Impulse für das Bloggen

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Da sitz ich nun und hab in 15 Minuten drei Mal das Thema gewechselt – zum Glück nur gedanklich und nicht schon in Textform. Was wollte ich eigentlich bloggen? Ach ja, die schöne Geschichte aus der Süddeutschen Zeitung, von wegen, dass der Spiegel und Atlantic Monthly sich in der aktuellen Ausgabe sehr ähnlich sind…ein kurzer Streifzug hat mich dann aber wieder davon abgebracht, denn dazu ist schon alles gesagt, hauptsächlich bei den üblichen Verdächtigen und ihren Kommentierern. Meine Meinung zu der Geschichte gibt am besten das CIO Weblog wieder:

Die Geschichte selbst ist typisch „Spiegel“: Ein paar Thesen in den Raum gestellt und dann dazu zusammengewürfelte Zitate als Beleg angeführt.

Also ein Blick ins Archiv, was wollte ich denn immer schon mal bloggen, und schwupps bin ich, alter Anhänger der Süddeutschen, schon wieder bei der selbigen:

Dort ist heute ein interessanter Beitrag erschienen, in dem vom „prominentesten Blogger der Schweiz“ (SZ) berichtet wird: der Schweizer Minister Moritz Leuenberger pflegt laut SZ ein wirklich lesenswertes Weblog, das es angeblich auf bis 2.800 Besucher pro Tag bringt: http://moritzleuenberger.blueblog.ch. Für Österreich und Deutschland findet die SZ hingegen keine vergleichbar guten Politiker-Blogs. Vielleicht äußern sich die Schweizer Kollegen mal zu dem Blog ihres Ministers. Also bis auf diesen Hinweis wieder ein Thema weniger für mich…

Aber jetzt, was Aktuelles, zugegebenermaßen nicht ganz aktuell, denn die SZ hatte schon am 22. Juli über die china- undolympiakritischen YouTube Videos der französischen Regisseurin Ariane Mnouchkine berichtet, erstaunlicherweise allerdings ohne Links in der Printausgabe. Online ist der Beitrag abrufbar und die YouTube Videos sind sogar sauber eingebettet.

So, das waren die drei Themen, die ich mir eigentlich ausführlicher vornehmen wollte. Dabei ist mir nun ein Viertes eingefallen, das jetzt aber warten muss: nämlich die Schwierigkeit, die ich als Leser nicht nur bei der SZ beobachte, online und print zu verknüpfen; sowie die Frage, ob es sinnig ist oder nicht, vereinzelte Beiträge mit Links abwechselnd ins Feuillton und auf der Medienseite unterzubringen, wobei die deutlich interessanten eigentlich eher im Kurznachrichtenstil im Feuillton stehen…

Web 2.0: Was Unternehmen vom Jihad lernen können

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Gemäss der weltweiten Befragung von knapp 2’000 Manager durch die Unternehmensberatung McKinsey benutzen Unternehmen mehr Web 2.0 Tools als letztes Jahr. Die Berater halten in ihrem Bericht «Building the Web 2.0 Enterprise» fest, dass der Einsatz von Blogs, Wikis, Podcasts und Social Networking Tools nach einer Versuchsphase und dann richtig eingesetzt zu einem fundamentalen Wandel der Wertschöpfungskette führt. Bei knapp einem fünftel der befragten Unternehmen helfen die neuen technologischen Tools innerhalb und auserhalb der Firewall mit Kunden, Partner und Lieferanten näher zusammen zu wachsen und die Mitarbeiter erfolgreicher zu motivieren. Das Ziel sei es das „Ecosystem“ des Unternehmens zu öffnen und die Stakeholder besser in die Unternehmensprozesse zu integrieren. Weiterlesen

Nicht-Veröffentlichungs-Vereinbarung für Journalisten – ein Widerspruch!?

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Eine heiß geführte Diskussion zu Vertraulichkeitsvereinbarungen, bei angelsächsischen Öffentlichkeitsarbeitern auch Non-Disclosure-Agreement, kurz EnnDiehÄih (NDA), genannt, ist gestern in dieser Agentur entbrannt. Demnach ergibt sich heute folgender Diskussionsstand:

  • Im Zeitalter der globalen Echtzeit-Kommunikation, die nicht nur von Journalisten bestimmt wird, hat ein NDA nur begrenzten Wert. Wenn z.B. ein anonymer russischer Blogger Gerüchte veröffentlicht, ist das NDA gefährdet, da unter NDA stehende Journalisten immer auf diese öffentliche Quelle verweisen können.  Die Quelle selbst lässt sich dabei juristisch nicht verfolgen.
  • Bei dem zunehmenden Konkurrenzdruck zwischen den Medien und zwischen Medien und anderen Quellen wie Blogs oder Foren, besteht die Gefahr, dass das Risiko wegen eines nicht eingehaltenen NDAs verfolgt zu werden, geringer eingeschätzt wird, als der Vorteil durch die frühzeitige Veröffentlichung.
  • Langjährige unabhängige Beobachter von Unternehmen können sich meistens aus offiziellen Unternehmensmitteilungen, Gerüchten und Markteinschätzungen zusammenreimen, welches Thema unter NDA steht. Spekulationen sind nur schwer zu verbieten.
  • Ein NDA greift und lässt sich offenbar juristisch auch durchsetzen.

