich ein praktikabler ausweg aus dem dilemma zwischen profi-journalismus und user generated content (siehe die diesbezüglichen ansichten von tim cole) bei zoomer.de erstellen ja professionelle journalisten die inhalte und die leser gewichten sie, platzieren sie also auf der online-site.

wenn man das ganze dann noch um die individualisierungs-features von dailyme ergänzen könnte, wäre vielleicht wirklich eine neue mediengattung geboren. was meinen sie? wer macht das rennen? zoomer.de oder daily.com?

PR für Blogger

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mein alter kollege, mitarbeiter und freund flo ranner, zugleich blog-anstifter und web 2.0er, hat einige blogger befragt, ob sie an pr-informationen interessiert seien.

die ergebnisse in kürze hier.

die ergebnisse in extremer kürze:

1) 3/4 aller blogger wollen pr-infos zugeschickt bekommen. das hat mich überrascht!

2) 17 prozent wollen auf gar keinen fall.

3) in konsequenz bleibt einem derzeit nichts anderes übrig, als blogger individuell abzufragen, wie man sie standardisiert mit informationen bedienen kann. dabei muss man sich

a) individuell mit den profilen der blogs befassen

b) sodann eine email an den blogger richten und mit ihm ein zu eins klären, was er will

c) einen weg finden, ihm die infos zur verfügung zustellen, an denen er interessiert ist.

grundsätzlich unterscheidet sich diese vorgehensweise nicht von der behandlung von vip-journalisten.

angie allein im web?

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der jugend- und online-ableger der süddeutschen zeitung jetzt.de bringt ein interview mit markus beckedahl von re-publica zu dessen studie über politiker im web 2.0.  die ergebnisse der untersuchung sind nicht überraschend: deutsche politiker scheuen das soziale netz wie  ministranten katholische priester.

„In den USA hat Barack Obama über eine Million Unterstützer bei Facebook. In Deutschland haben wir von Angela Merkel ein Profil bei Facebook gefunden, sonst aber von so gut wie keinem Politiker in einem sozialen Netzwerk“  (beckedahl). deutsche parteien investierten noch zu wenig in online-wahlkämpfe, so der deutsche online-politik-papst.

aber liegt das nur an der unfähigkeit der pr- und marketingprofis hinter unseren politikern? daran, dass die moritz hunzingers ihren kunden zwar die anzüge kaufen, aber kein blog einrichten?
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Warum Journalisten (und Verleger) lernen werden, das Web zu mögen. Eine Replik.

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Martin Recke hat in seinem Blog die Journalisten zu schlesischen Webern erklärt und meint den Trend zu erkennen, dass es eines Tages keine Journalisten mehr gibt, weshalb die Journalisten das Web schon heute nicht mögen. Robert Basic schrieb daraufhin seine ellenlange Gedanken in seinem Blog, Tendenz ähnlich.

Ich dagegen glaube, dass wir Journalisten auch weiterhin brauchen, bei den Medien und auch im Internet! Positivistisch gesehen hatte der beschränkte Umfang des redaktionellen Platzes bei den traditionellen Medien den Vorteil, dass die Zahl der veröffentlichten Themen beschränkt werden musste. Idealistisch gesehen brachte das den Vorteil, dass man sich als Leser, Hörer oder Zuschauer nicht mit einer Flut von Themen herumschlagen musste. Kritisch, aber unvermeidbar: Man musste sich  auf die Journalisten verlassen, die den Nachrichtenstrom daraufhin filterten, was wichtig ist – also was ist lediglich als Nachricht mitteilenswert, was bedarf Hintergrundinformationen, was ist so wichtig, dass es der Aufmacher ist usw.

Diese Einordnung und „Reduktion von Komplexität“, wie die Medienwissenschaftler sagen, kann durchaus auch eine Aufgabe für Journalisten im Web darstellen. Hunderte abonnierter Feeds, aber keiner sagt mir, welcher wichtig ist. Feeds, die ich alle selbst abonniert habe, das Überraschende, Spannende bleibt deshalb aus; Interessantes am Rande, das mich vielleicht auch interessieren würde, taucht nicht mehr auf.

Es folgt nun das Problem, dass meiner Ansicht nach viele große Print-Verlage und -Medien damit gescheitert sind, die technologischen Möglichkeiten des Web zu erkennen, geschweige denn zu verstehen. Deshalb probierten sie es einfach damit aus, ihren bisherigen Print-Content mehr oder weniger schön ins Web zu stellen. Davon hatten die zeitunglesenden Webnutzer aber wenig, denn das, was sie im Web lesen konnten, fanden sie auch in der Zeitung wieder.

