Band Aid und die dunkle Macht der Medien

Plattencover "Do They Know It's Christmas?"
Cover

Was war das für ein Spektakel, damals, 1984. Bob Geldof und Midge Ure gründeten die legendäre „Band Aid„. Ziel dieser Vereinigung von zahlreichen Pop-Künstlern aus aller Welt war es, mit einem gemeinsamen Songprojekt Geld für die Hungersnot in Äthiopien zu sammeln.

Pünktlich zur Adventszeit war es dann soweit: Do They Know It’s Christmas? landete aus dem Stand auf allen Topplätzen internationaler Musikcharts. Das Resultat waren 6 Millionen verkaufte Tonträger bei rund 8 Millionen eingenommener US-Dollar. Die Medien waren seinerzeit außer sich vor Freude und Zuspruch – hatte doch „endlich mal jemand etwas getan“…

Durch die Presse, über die TV-Anstalten – überall wurden Geldof und deine Sangeskollegen über den Klee gelobt und ausgezeichnet. Auch Folge-Projekte (ja, auch in Deutschland, initiiert durch Herbert Grönemeier, mit dem klangvollen Namen „Band für Afrika“) wurden dermaßen in den musikalischen und sozialen Himmel gehoben – auch wenn die Verkaufszahlen der „Band Aid II“ und „Band Aid 20“ nicht mehr an die anfänglichen Erfolge anknüpfen konnten. Egal. Es war gut. Es war sozial. Jemand kümmerte sich. Toll!

Ganz andere Töne schlagen nun die Kritiker des jüngsten Projektes an: Mit „Band Aid 30“ rief Bob Geldof erneut auf, sich zusammen zu tun und den zugegebenermaßen etwas angestaubten Song Do They Know It’s Christmas? zu reanimieren. Ziel diesmal: Millionen sammeln für die Bekämpfung von Ebola. Und es kamen diesmal: Absagen berühmter Sänger, offene Kritik am Sinn des Projektes… Was war passiert?

Der Grundtenor bewegt sich in Richtung „Großspurigkeit“,  „Überheblichkeit“ oder „Widersprüchlichkeit“. Denn, so behaupten die Medien nahezu einstimmig, das gesamte Projekt zeige wieder einmal mit dem Finger auf Menschen, die beispielsweise mit Weihnachten soviel zu tun haben wie Bob Geldof mit Bob der Baumeister.

Und damit nicht genug für des Herrn Geldof gekränktes Ego: Auch der deutsche Ableger von Band Aid 30, realisiert unter anderem unter der Leitung seines guten Freundes Campino von den Toten Hosen, gerät hierzulande unter heftigen medialen Beschuss. Huch, was ist denn da los? Was erlauben Pressewelt? Man kann doch keine caritative Initiative kritisieren! Kann man doch, sagen beispielsweise Komödianten wie Jan Böhmermann. Er fiel in einem Filmbeitrag mit weit offenem Visier über Campino & Co. her, warf dem Projekt unter anderem sowas wie Effekthascherei vor. Er machte sich öffentlich lustig über die Intention und Ausführung des deutschen Band Aid Projekts.

Und dann wurde die mediale Lawine losgetreten: Medien aus aller Herren (Bundes)-Länder stießen verzückt ins gleiche Horn. Machten Campino und seinen Popstars Vorwürfe, bemängelten die Absicht hinter dem Song. Bemängelten die Umsetzung. Bemängelten einfach alles Greifbare. Vergessen wurde dabei aber: Weder Band Aid 30, noch dessen deutsches Pendant, hatten je Böses im Sinn. Man wollte helfen. man wollte aufstehen und etwas tun. Ob die Künstler genug Geld auf dem Konto haben, um einfach so etwas zu spenden, ist völlig nebensächlich.

Wie leicht ist es doch, sich über Hilfsprojekte lustig zu machen. Aber eines ist mal sicher: Würden wir nicht ab und zu ans Spenden erinnert, würden wir das Leid und die Not doch gerne “vergessen”. Und würde uns diese Not und das Elend nicht ab und zu im TV unter die Nase gehalten, würden wir es doch auch gerne “vergessen”.

Egal, wieviel Campino verdient; egal, wie “wenig” Aufwand das für die Sänger bedeutet: Es tut aber mal jemand was. Lasst die Jungs doch machen – auch wenn der Song einem nicht gefällt – man muss ja nicht hinhören, man muss ja auch nichts spenden. Man sollte sich nur seiner Macht bewusst sein und der Kraft, Meinungs-Lemminge an die Klippen zu führen.

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