Nicht die Nutzung meiner Facebook-Daten durch die Schufa ist das Problem, sondern die Intransparenz von Rating-, Scoring- und Profiling-Systemen

Ich wünsche mir von Rating- und Scoring-Unternehmen die Transparenz, die ich ihnen mit meinen Social-Media-Daten biete.

Ich verstehe das allgemeine Protestgeheule – zuletzt auch noch des BITKOM – um das Social-Media-Monitoring-Projekt der SCHUFA nicht: es ist schließlich die Aufgabe der SCHUFA die Kredibilität von Unternehmen und Personen zu analysieren. Und natürlich nutzt man hierfür so viele öffentlich zugängliche Informationen über das jeweilige Unternehmen oder die Person, wie eben möglich. Es ist kein Skandal, dass die SCHUFA derzeit in einem Forschungsprojekt überprüft, welche Informationen aus sozialen Netzen sich für eine Analyse der Kreditwürdigkeit von Bürgern und Unternehmen eignen. Ich nutze die SCHUFA auch. Und ich informiere mich in sozialen Medien natürlich über neue Geschäftskontakte, über Kunden, Lieferanten und Partner.

Niemand sollte sich vormachen, dass sich die Nutzung unserer öffentlichen Daten in Facebook & Co durch eine “Selbstbeschränkung” von Auskunfteien, Personalberatern oder werbetreibenden Unternehmen begrenzen ließe.

Was geht und erlaubt ist wird auch gemacht (Muss ich hinzufügen: und was nicht erlaubt ist zum großen Teil auch … ?). Was wir in Facebook stellen ist öffentlich und wird genutzt, mal für uns, mal gegen uns. Da hilft nur ein bewusster Umgang mit diesen Medien. Falsches Vertrauen in die Toleranz, Blindheit oder in das rechte Verständnis der kommerziellen Nutzer dieser Informationen ist fehl am Platz.

Ich halte die gegenwärtige Diskussion um die SCHUFA für nützlich, denn sie macht einmal mehr klar, dass wir mit unseren Informationen und Beiträgen in den sozialen Medien fürsorglich und selbstbewusst umgehen müssen. Und erfreulich ist, dass die SCHUFA die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichen will. Denn diese Debatte macht ja Sinn: wie kann man Aussagen wie “Ich spiele gerne” oder “No risk no fun”, getätigt in vermeintlich privater Facebook-Runde, sinnvoll interpretieren? Wenn die SCHUFA bereit ist, diese Debatte öffentlich zu führen, so ist das ein positives Signal.

Vielleicht reagiert man bei der SCHUFA ja eines Tages auch noch positiv auf den Spruch des Berliner Landgerichts vom November 2011 auf die dort geforderte Offenlegung des Scoring-Modells. Ich wünsche mir von Rating- und Scoring-Unternehmen einfach die Transparenz, die ich ihnen mit meinen Social-Media-Daten biete.

Kurz: Nutzt alle meine Daten aus Facebook und LinkedIn aber sagt mir, was ihr damit tut!

Der Skandal besteht nicht in der Nutzung meiner öffentlichen Daten, sondern in der intransparenten Nutzung dieser Daten zur Gewährung von Krediten und Berechnung individueller Zinssätze. Macht unser Finanzwesen so transparent wie die Bürger. Und alles wird gut.

4 Gedanken zu „Nicht die Nutzung meiner Facebook-Daten durch die Schufa ist das Problem, sondern die Intransparenz von Rating-, Scoring- und Profiling-Systemen“

  1. Das Problem mit den Facebook-Daten ist wohl, dass sich beispielsweise jeder Michael Kausch nennen und einen entsprechdenden Freundeskreis etc. aufbauen könnte. Wenn solche Dinge dann u.U. in das Scoring einfließen…

  2. @Heiner
    Schon richtig. Fehlerquellen für das Social Media Monitoring gibt es viele. Das beweisen Dienste wie 123people.de ständig. Aber genau deshalb müssten auch die Mechanismen der Bewertung durch die SCHUFA dem Bewerteten zugänglich gemacht werden – wie das gesamte Scoring. Aber nachdem ihnen ja nun der wissenschaftliche Partner abgesprungen ist, liegt das wohl eh erstmal auf Eis.

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