In  der Praxis stellen sich mir jedoch einige Fragen bzw. sollten vor dem Griff zum NDA einige Fragen geklärt werden:

  • Warum ist das NDA überhaupt notwendig? Journalisten sollten doch eigentlich berichten und nicht nicht-berichten.
  • Muss es ein NDA sein oder reicht eine Sperrfrist bis zum gewünschten Veröffentlichungszeitpunkt? (Auch hier ist zu beachten, dass der Konkurrenzdruck, s.o., möglicherweise dafür sorgt, dass die Sperrfrist nicht eingehalten wird.)
  • Wurde der unter NDA gesetzte Sachverhalt oder das Produkt möglicherweise schon anderen Zielgruppen vorgestellt? Wenn ja, ist zu prüfen, ob dort auch eine strenge Geheimhaltungsvereinbarung angewendet wurde. Häufig passiert es, dass z.B. Vertriebspartner über neue Produkte informiert werden, ohne unter NDA zu stehen. Das NDA für Journalisten wäre damit wirkungslos, wenn sie sich wieder auf eine öffentlich zugängliche Quelle, z.B. ein Partner-Interview stützen können.
  • Sind Journalisten überhaupt die richtige Zielgruppe für das NDA? Wenn sie sowieso nicht veröffentlich sollen, brauchen sie dann die Infos überhaupt?
  • Warum lässt man für manche Aktionen ein NDA unterschreiben (Produktpräsentation vor einer Gruppe) für andere (informelles Hintergrundgespräch mit dem Geschäftsführer) nicht?

Abschließend plädiere ich vor diesem Hintergrund dafür, ein NDA so zurückhaltend wie möglich einzusetzen und die Laufzeit auf so kurz wie unbedingt notwendig zu beschränken. Es mag Situationen geben, wo man für einige Tage Detail-Informationen bis zu einer zentralen, globalen Produktvorstellung zurückhalten will oder einem Journalisten vor Redaktionsschluss Informationen für die nächste Ausgabe mitteilen will. Alles andere ist aber eine Zumutung für Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter, die fürchten müssen, wegen eines „Lecks“ belangt zu werden – und das, obwohl ihr Auftrag eigentlich die Öffentlichkeit und nicht die Nicht-Öffentlichkeit ist.

Ein paar Links dazu zum Schluss noch:

  • Schöne Kommentare auf ein Blogpost von Thomas Knüwer, der an dem Sinn der Sperrfristen zweifelt.
  • Interessanter Aspekt aus der Computerspiele-PR, wo Hersteller offensichtlich versuchen, bestimmte Informationen per NDA von der Berichterstattung auszunehmen. (Mit Strg+“+“ lässt sich übrigens ddie Darstellungsgröße der Schrift beim IE und FF vergrößern.) Dies Beispiel zeigt auch deutlich, dass der allzu umfassende Umgang mit NDAs zu negativer PR führen kann.
  • „Don‘ trust bloggers“ darf nicht das Ergebnis der Diskussion sein, wenn es um die Einbindung von Bloggern in die PR geht. Ausführliche Überlegungen dazu auf Englisch hier.
  • Schönes Beispiel für ein NDA von einem vielen (noch) sympathischen Unternehmen. Google stellt sein NDA, das angeblich alle Besucher unterschreiben müssen, natürlich nicht öffentlich zur Verfügung, deshalb hier eine unautorisierte Version. Es wird sogar spekuliert, dass der Inhalt des NDAs unter NDA steht (das gilt allerdings für Mitarbeiter NDAs):

Google Mitarbeiter werden wahnsinnig, wenn sie ihr Non Disclosure Agreement nochmal durchlesen und realisieren, was sie sagen dürfen, nicht sagen dürfen und nicht sagen dürfen, was sie nicht sagen dürfen. (…)

spam macht twitter zu stalker

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twitterspam

lange zeit galt twitter als attraktive alternative zum mail, unter anderem auch, weil der dienst spamfrei war. die zeiten scheinen nun vorbei zu sein. erstmals hört man in grossem umfang von einer art „twitterspam“: techcrunch berichtete gestern: „I, along with 7,000+ other people, are now following user johng77536, even though I never hit the follow button (the account is following zero other users). The account, which is just two hours old, is now one of the top 100 Twitter accounts (it is currently #63), and growing fast. There are two posts in the account, both linking to a site called hotmoda.com.“ http://www.techcrunch.com/2008/07/27/who-is-johng77536-and-how-did-he-game-twitter/

jpmogan folgen sogar bereits über 9.000 unfreiwillige stalker. http://upload-magazin.de/?p=987

schade eigentlich.

