Ein erstes Fazit von Michael Kausch zu Microsoft Surface

 

Lange habe ich warten müssen auf mein Microsoft Surface Tablet. Aber nach vielen Irrungen und Wirrungen ist es heute tatsächlich eingetroffen. Und nachdem ich heute vormittag den kleinen Karton aufgerissen, schnell ein schmuckes kleines Etwas ausgepackt und mit dem vorgefundenem Kabel an die Steckdose gehängt hatte, konnte ich heute nachmittag erste Erfahrungen mit dem Surface sammeln. Für die DampfLog habe ich diese Erfahrungen hier zusammengestellt:

TOLLE OPTIK UND HAPTIK

Mit knapp 700 Gramm kommt es erstmal sehr leicht daher. Und mit 0,94 cm Höhe ist es ist gerade mal so hoch, wie ein Samsung Galaxy S2:

 

An den Ohren trägt es bei einer Fläche von mit 27,46 x 17,20 cm freilich ein wenig mehr auf als das Galaxy. Als Telefon taugt es höchstens mit Headset. Es bleibt also dabei: zwischen Handy, Notebook und großer stationärer Maschine für die Bildbearbeitung ist mit dem Surface Brettchen der vierte Formfaktor in meinen kleinen persönlichen IT-Endgerätepark eingezogen.

Im Vergleich zu allen anderen Spielzeugen kommt es aber extrem wertig daher: Die Verarbeitug ist sauber, die Oberfläche irgendwas zwischen matt und glänzend. Microsoft nennt das Material VaporMg. Es handelt sich um ein sehr dünnes und sehr leichtes – leichter als Aluminium – Material, das aus einer Magnesiumschmelze gewonnen wird. Microsoft behauptet : „Eine Antifingerprint-Beschichtung sorgt dafür, dass das Surface immer makellos aussieht.“ Bei meinen Fingern klappt das allerdings gar nicht …

Der 10,6 Zoll große Monitor mit einer Auflösung von  1366 x 768 ist in der Tat ausgezeichnet und lässt sich auch noch aus recht schrägem Winkel ausreichend klar betrachten.

Ich hab mir das Brettchen mit dem neuen Touch Cover bestellt, eine berühungssensitive Tastatur, die zugleich als Abdeckung für den Monitor dient. Das Touch Cover ist nur wenige Millimeter  dünn und ist eine weitgehend komplette QWERTZ-Tastatur. Nun, was heißt „weitgehend komplett“?

Es fehlt ein Nummernblock und die Funktionstasten sind nur einfach belegt. Letztere unterscheiden sich in ihren Funktionen von den üblichen PC-Tastaturen. Vorhanden ist je eine Taste für den Wechsel zu den wichtigsten „Einstellungen“, für das Senden und Teilen von Inhalten. Dann gibt es noch die unvermeidliche Windows-Taste, die uns hier zur Metro-Oberfläche bringt, die nun nicht mehr so heißen darf.

Diese Tastatur funktioniert nach meinem Dafürhalten ausgezeichnet. Es macht Spaß mit ihr zu arbeiten und die wenigen Macken hat man schnell heraus. So darf man um den „Klammeraffen“ (@) aufzurufen nicht gleichzeitig auf STRG- und ALT-Taste drücken, sondern muss dies ein wenig zeitversetzt tun.  Nochmal: mit dieser Tastatur werde ich auch längere Texte schreiben.

 

Die Tastatur hängt man übrigens wie auch das Kabel zum Netzteil mit einem kleinen Magneten an den Haken. Auch das funktioniert ganz ausgezeichnet und erspart einem vor allen Dingen unterwegs großes Gefummel. Man kann die Tastatur wirklich mit einer Hand anschließen und wenn es sein muss wieder wegzerren. Vorbildliche Ergonomie. Und im Gegensatz zum VaporMg-Gehäuse ist die Tastatur wirklich matt und grifffreundlich. Es gibt keine Fingertapser und das Ganze strahlt durchaus eine gewisse „Anfass-Erotik“ aus.

Aber auch keine Tastatur ist eine Tastatur. Denn natürlich kann man sich auch eine virtuelle Tastatur auf den Monitor zaubern. Die virtuelle Tastatur ist flexibel anpassbar und funktioniert ordentlich. Sogar Handschrifteingaben sind möglich. Ich wollte aber mein neues Teilchen nicht gleich mit meiner Klaue zum Abrauchen bringen. Außerdem habe ich meinen Touch-Stift wieder zuhause liegen lassen. Und einen Stift liefert Microsoft nicht mit. Leider gibt es auch keinen Platz, um einen vorhandenen Stift zuverlässig zu verorten.  Schade eigentlich.

DIE SOFTWARE – GEWÖHNUNGSBEDÜRFTIG UND LÜCKENHAFT

Kommen wir zur Software. Es handelt sich erstmal um Windows 8 RT, also die abgespeckte Variante des neuen Windows-Standards. Ich hatte bis eben noch gar keine Erfahrung mit Windows 8. Und ich habe große Umstellungsprobleme. Und das wird wohl vielen erprobten Windows-Usern nicht anders ergehen.

Männer lesen ja bekanntlich keine Handbücher. Und hier zeigt sich schon, dass es sich beim Surface-Brettchen um ein klassisches Männerspielzeug handelt: es gibt nämlich gar kein Handbuch im Karton. Und da Programm nicht wie früher bei Windows üblich von selbst abstürzen – ich habe sowas jedenfalls heute auf dem Brettchen noch nicht erlebt – und man auch keine „Abschalten-Taste“ findet, muss man erst mal drauf kommen, dass man die Fenster – Pardon: Kacheln –  einfach nach unten aus dem Bildschirm schiebt, um sie zu schließen.