Insofern wünsche ich mir eigentlich Portale mit unterschiedlichen politischen Ausrichtungen (so wie es bei Zeitungen die Süddeutsche Zeitung, die FAZ und die taz gibt) in denen Journalisten das Web daraufhin durchforsten, was wichtig ist und es entsprechend in lokale, regionale, nationale oder globale Zusammenhänge einordnen. Dabei ist es natürlich wichtig, nicht nur Links oder Feeds anzubieten, denn die manuelle Leistung des Journalismus soll in dem Fall darin liegen, „mir meine Welt zu erklären“ ohne dass ich mühsam eine Originalquelle nach der anderen aufsuchen muss. Zoomer ist das andere extrem, das dies vollautomatisch versucht, wobei ich der automatischen Zusammenstellung von Titelseiten nach Klickraten nichts abgewinnen kann. Der menschliche Faktor ist das, was den Journalismus interessant macht .

Das Schöne in der Webwelt ist aber natürlich, dass die Originalmeldung nur einen Mausklick entfernt ist, und da wundert es mich doch, wie schwer es den Machern der alten Medien fällt, Links zu setzen oder Inhalte einzubetten.

Journalisten mögen das Web!

Das Web ist für sie derzeit häufig leider auf eine schnelle Nachschlage- und Informationsmaschine reduziert. Journalisten haben nur selten die Chance, das Web produktiv für die Contentaufbereitung- und Darstellung zu nutzen, solange die Verleger nicht die Möglichkeit bieten, die neuen Technologien entsprechend einzusetzen. Im Browser Wikipedia aufrufen und über einen RSS-Feed die neuesten Presseinfos abrufen ist aber auf Dauer mit Sicherheit zu wenig – für Verleger und Journalisten.

Räumliche Gedächtnis-Spiele

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Am sonar Festival in Barcelona für Multimedia Kunst hat mich eine Installation besonders beeindruckt: das räumliche Gedächtnisspiel “levelHead”von Julian Oliver. Das Game nutzt einen realen Plastik Würfel als Interface mit dem der Spieler die Figur im virtuellen Raum, welche auf die Leinwand projiziert wird, steuern kann. Je nachdem über welche Treppe in welche Türe der Spieler durch anheben und senken des Cubes gelenkt wird, erscheint der virtuelle Charakter in einer anderen Ecke des Würfels wieder und animiert den Spieler so sich den Spielverlauf räumlich zu merken.
Die Medienkunst als früher Indikator für digitale Trends scheint sich auch hier zu bewahrheiten. Gerade heute hat die Neue Zürcher Zeitung das eben lancierte Puzzlespiel “Echochrome” für die Playstation portraitiert. Die Sudoku-Generation erhält neues virtuelles Hirnfutter. Da sage einer noch Gamen macht dumm…

vibrio/Oracle Studie zur Nutzung von Web 2.0 Tools durch Journalisten [Updates]

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vibrio hat heute Abend die Studie vorgestellt, die im Auftrag von Oracle Deutschland durchgeführt wurde. Die wesentlichen Ergebnisse:

  • Web 2.0 Tools sollten in die reguläre PR-Arbeit integriert werden.
  • Dabei muss der Fokus auf „alten“ Technologien wie Blogs, Wikis und Social Communities liegen.
  • Multimediale Inhalte können traditionelle Inhalte ergänzen, werden aber vorerst nur von wenigen Journalisten genutzt. Der Fokus muss unverändert auf Text und Bild liegen.
  • Begleitende, vertrauensbildende Maßnahmen sind zu definieren (Copyright-Informationen, Verzicht auf Anonymität, Definition von Kommunikationsregeln).
  • Die große Gruppe der Web 2.0-resistenten Journalisten darf nicht vergessen werden. Das Web 2.0 ist derzeit kein Ersatz für klassische PR-Arbeit.
  • Das Web 2.0 als interaktives Kommunikationsinstrument gegenüber Journalisten funktioniert heute nur in kleinen, weitgehend geschlossenen Benutzergruppen. Noch ist der Redaktionsbesuch wichtiger als jedes Blog.

Insgesamt wurden im Mai 2008 1.180 Journalisten aller Medienkategorien (Print, Online, Fernsehen, Hörfunk, Fachpresse) zur Teilnahme eingeladen, von denen 82 alle Fragen beantworteten.

Eine Zusammenfassung der Auswertung ist bei Scribd verfügbar. In Kürze wird die vollständige Analyse auch auf vibrio.eu veröffentlicht.

