Die Scroll-Edition der WELT KOMPAKT – Ich war FAST dabei

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Heute liegt sie also endlich am Kiosk: die vor einigen Wochen angekündigte “Blogger-Ausgabe” der Tageszeitung WELT KOMPAKT, der “kleinen Schwester” der ganzen WELT. Der Verlag hatte einige deutsche Blogger – von Mode-Bloggern über Wein-Surfer bis hin zu Politik- und Kultur-Bloggern – eingeladen, einen Tag lang die Print-Ausgabe der WELT KOMPAKT zu gestalten. Gemeinsam mit meinen Blogger-Freunden vom Czyslansky-Blog – Tim Cole, Sebastian von Bomhard, Christoph Witte und Alexander Broy – war ich eingeladen dabei zu sein.

Leider konnte ich gestern aus Termingründen an der aktuellen Redaktionssitzung nicht teilnehmen, sondern nur an der “Vorproduktion”, womit ich mich in ordentlicher Gesellschaft befinde: die virtuellen  “Edelfedern” Robert Basic und Jeff Jarvis lieferten auch nur Stehsatz ab. Immerhin ist Teil der heutigen WELT KOMPAKT mein Beitrag über die Zukunft sozialer Netzwerke “Sterbende Netze – warum wir schließlich alle ins Gesichtsbuch eingehen werden”. Es geht um die Dominanz von Facebook, die Chancen von LinkedIn und die Krise etablierter nationaler Netzwerke.

Was war Sinn und Zweck dieses “Experiments”? Frank Schmiechen von der WELT KOMPAKT ist schon seit vielen Jahren nicht nur an den neuen sozialen Online-Medien interessiert, sondern tummelt sich auch offen, neugierig und diskussionsfreudig in diesen Medien. Er interessiert sich für die Auswirkungen von Twitter, Blogs und Foren auf die traditionellen Medien und hat deshalb – nach eigenen Aussagen – Blogger eingeladen, sich einmal dem Diktat des Zeitdrucks und begrenzter redaktioneller Fläche zu unterwerfen.  Er wollte eine Ausgabe seiner Zeitung mit dem typischen Duktus der Blogger (Meinung, Meinung, Meinung), verbunden mit den Nöten der Printredakteure (Druck, Druck, Druck). Aber natürlich war das ganze auch als schöne PR-Aktion für die WELT KOMPAKT gedacht. Warum auch nicht?

Die PR-Wirkung war freilich recht ambivalent. Im Vorfeld gab es in der Blogger Community heftige Diskussionen, ob man 40 Jahre nach Vietnam und Dutschke plötzlich wieder für “Springer” schreiben dürfe und ob man das dann auch noch “für lau” dürfe, also kostenlos. Die Debatte, die teilweise heftig unterirdisch geführt wurde, ist hier hinlänglich gut dokumentiert und ich mag das nicht noch einmal aufrollen. Schon weil weder Kollege Schmiechen noch die WELT KOMPAKT diese Diskussion verdient haben.

Vor Ort konnte ich leider gestern nicht dabei sein, doch haben meine Czyslansky-Freunde Sebastian von Bomhard, Alexander Broy und Tim Cole ihre Erfahrungen inzwischen veröffentlicht. Was ist aber nun bei der ganzen Sache herausgekommen?

Die Zeitung ist eigentlich keine wirklich aktuelle Zeitung. Sie besteht zum guten Teil aus mehr oder wenig zeitlosem Stehsatz, aus – natürlich lesenswerten (!) – Beiträgen der Blogger, die lediglich um einige wenige aktuelle Randnotizen, die die Blogger aus Agenturmeldungen zusammensuchen durften, ergänzt wurden. Letztlich hat man den Bloggern wohl nicht zugetraut unter Zeitdruck eine Zeitung druckfertig zu erstellen. Schade eigentlich. Man hätte sie ja wirklich mal auf Anschlag texten lassen können. So besteht die WELT KOMPAKT im Wesentlichen aus gedrucktem Internet: netter Online-Meinungs-Journalismus, aber keine kritische Reflektion des Tagesgeschehens. Dabei war gestern ja genug los: von der Umbenennung von Schloss Bellevue in Wullfsschanze bis zu seltsam guten Meldungen vom Arbeitsmarkt.

Diese Themen aber finden in der heutigen WELT KOMPAKT eher am Rande statt. Es entstand eben keine Melange aus Online- und Print, sondern gedrucktes Online, Blogs auf Papier. Schade vor allem, dass durch diese Redaktionsstruktur das aktuelle Informationsinteresse der regelmäßigen Leser sicherlich enttäuscht wurde (siehe w&v). Eine aktuelle Ausgabe, gemacht in Kooperation von klassischen Redakteuren UND Bloggern wäre wohl eine bessere Alternative gewesen.

Für einige Blogger mag das alles eine nette Redaktionsbesichtigung gewesen sein, andere – wie Tim oder Christoph – kannten das Geschäft aus ihrer eigenen journalistischen Vergangenheit. Die Springer-Redakteure haben mal einige “echte Blogger” gesehen und vielleicht feststellen können, dass auch diese des Schreibens durchaus mächtig sind. Weitere Lerneffekte aus diesem “Experiment” blieben und bleiben wohl aus.

Wir sich selbst ein Bild von der kompakten Welt machen möchte: die Zeitung gibt es hier zum Download: http://archiv.welt-kompakt.de/pdfaktuell/index.php

Die Tageszeitung von Bloggingen muss erst noch geschrieben werden. Wie wär’s mit einem neuen Versuch, Kollege Schmiechen? Mit ein wenig mehr Mut? Dann wäre ich gerne auch bei der Redaktionssitzung dabei. Meine Tageszeitungszeit liegt nun auch schon einige Jahre zurück. Damals wurde gerade mal der Bleisatz abgeschafft und in den Redaktionsstuben standen keine Computer, sondern Schreibmaschinen.

Die Projektidee war klasse. Nur ein klein wenig weiter springen sollten Sie noch, was aber doch wohl im Hause Springer möglich sein sollte …

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