Davon geht die WELT nicht unter. Springer konzentriert sich auf Online und verkauft regionale Printtitel und Fernsehblätter. Und das ist gut so.

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Springer erweist sich in diesen Tagen als moderner und wirtschaftlich gut geführter Verlag. Das mag uns gefallen oder nicht. Und wir mögen über BILD die Nase rümpfen wie wir wollen: die verlegerische Strategie Mathias Döpfners ist zukunftsweisender, als alle Schönredner, die der linksliberale Wettbewerb in den vergangenen Jahren so hervorgebracht hat. Der Konzentrationsprozess im Print-Bereich wird weitergehen. Und dies nicht nur weil die Anzeigenumsätze sich stärker als bisher auf „target marketing“ in Facebook & Co. verlegen werden – hier sehen wir doch erst die Spitze des Eisberges; der Nachholbedarf ist riesig – sondern auch weil die junge Generation gelernt hat sich auch ohne Tageszeitungen zu Demokraten zu entwickeln.

Tageszeitungen wird es auch in zwanzig Jahren noch geben, aber es werden von den heute noch vorhandenen 130 publizistischen Einheiten dann vielleicht noch 30 oder 40 übrig sein. Die Zukunft der Zeitung ist umstritten.

Und die Demokratie wird das überleben. Wir haben auch die erste Halbierung der Anzahl selbstständiger Tageszeitungsredaktionen seit den Nachkriegsjahren ohne gravierenden Schaden überstanden. Dabei war die Zunahme der „Einzeitungskreise“ viel dramatischer für eine lebendige Demokratie, als der Rückgang der Zeitungsvielfalt im Bundesvergleich. Mir ist es wichtiger, dass ich auch künftig in der überregionalen Berichterstattung zwischen taz, FAZ, Süddeutscher und WELT entscheiden kann, als dass mein Lokalblatt mit dem Wochenmarktbericht  überlebt. Im Lokalen entwickeln sich immer mehr interessante Alternativen gerade auch in der Online-Welt. Langfristig hat professioneller Journalismus in einigen wenigen überregionalen Qualitätszeitungen einen Platz. Deshalb ist es gut, wenn sich Springer auf die WELT konzentriert. Und das bisschen BILD überleben wir auch noch.

Springer und IDG gehen den richtigen Weg: die Zukunft der Verlage ist online

Langfristig haben unsere Verlage nur eine Chance, wenn sie sich neue Einnahmequellen online erschießen. Im Fachmedien-Markt macht dies Verleger York von Heimburg mit seinem IT-Verlag IDG mustergültig vor. Und dort sieht man auch, dass dies weh tun muss: es gehen viele Stellen für qualifizierte Journalisten verloren. Ja, das tut weh. Aber das kennen wir aus zahlreichen Berufsgruppen. Und wir müssen gleichzeitig die Verschiebung redaktioneller Kompetenz von „unabhängigen“ Journalisten zu „abhängigen“ PR-Auftragsschreibern beobachten. Warum ich hier Anführungszeichen verwende? Weil die Grenze zwischen PR und Redaktion gerade bei den Fachmedien immer schon fließend war. Und ich meine hier nicht nur die offenkundige Anzeigenabhängigkeit der Verlage – ich habe hier noch einen Brief eines Verlegers liegen, der uns bittet seine Redaktionen von allen Informationsverteilern zu nehmen, bis meine Kunden „endlich“ auch Anzeigen bei ihm schalten – sondern auch die Tatsache, dass sich kritische wie auch anpasserische Geister sowohl unter Journalisten, als auch unter PR-Leuten finden lassen. Manchmal sind die Qualität der Schreibe und Fairness und Aufrichtigkeit in der Berufsethik in der Tat wichtiger, als eine vermeintliche Unabhängigkeit.

An den jüngsten Entscheidungen Springers gibt es aus unternehmerischer und verlagsstrategischer Sicht nichts auszusetzen. Um die demokratische Verfasstheit unserer Gesellschaft mach ich mir in diesem Zusammenhang auch keine Sorgen, obwohl ich weiß, dass wir Deutsche unseren Medien nach 1945 viel zu verdanken haben. Meine Sorge gilt einzig und allein den journalistischen Kolleginnen und Kollegen in den betroffenen Redaktionen. Um ihre Arbeitsplätze fürchte ich. Aber – mit Verlaub – dies ist keine neue Angst.

 

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