öffentlich-rechtliches system im kreuzfeuer

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ard

ein ausschnitt aus einer aktuellen blogussion zum thema öffentlich-rechtliche medien und das internet auf www.czyslansky.net:

ossi urchs: „wer ein öffentlich-rechtliches Angebot für eine sinnvolle Ergänzung der privatwirtschaftlichen Medien hält, der muss den Öffentlich-Rechtlichen auch Zugangsmöglichkeiten zu modernen Distributionsnetzen wie dem Internet gewähren.“

tim cole: „wenn ich den ganzen Tag vor dem PC gesessen bin brauche ich abends keine Mattscheibe mehr sondern ein gutes Buch (…) (deshalb) sind mir €17,03 im Monat für “Zwangs-Pay-TV” genau 17,03 zu viel. Dass ich damit aber auch noch eine gebührenfinanzierte Konkurrenz zu den Verlagsangeboten im Internet mitbezahle, empfinde ich als Unverschämtheit.

stephan fink: „Öffentlich-rechtliche online heißt für mich unkontrollierte Überschreitung des Programmauftrags, Verstoß gegen EU-Vorgaben und Verzerrung des Wettbewerbs zu Ungunsten privater Medienanbieter.“

markus pflugbeil: „Jetzt führen im Internet die ö-r vor den privaten, auch das muss im Wettbewerb, so wie er im dualen System vorgesehen war, erlaubt sein.“

christoph witte: „Ich bin der Meinung, dass wir zwar eine Debatte über die TV-Gebühren brauchen (abschaffen!!), aber keine über die Internet-Inhalte der öffentlich rechtlichen. Da sich die Zuschauer immer öfter und länger im Internet aufhalten, müssen die öffentlich rechtlichen dort ebenfalls auftreten dürfen, und zwar in einem Ausmaß, dass sie für richtig halten.“

wer mehr wissen will, der gucke mal rein.

tim cole zieht sich für den französischen playboy aus

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ich weiss, die überschrift verspricht wieder einmal mehr, als dieser kleine eintrag halten kann. doch bin ich auf dieses erratische versprechen gestossen, als ich heute morgen bei arbeitsbeginn – den tag beginne ich meist mit kleinen fingerübungen am netz – ein kleines phantastisches tool, das eigentlich zur vorbereitung von brainstormings entwickelt wurde, austestete: http://www.oamos.com/

dabei handelt es sich um einen kleinen automaten. man gibt oben einen begriff oder eben einen namen ein – ich habs mit „tim cole“ versucht, dem namen meines freundes und begabten publizisten, und die maschine gibt einem seltsame fundstücke aus dem netz zurück: texte, bilder, töne. die innere logik – oder ist es ein zufallsgenerator? – der maschine gab mir dann eben jenes grauenhafte versprechen zurück, das ich als überschrift dieses kleinen tipps nicht verschmähen konnte.

oamos ist ein werkzeug das spass macht. man darf nur nicht allzu schreckhaft sein. probieren sie’s doch einfach mal aus.

Pfui – Digital Stalking Swiss Army Style

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Was sich zunächst als Sommerloch-Mediengeschichte präsentierte wurde heute durch die SonntagsZeitung aufgelöst. Der Chef der Schweizer Armee, Roland Nef, hat seine abtrünnige Freundin Digital gestalkt. Aus dem Polizeirapport:

„…nachdem sie die Beziehung mit Nef beeendete, wurde Sie massiv telefonisch, mit SMS, E-Mail und auf andere Art und Weise belästig…. Letzer Vorfall Nef antwortete mit der Email-Adresse flauto_66@hotmail.com im Namen der Geschädigten auf Sexinserate, gibt in den Email deren Privatadresse, Hand- und Festnetznummer an und fügt noch ein Bild von ihr zu. Aufgrund dieser Emails erhält die Geschädigte nun zahlreiche SMS, Telefonanrufe und Besuche an ihrem Wohnort von ihr unbekannten Männern…“

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guckstdu-tipp: jute im netz

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jetzt gibt es youtube auch auf grün: die neue amerikanische community http://www.gogreentube.com/ versammelt videos zu grünen themen: vom hybrid über das fahrrad bis zu umweltkatastrophen und dem weltklima. al goore ist natürlich auch dabei. der tipp kommt von anne broy.

