angie allein im web?

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der jugend- und online-ableger der süddeutschen zeitung jetzt.de bringt ein interview mit markus beckedahl von re-publica zu dessen studie über politiker im web 2.0.  die ergebnisse der untersuchung sind nicht überraschend: deutsche politiker scheuen das soziale netz wie  ministranten katholische priester.

„In den USA hat Barack Obama über eine Million Unterstützer bei Facebook. In Deutschland haben wir von Angela Merkel ein Profil bei Facebook gefunden, sonst aber von so gut wie keinem Politiker in einem sozialen Netzwerk“  (beckedahl). deutsche parteien investierten noch zu wenig in online-wahlkämpfe, so der deutsche online-politik-papst.

aber liegt das nur an der unfähigkeit der pr- und marketingprofis hinter unseren politikern? daran, dass die moritz hunzingers ihren kunden zwar die anzüge kaufen, aber kein blog einrichten?

dies ist sicherlich nur ein teil der wahrheit. die mangelnde akzeptanz des sozialen web in unserer politik liegt nicht zuletzt auch in der idyllisierung der politik durch die gesellschaft, durch die medien. unsere politiker sollen immer gleich antiseptische superhelden sein: edel, hilfreich und gut. sind sie das nicht, so werden sie gleich systematisch fertig gemacht. und weil sie es nicht sind, werden sie folgerichtig von unseren medien in den eimer gestampft. und deshalb würde es einem deutschen jugendlichen im albtraum nicht einfallen sich als fan von kurt beck oder meinetwegen gysi zu outen. mit solch einer bürgerkultur aber wird ein politiker im netz ganz schnell durchfallen, egal wie aufrichtig und gut er sich dort präsentiert und zur diskussion stellt.

in den usa darf man sich auf dem schulhof und im blog ungestraft als fan von obama oder hillary outen. in deutschland wird, wer einen politiker zum vorbild erklärt, für doof oder zum fdp-mitglied erklärt.

wenn wir endlich politiker mit ihrem alkoholismus, ihren sexuellen neurosen, ihrer verlogenheit, aber auch mit ihrer aufrichtigkeit, mit ihrem ehrlich gemeintem engagement und ihrem sendungsbewusstsein als ganz normale menschen ernst nehmen würden, dann wären sie in der gesellschaft und im social web angekommen.

dann würden wir auch ein grassroot campaigning für kurt beck erleben, das vielleicht ein wenig nach „blauer bock im blog“ aussieht, aber immerhin präsent wäre. soweit sind nicht nur unsere politischen pr-kollegen noch nicht. so weit ist auch unsere politische alltagskultur noch nicht. und damit meine ich nicht die kultur unserer politiker, sondern das alltägliche runtergeputze unserer politiker in unseren medien, in unseren blogs und an unseren stammtischen.

unsere gesellschaft ist noch nicht reif für politiker in sozialen netzen.

1 Antwort
  1. Patrick Hofer
    Patrick Hofer says:

    Wie wahr: Der Schweizer Bundesrat hat kein Interesse, via Internet-Site Facebook mit dem Volk zu kommunizieren. Siehe: Facebook: EDA lässt Calmy-Rey löschen, http://www.20min.ch/news/schweiz/story/22809605. Wie schwer es ist ein Facebook Profil zu löschen schreibt der NZZ-Folio Redaktor Mikael Krogerus im amüsanten Selbstversuch hier: http://www.nzzfolio.ch/www/21b625ad-36bc-48ea-b615-1c30cd0b472d/showarticle/f9516541-bd84-4fbb-8404-ded2b5353351.aspx

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