Alle Beiträge von Enrico Stephan

Enrico Stephan twittert auch auf http://twitter.com/EMStephan

Die Rolle des Internets beim Fall Guttenberg(s)

Keine 24 Stunden nachdem Dr. Guttenberg seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern erklärt hat wird darüber spekuliert, ob das Internet den Minister zu Fall gebracht hat. Robin Meyer-Lucht stellt auf Carta die These auf, dass das GuttenPlag Wiki und die Unterschriftensammlung von Doktoranden über das Netz einen entscheidenden Beitrag zum Rücktritt des Ministers leisteten. Mittlerweile findet sich auf dem Blog auch eine Zitatesammlung, die die These untermauern soll.

Die Causa Guttenberg verdeutlicht, dass die “Netzgemeinde” ein wichtiger Faktor im politischen Gefüge geworden ist. GuttenPlag Wiki, die Unterschriftensammlung der Doktoranden, die über das Internet organisierten Anti-Guttenberg-Demonstrationen und die Reaktionen in zahlreichen Blogs oder auf Twitter belegen das. Die Stimmung im Netz war und ist aber nicht nur Contra Guttenberg. Die Kommentare auf Guttenbergs Facebook-Seite und der große Zulauf für die nach dem Rücktritt ins Leben gerufene Unterstützergruppe auf Facebook “Wir wollen Guttenberg zurück” widersprechen der These vom starken Einfluss der “Netzgemeinde” auf den Rücktritt.

Meiner Meinung nach ist der mediale Druck auf Guttenberg letztlich den Bettel hinzuschmeißen einer Wechselwirkung zwischen traditionellen und neuen Medien geschuldet. Etablierte Medien berichteten als erste über die Plagiatsvorwürfe, danach starteten das wiki-Projekt und die Debatten auf Blogs und anderen Social-Media-Plattformen. Als schließlich Zug um Zug die Ausmaße der Vorwürfe ans Licht kamen, nahmen die etablierten Medien die Kugel wieder auf und trieben sie weiter. Spiegel, FAZ, FTD und Co fungierten als Multiplikator für die Netzmeinung. Auf der anderen Seite positionierte sich die Bild-Zeitung. Erst berichtete sie drei Tage, sagen wir mal, nicht so wie man es von ihr gewohnt ist bei Politikerfehltritten, und spielte sich im Anschluss als der Anwalt der Pro-Guttenberg-Fraktion auf. Genutzt hat es bekanntermaßen nix.

Ich ziehe aus dem Beispiel Guttenberg vier Lehren:

  1. Das Internet wird stärker und heterogener in der Öffentlichkeit wahrgenommen.
  2. Es bedarf reichweitenstarker, traditioneller Medien die Meinung der “Netzbürger” weiterzuverbreiten.
  3. Journalisten und Blogger können sich ergänzen.
  4. Der Einfluss der Bild ist nicht unendlich.

Nokia und Microsoft: Gemeinsam gegen Google

Gerüchte gab es schon länger, seit letzter Woche ist es amtlich: Kurz vor Beginn des Mobile World Congress (MWC) verkündeten Nokia und Microsoft, gemeinsam Google auf dem Handymarkt Konkurrenz machen zu wollen. Demnach soll auf Nokia-Smartphones statt des hauseigenen Symbian zukünftig das Betriebssystem Windows Phone 7 laufen. In einem gemeinsamen offenen Brief des Nokia CEOs Stephen Elop und Microsoft CEO Steve Ballmer geben sich beide kampfeslustig. Unter anderem sprechen sie davon, die Konkurrenz “zerstören” zu wollen. Große Worte!

Für beide macht eine Zusammenarbeit Sinn. Nokias eigenes Betriebssystem Symbian verliert rasant an Boden gegenüber Android. Eine aktuelle Studie von IDC verdeutlicht, dass das Google-Betriebssystem bis 2013 Nokia erheblich Handymarktanteile abnehmen wird. Und auch Microsoft konnte auf dem Mobile-Feld noch nicht wirklich punkten. Erst kürzlich wurde Windows Mobile eingestampft, alle Hoffnungen ruhen seitdem auf Windows Phone 7. Da kommt es gelegen, dass mit Elop nun ein ehemaliger Microsoft-Manger das Ruder bei den Finnen übernomen hat. Zwar soll Symbian weiter unterstützt werden und auch MeeGo fortgesetzt werden, aber im Fokus der Bemühungen steht Windows Phone 7. Nokias Marktführerschaft auf dem Handymarkt und die große Entwickler-Community der Redmonder könnten zusammen, den rasanten Aufstieg Androids bremsen.

Mittlerweile hat auch der Zusammenschluss von neun Nokia-Aktionären “Nokia Plan B” aufgegeben den Rücktritt Elops zu fordern. Die neun Rebellen hatten in einem offenen Brief angekündigt, auf der Jahreshauptversammlung, Elop als CEO abzusetzen und die Kooperation mit Microsoft aufzukündigen. Bereits 36 Stunden nach Verlautbarung der Pläne wurden diese aber wieder ad acta gelegt.

Nachdem die Bekanntgabe des Deals, auch an der Börse, hohe Wellen schlug, scheint die erste Entrüstung darüber vorbei zu sein. Und auch Ex-Google CEO Eric Schmidt zeigte auf dem MWC nur kurzzeitig Bedauern darüber, dass sich Nokia gegen Android entschieden hat. Auch Google hatte versucht eine Kooperation mit Nokia zu schließen, die kurzen Verhandlungen blieben jedoch ohne Erfolg. Laut Schmidt, sei aber Microsoft immer noch der Hauptkonkurrent für Google.

Es bleibt also spannend auf dem Handymarkt. Noch dazu, da mit HP ein weiterer Big Player massiv in den Mobile-Markt drängt. Nach jüngsten Verlautbarungen, möchte HP das Betriebssystem WebOS weiterführen. Erste Handys wurden auf dem MWC bereits vorgestellt.

Mein Messerundgang über die komma und werbemittelmesse: Wenig Neues und ein Rätsel

Gestern öffneten die komma – Fachmesse für Kommunikation und Marketing und die werbemittelmesse wmm ihre Pforten. Beide Messen preisen auf ihrer Website an, Trends und Neuheiten in Marketing, Kommunikation und Werbung zu präsentieren. Für mich Grund genug, mal vorbeizuschauen.

Mein erster Weg führte mich in die Halle der werbemittelmesse, wo mir auf den ersten Blick – und auch bei genauerem Hinsehen – nichts wirklich Neues auffiel. Viele Kugelschreiber, Regenschirme, Taschen, T-Shirts, Uhren, USB-Sticks, Regenschirme, Krawatten, Plüschtiere, Trinkflaschen, Porzellan, Gläser, Regenschirme, Reisegepäck, Accessoires, Kalender, Kunstobjekte, Regenschirme, Werbemappen, Schlüsselanhänger, Taschenmesser, Nagelsets, Regenschirme, Parfum, Spielwaren, Kosmetik, Namensschilder, Leuchten, Lederwaren, Golf-Equipment, Regenschirme, … Etwas bahnbrechend Innovatives konnte ich nicht entdecken.

Weiterlesen