Das Kursbuch ist tot – Print stirbt doch

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Hans-Magnus Enzensberger schreibt in der FAZ.NET einen Nachruf auf das Kursbuch. Nein, nicht auf „sein“ Kursbuch, jene von mir einst gelesene und von ihm einster gegründete Zeitschrift. Das wirkliche, wahre und echte Kursbuch der Deutschen Bahn wird eingestellt. Ein letztes Mal erscheint der dicke Wälzer, der auf dünnem Papier auflistet, wann, wo, welche Züge eigentlich abfahren sollen. Ein Werk, das in alter Zeit ebenso unverzichtbar war, wie das gelbe Telefonbuch.

kursbuch

In der elektronischen F.A.Z. erzählt der große Erzähler von seinem Vater, einem leidenschaftlichen Zeigefingerreisenden und seinem „Amtlichen Kursbuch für das Reich, Teil 4, Fremde Länder, Jahrgänge 1928-1939“, einem frühen Helge Schneider, der uns von ein paar Jahren den Expeditionsroman „Globus Dei“ auf gleicher Wissensbasis geschenkt hat.

Mein alter Freund Walter war in den 70iger Jahren weithin (jedenfalls im Fränkischen) dafür bekannt, dass er zahllose selten und nur von unbekannten Reisenden genutzte Provinzverbindungen inklusive Anschlussdaten zu den roten Bahnbussen auswendig aus dem Kursbuch rezitieren konnte. Erzählte er uns zu nächtlicher Kneipenzeit aus dem Kursbuch, so erschloss sich auch mir die Poesie dieses Werks. Ich erinnere mich auch an einen Vortrag von Gedichten Wolf Wondratscheks, in dem eines der Werke bloß aus einer Zusammenstellung solcher Kursverbindungen bestand.

Ich werde es vermissen, das Kursbuch der Deutschen Bahn, auch wenn ich es schon lange nicht mehr zur Hand genommen habe. So wie ich bald schon das konservative Rascheln der F.A.Z. vermissen werden, auch wenn ich sie seit langem schon nur in den Ausschnitten eines Clippingsdienstes lese.

Mein ideales Social Media Release – ohne Bullet Sh.. im Vorspann!

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Als Journalist oder PR-Texter sollte man gelernt haben, komplexe Sachverhalte auf das Wesentliche reduziert verständlich darzustellen. Weil das zugegebenermaßen manchmal wirklich hohe Kunst ist , hat man jetzt mit dem Social Media Release eine Ausrede, Fakten ohne Zusammenhang in Bullet Points darzustellen. Bullet Sh.. sage ich dazu. Oder traut man vielleicht dem Web Zwonuller nicht zu, zusammenhängende Absätze zu lesen?

Wie sagte Christoph Witte, Herausgeber der Computerwoche, unlängst auf einer Veranstaltung von vibrio: Journalisten seien zwar nicht faul, aber sie haben wenig Zeit. Warum sollen sie dann, statt den bewährten zusammenhängend lesbaren Vorspännen, Englisch: Teasers, für ihre aktuellen Nachrichten, Bullet Points entfernen und wieder lesbare Absätze bauen müssen? Verstehe ich nicht. Meine Ideal-SMR ist mit druckreifem Vorspann OHNE Bullet Sh…äh Points.

Dagegen, dass weitere Fakten NACH dem Vorspann stark gegliedert oder gar mit Bullet Points aufgelistet werden, habe ich aber nichts.

Dank Tipps des Kollegen Broy bezieht sich dieser Beitrag auf die latenten Debatten um das Social Media Release, z.B. hier und ein Beispiel für besonders viel Bullet Sh.. hier. Sorry für die Assoziation mit dem Bullsh.., aber sie passt halt in dem Fall so schön.

Im übrigen ist der angegebene Social Media Newsroom ein gutes Beispiel für die zunehmende Schizophrenie in der PR: will man nun Journalisten etwas mitteilen, das sie anschließend veröffentlichen sollen oder will man dort direkt mit den „Konsumenten und Online-Multiplikatoren“ in Diskussion treten. Für die letzteren Zielgruppen bräuchte man eigentlich keinen Newsroom, da würden die normalen Social Media Angebote wie Blog mit Kommentarfunktione etc. doch schon ausreichen. Oder, spannend umgekehrt gefragt, wofür braucht es dann eigentlich einen Newsroom, social oder nicht, noch?