Ansonsten schiebt und wischt man sich so durchs Leben. Wenn man das mal internalisiert hat, kommt man vermutlich ganz gut damit zurecht. Mich bringt das vorerst noch zum Fluchen. Aber ich bin auch schon seit Version 1.2 bei Windows dabei und konnte mich noch nie leicht auf Neuerungen umstellen. Man(n) ist halt ein Gewohnheitstier.

Wenn das aber mal klappt, bleibt immer noch das Problem der verschmierten Monitore. Meiner sieht schon nach einer halben Stunde aus wie der Stadtkurs von Monaco nach fünf Runden Schumacher: lauter fette Bremsstreifen! In meinem Fall von fetten Fingern leicht und großzügig dahin geworfen. Bei den Autonavigationsgeräten kommt man endlich von diesen Tatschereien wieder ab, nun wird uns sowas als letzter Schrei der Computerbedienung verkauft. Ich weiß ja nicht …

Windows 8 RT hat aber eigentlich zwei Modi: die Wischiwaschi-Variante mit den passenden Apps und einen klassischen Desktop, in dem dann zum Beispiel das mitgelieferte Office 2013 – vorerst in einer doch recht stabilen Preview-Version – und der Browser läuft. Begucken wir uns erstmals die Apps.

Viel gibt es noch nicht. Der Microsoft Store bietet zum Beispiel für den Bereich „Social Networking“ derzeit gerade mal sechs Apps an. Abgesehen von Skype ist da wirklich nix dabei, was ich so brauche und gewohnt bin. Aber immerhin Skype funktioniert tadellos.

Auch eine YouTube App funktioniert ordentlich:

Microsoft schätzt, dass derzeit etwa 10.000 Apps von Drittherstellern weltweit verfügbar sind. Für das iPad soll es schon mehr als 700.000 geben.

Dass man sich nun überall auch noch mit einem Microsoft-Konto anmelden muss, daran gewöhnt man sich. Warum auch soll Google mehr von einem wissen, als die Kollegen in Redmond. Wenn wir schon unsere Seelen verkaufen, dann wenigstens nicht nur an ein Teufelchen. „Don’t be evil“ oder so.

Also viele aus dem Android-Nebel bekannte und gewohnte Apps gibt es leider noch nicht für Win 8 RT. Noch nicht einmal die Microsoft-ureigensten Lösungskompetenzen  kommen auf dem Surface zum Tragen. Das mitgelieferte Mail-Programm ist schlichtweg grottig: keine POP3-Funktionen und mangelhafte Bedienbarkeit. Unfied Communication ist was anderes. Es gibt aber eine Lync-App. Die hab ich aber noch nicht ausprobiert. Da werde ich wohl erstmal bei einem echten Spezialisten anfragen, der auch gerade auf sein Surface-Brettchen wartet: Johann Deutinger von der Berliner Ferrari electronic AG (Twitter @jwdberlin). Der kennt sich mit sowas wie kein Zweiter aus …

Auch schlimm: weder konnte ich bislang eine Facebook App, noch eine Google+ App, noch eine Twitter App auftreiben. Und das geht doch gar nicht. Und mit diesem Schmerz bin ich nicht allein (siehe hier). Und wenn man den Auguren glauben darf (guckst Du hier), wird es einige wohl auch nie geben. Und das ist dann auch meine negativste Erfahrung mit Microsoft Surface: KEIN GOOGLE CHROME AUF WINDOWS RT!

Eine Installation von Google Chrome ist derzeit auf Windows RT nicht möglich. Und wenn man es gewohnt ist seine ganzen tollen Tools direkt in Chrome eingebunden zu wissen, will da einfach keine Freude aufkommen.

Und es macht mich ziemlich sauer, wenn ich lesen und hören muss, dass Microsoft offenbar nicht nur einmal mehr die Vorgaben der EU ignoriert, von vornherein mehrere Browser alternativ zur Installation anzubieten, sondern offenbar auch über technische Tricks eine Anpassung alternativer Browser auf Windows RT aktiv verhindert.

RESUMÉE: EIN HOFFNUNGSTRÄGER, NICHT NUR FÜR MICROSOFT

Was muss in einem ersten Test noch gesagt werden? Richtig: die Akku-Laufzeit des Brettchens. Das Surface schafft ungefähr 59 CLÄKs, also Cole’sche Laufzeit-Äquivalent-Kilometer. Die Berechnung von CLÄKs ist einfach: mein guter Freund und Mitblogger Tim Cole schafft den Marathon noch immer in vorzüglichen 5 Stunden und 2,33 Minuten (siehe hier). Wenn unser Akku also rund 7 Stunden hält – und das scheint er knapp zu schaffen – kann Tim 63 Kilometer laufen, bis sein und mein Akku leer sind. Diese siebenstündige Laufzeit entspricht übrigens offenbar auch den Erfahrungen von Walter Mossberg vom Wallstreet Journal.

 

Was also ist vom Microsoft Surface Brettchen zu halten? Ein tolles Stück Hardware mit schwacher Software. Und das ist ein recht eigenartiges Resumee für ein Hardwareteilchen vom Softwarehersteller. Aber das kann man ja noch ändern. Und das muss sich auch ändern.

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