Update: Wir haben die Präsentation nun auch auf www.issuu.com hinterlegt und probieren, ob sich das besser einbetten lässt. Einfach drauf klicken, dann kann man etwas lesen.

angie und schweini

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halbfinale in basel. musste eben die einschätzung unserer kanzlerin zum spiel anhören. es gibt nur eine antwort: nach der nächsten bundestagswahl kommentiert schweini die letzte hochrechnung. und „de prinz“ erklärt die rente.

übrigens: die türken waren richtig gut.

Tagesschau blog – lesen!

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Unglaublich, welche Transparenz, Offenheit und Kritikfähigkeit die alte Dame ARD hier auf einmal an den Tag legt. Offenbar haben die diversen „Schaltkonferenzen“ und Gremien der Arbeitsgemeinschaft öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten Deutschlands das Blog noch nicht als ihr Betätigungsfeld entdeckt.

Erstes Beispiel: Ich hab ja die Ausgabe der Tagesthemen nicht gesehen, als ein Bild mit falscher Deutschlandfahne eingeblendet wurde. Dennoch war dies natürlich und am schnellsten im Internet aber auch bei Deutschlands größter Tageszeitung Thema. Daraufhin wurde hier mit ausführlicher Offenheit erklärt, wie diese Panne passieren konnte: http://blog.tagesschau.de/?p=1155

Damit nicht genug: Als sich in der Folge des Blogeintrags in den Kommentaren eine Diskussion darüber entsponn, ob es gerechtfertigt war, in den späteren Ausstrahlungen und für die Archivierung den Fehler zu korrigieren, wurde im Blog erneut Stellung bezogen: http://blog.tagesschau.de/?p=1156

Zweites Beispiel: Ein nahe am Kommentar angesiedelter Blogeintrag, der sich mit den Hintergründen um die Aufstockung der Afghanistan-Truppe der Bundeswehr um 1.000 Mann beschäftigt. Diesen Beitrag hätte man eigentlich mehr in der Berichterstattung einer Tageszeitung vermutet, weniger im Blog der Tagesschau. Im Fernsehen hätte dieses Thema wohl gar keine Chance, denn diese Analyse wäre wohl nicht bildträchtig genug: http://blog.tagesschau.de/?p=1157

Also ziehe ich den Hut vor der alten Dame ARD mit ihrem jungen Tagesschau Blog, ich bleibe weiter dran – zumindest solange nicht das anstaltsimmanente Diktat der Ausgewogenheit und Einstimmigkeit jegliche Individualität und Meinungsäußerung wieder bis zur Langeweile platt macht.

Das Video mit der falschen Deutschlandflagge gibts natürlich bei YouTube:

DUMMY lesen!

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Kürzer und prägnanter kann eine Überschrift nicht sein. Und mehr muss man auch hierzu nicht schreiben.

dummy 

im bahnhofsbuchhandel. und ein wenig auch hier.

wikinternational

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heute durfte ich stundenlang für einen vortrag zum thema „die zukunft der presse im internet-zeitalter“ recherchieren, den ich für einen meiner kunden verfassen darf. bei dieser gelegenheit grub ich mich tief durchs virtuelle unterholz, fand suchergebnis auf suchergebnis, gelangte von stöckchen zu stöckchen und landete schließlich in einer mir völlig fremden welt. es erinnerte zwar alles irgendwie an die uns allen vertraute wikipedia; andererseits was sollten solch seltsame begriffe wie „was witt uffgucke?“ oder „wadde-scheier“ bedeuten?

wadde scheier

die auflösung lag nah: „Des Wikipedelche do iss en Project fer en Uffguckbichli uffbaue in Pennsilfaanisch Deitsch.“ aha: ich war im wikichen für deutschstämmige in pennsylvania gelandet. bislang vermutete ich dort nur schwarzgekleidete amish people ohne strom und deshalb auch ohne computer und also wohl auch ohne internet und wiki und all dem zeug. und nun tat sich eine phantastische neue welt für mich auf. denn die „deitschen“ waren nicht allein. von ihrem wikipedelche zweigen links direkt in die lëtzebuergische wiki, auf die houpsik des ripoarischen (man spricht das angeblich zwischen aachen, bonn und köln), auf das veurblaad des limburgischen, ins nedersaksische, boarische und seeltersk ab. letzteres kann man nicht trinken, sondern angeblich sprechen. jedenfalls wenn man die gebruuksanwiesenge lesen kann. die absolute überseite aber ist die „pagina prima“ eine wiki im reinsten latein. und wie begrüsst sie den wanderer durch die welten? na klar: „Ave! Vicipaedia est opus commune, quo creetur encyclopaedia libera interretialis. Omnes ad contribuendum invitantur!“